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Interview, 14.10.2016
Markenschutz im Internet
Online-Markenpiraten das Wasser abgraben
Ein Interview mit Stefan Moritz, MarkMonitor
Markenpiraten haben mittlerweile das Netz erobert. Stefan Moritz, Online-Markenschutz-Experte von MarkMonitor erklrt, warum dies fr Verbraucher und Unternehmer gleichermaen zur Gefahr werden kann und wie sie sich Markenflscher wehren knnen ....

Herr Moritz, Sie sagen, dass der Handel mit geflschten Waren in manchen Bereichen Rekordzuwchse verzeichnet. Welches Ausma hat das Problem inzwischen erreicht?

Stefan Moritz: Das Problem weitet sich in der Tat immer mehr aus. Denn der Handel mit geflschten oder kopierten Waren hat sich zu einem Milliardengeschft entwickelt und macht mittlerweile zwischen 5 und 7 Prozent des Welthandels aus  Tendenz steigend. Schon heute kosten die kriminellen Machenschaften Markenunternehmen mehrere hundert Milliarden Euro pro Jahr. Allein deutschen Herstellern entsteht durch den Handel mit geflschten Markenprodukten jhrlich ein Schaden von 50 Milliarden Euro . Der Online-Handel spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn durch die rasante Verbreitung des Internets und der globalen E-Commerce-Plattformen ist die Situation erst eskaliert. Statt an der Straenecke ist der Verkauf geflschter Waren lngst auf globaler Ebene mglich. Marken-Piraten knnen jetzt sehr einfach und kostengnstig E-Commerce-Webseiten einrichten oder ihre Waren auf B2C- oder B2B-Plattformen anbieten.  Online-Kriminelle nutzen zudem die Popularitt von Marken, um auf andere Weise Geld zu verdienen. Etwa indem sie sich Internet-Domains sichern, die sich eng an den Namen bekannter Marken angelehnt sind, um so Internet-Besucher auf diese falschen Seiten zu locken. Hufig lenken sie auch ber das Suchmaschinenmarketing Web-Traffic, der eigentlich auf Websites von Unternehmen oder Markeninhabern gehen sollte, auf ihre tuschend echt aussehenden Piratenseiten oder zocken mittels betrgerischen Internettraffic-Umleitungen ab. Zusehends missbrauchen sie Markennamen auch auf Social-Media-Plattformen. Diese Seiten werden hufig ber soziale Netzwerke weiterempfohlen und sind ber Suchmaschinen problemlos zu finden. Heute hat sich rund um den Handel mit geflschten Markenartikeln eine professionelle Online-Supply-Chain etabliert, die durchaus mit legitimen Distributionskanlen vergleichbar ist.

Welche Branchen sind davon besonders betroffen?

Moritz:  Diese Entwicklung betrifft nahezu alle Branchen, von Luxusgtern ber Konsumgter, Pharma- und Technologieprodukten bis hin zu Nahrungsmitteln. Dabei sprechen wir nicht nur ber Marken groer Konzerne die Aktivitten von Online-Flschern knnen jedes Unternehmen treffen, ob gro oder klein. Und wer meint, weil er seine Waren nicht im Netz vertreibt, wre die eigene Marke nicht gefhrdet, irrt gewaltig. Denn Kriminelle knnen trotzdem Kopien der Markenprodukte online bewerben und zum Verkauf anbieten. Kufer wissen ja meist nicht, dass der Markenhersteller seine Produkte nicht online vertreibt. Uns allen muss bewusst sein: Cyber-Kriminalitt ist kein kurzfristiges Phnomen, das wieder verschwindet. Diese Gefahren zu ignorieren oder einfach auf bessere Zeiten zu hoffen, ist keine Option.

Welche Auswirkungen haben die Flschungen denn fr den Markeninhaber? Geht es hier nur um Umsatzeinbuen?

Moritz: Fr Unternehmen geht es natrlich auch um verlorene Umstze und um eventuell abgewanderte Kunden. Darber hinaus aber stehen Handelsbeziehungen sowie der Markenwert und die Marketingeffizienz auf dem Spiel. Denn es besteht die Gefahr, dass durch billige Plagiate der Wert und die Reputation der Marke nachhaltig leidet. Wenn ein Kunde meint, ein Markenprodukt erworben zu haben, aber mit einem gnstigen Nachahmerprodukt schlechte Erfahrungen macht, ist er enttuscht. Das zieht in erster Instanz Anforderungen an das Beschwerdemanagement und den Kundenservice nach sich. Denn wenn der Verbraucher nicht die Markenqualitt erhlt, die er erwartet, leidet die Kundenzufriedenheit. Von Haftungsrisiken mal ganz zu schweigen. Das schadet natrlich auch dem Image einer Marke erheblich. Solche Imageschden knnen sogar dazu fhren, dass sich Distributionspartner zurckziehen, wenn beispielsweise aufgrund der angebotenen Flschungen die Nachfrage nach dem Original sinkt. Abgesehen davon knnen billige Plagiate Marken auch unter Preisdruck bringen. Auf Verbraucherseite verursachen geflschte Produkte zunehmend Qualittsprobleme. Dies kann dazu fhren, dass sich Markeneigner ohne Verschulden mit steigendem Kundenservice, Beschwerdemanagement und Gewhrleistung abkmpfen mssen.

Wie knnen Markenunternehmen und sonstige Markeninhaber sich bzw. ihre Marken zu schtzen?


Mir ist es wichtig festzuhalten, dass Markeninhaber weltweit effektiv und schlagkrftig gegen den Online-Handel mit geflschten Waren vorgehen knnen. Im Gegensatz zu den Strategien zur Bekmpfung von Flschern in der realen Welt, muss im Internet allerdings zweigleisig gefahren werden: Dafr sind die Aktivitten der Flscher auf der werblichen Seite ebenso abzuwehren wie an den Vertriebspunkten. Entscheidend ist es, konsequent gegen die Tuschungsmanver der Cyber-Kriminellen vorzugehen. Es kommt vor allem darauf an, die Machenschaften der Flscher zu stren und es schwer zu machen, deren geflschte Angebote zu finden. Das heit, Hersteller sollten zum unbequemen Ziel fr Flscher werden und  konsequent, wenn notwendig mit juristischem Nachdruck, verlangen, dass online identifizierte Flschungen gelscht werden. Alleine durch diese kompromisslose Haltung sinkt die Gesamtzahl der Verste meistens schon erheblich. Hersteller sind daher gut beraten, das Netz laufend mit professionellen Mitteln zu berwachen und zu bewerten und ihre Marken systematisch gegen Cyber-Angriffe zu schtzen.

Und wie knnen sich Verbraucher gegen Markenpiraten und deren Angebote schtzen?

Moritz: Verbraucher haben es in der Tat immer schwerer, kopierte Waren vom Original zu unterscheiden. Denn mittlerweile sind die Webseiten der Kriminellen so professionell aufgebaut, dass sie auch versierte Online-Kufer reinlegen knnen. Erschwerend hinzu kommt, dass die Kriminellen gelernt haben, die Produkte preislich so nah am Original auszurichten, dass sie leicht mit Sonderangeboten der Markenhersteller verwechselt werden knnen. Laut einer weltweiten Verbraucherstudie von MarkMonitor ist brigens schon fast jeder vierte Konsument beim Online-Shopping auf Produkt-Piraten hereingefallen vor allem Markenprodukte wie Schuhe, Bekleidung, Elektronik-Artikel und digitale Inhalte stellen sich nach dem Kauf im Netz hufig als Flschung heraus. Eine gewaltige Zahl an Betrogenen, wenn man bedenkt, dass laut der Studie mittlerweile mehr als ein Drittel der Verbraucher ihrer Einkufe online erledigen. Das heit aber nicht, dass Verbraucher sich nicht schtzen knnten.

Gibt es Mglichkeiten, ein Fake-Angebot als solches zu erkennen?

Moritz: Oft lassen sich Piratenseiten schon an der URL erkennen, denn Online-Betrger verwenden hufig den Namen der Originalmarke nur eben mit einem unaufflligen oder hufigen Tippfehler. Wichtig ist auch, dass https am Beginn der URL-Eingabezeile mit Beginn des Bezahlprozesses steht. Dies zeigt, dass es sich dabei um sichere Webseiten mit einem verschlsselten Daten-bertragungsprotokoll handelt. Im Gegensatz zu serisen Anbietern scheuen Flscher die Investition in https-Zertifikate. Auch lohnt sich fr den Nutzer meist ein Blick auf Unterseiten wie Geschftsbedingungen, ber uns, das Impressum oder Fragen und Antworten zu werfen: Anbieter mit betrgerischen Absichten investieren in der Regel keine Zeit, um klare Datenschutzregeln aufzustellen oder hufige Fragen zu beantworten. Das wichtigste Kriterium ist aber immer noch der Preis: Marken-Piraten kdern Online-Kufer ber den Preis und das Versprechen, den besten Deal aller Zeiten zu bieten. Sollten Internet-Kufer also ein Angebot sehen, das zu verlockend klingt, sollten sie lieber die Finger davon lassen.

ZUM AUTOR
ber Stefan Moritz
MarkMonitor
Stefan Moritz ist Regional Directors DACH bei MarkMonitor. MarkMonitor ist der weltweit führende Anbieter für Online-Markenschutz und Teil des Bereichs Intellectual Property & Science von Thomson Reuters. MarkMonitor nutzt ein SaaS ...
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