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Fachartikel, 01.02.2019
Gewinnend kommunizieren
Erfolgsfaktoren wirkungsvoller Führungskommunikation
Im Berufs- und Geschäftsalltag sind sie allgegenwärtig: Phrasen und sprachliche „Zugehörigkeitscodes“. Sie verfangen allerdings nur unter Gleichgesinnten, auf Außenstehende dagegen wirkt die sogenannte Business-und Fachsprache meist elitär und abgehoben - schreckt eher ab statt zu gewinnen.

Die sogenannte Fachsprache wird dazu genutzt, sich unter seinesgleichen zu verstndigen - etwa unter Fhrungskrften oder Gleichgesinnten aus dem eigenen Fachbereich. In der Alltagskommunikation wirkt diese Sprache jedoch oft befremdlich und schreckt viele Menschen ab. Fhrungskrfte und Experten sollten ihre Kommunikation deshalb bei Zeiten immer wieder auf den Prfstand stellen und auf ihre Gesprchspartner und Zuhrergruppe anzupassen wissen.

Brcken bauen

Allen Informatikern ist zu raten, Stze wie „Der Speichercontroller sitzt nicht mehr auf dem Mainboard in der CPU, rebooten Sie das System doch nochmals.“ im Dialog mit Normalsterblichen zu vermeiden. Aber reden wir nicht von Informatikern und anderen Fachexperten, die wir ja alle auf die eine oder andere Art und Weise sind. Ich mchte mich heute auf die Sprache von Fhrungspersonen fokussieren. Diese hat ganz besonders, aber im Grunde wie immer in der Kommunikation, das Ziel, Brcken zu bauen. Ob anordnen, ernst nehmen, Ziele setzen, Verstndnis zeigen, coachen, frdern oder fordern – immer, wenn Fhrungskrfte mit Mitarbeitern in den Dialog treten, hat das Gesprch hoffentlich ein Ziel. Das Minimalziel sollte aber zumindest sein, dass man sich versteht.

Nicht abheben

Das Minimalziel steht ganz vorne, beim Einfachen. Und das Einfache ist oft das, was unbewusst geschieht. Unbewusstes geschieht gerade in der Kommunikation so, dass es aufgrund einer Rolle entsteht. Sobald ich als „Vater“ vor meinen Kindern stehe, lade ich einen anderen Wortschatz auf, als wenn ich mit meiner Frau in einem gepflegten Restaurant den 20. Hochzeitstag feiere. Da muss ich nicht viel denken ... allerdings wre es trotzdem gut, wir wrden es ruhig wieder einmal tun. Gerade Fhrungskrfte laufen oft Gefahr, auch sprachlich abzuheben. Da beginnen Menschen ein Early-Morning-Board, und tun im Grunde nichts anderes, als den Tag zu besprechen. Weiter geht’s mit Meetings, Quick-and-Quality-Time-outs, an denen getalkt, gebrieft und getrackt wird. Klar, man kann auch sagen: Wir besprechen uns kurz, um eine Entscheidung zu treffen. Aber das wre ja nicht mehr up-to-date!

Vom „Human-Factor“ zum normalen Menschen

Beim Face-to-face mit dem Direct-and-End-Consumer knnte man auch von Kundengesprch reden, aber ein Key-Account-Manager ist ja kein Verkufer und verkauft, sondern er commited sich im Sales-Business. „Mal was suchen oder abklren“ war gestern, heute wird gegoogelt. Wir genieen den Casual-Friday ohne Krawatte, klren das aber vorher noch in einem Conference-Call ab. Projekte werden oft nicht mehr durch-, sondern nur noch angedacht. Ist ja auch viel effizienter und bevor man etwas ‚aufgleist‘, sollten wir uns noch ‚rckkoppeln‘. Eine Task-Force ‚forciert‘, ist sich zwar nicht immer bewusst, was die ‚Exit-Strategie‘ ist, aber Hauptsache, wir gehen das ‚proaktiv‘ (weil wohl ‚aktiv‘ zu wenig aktiv ist …) an. ‚Anyway‘… ‘finale Details sind zu klren‘, bevor der ‚Rollout‘ maximal ‚am Fliegen‘ ist. Wenn Sie schlussendlich noch bers Image an einem ‚Prio-1-Setting‘ teilnehmen, kann in Sachen ‚Corporate-Identity‘ kaum mehr etwas schiefgehen. Auer ein ‚Outsider‘ meldet sich im ‚Blind-Blog‘ noch ber den USP des Added Value im Halo Effekt. Sptestens aber beim ‚Business-Lunch‘ wird jeder ‚Human-Factor‘ wieder zum normalen Menschen, der nichts anderes als ein ziemlich natrliches Hungerbedrfnis hat.

Nichtssagende Sprche

Es gibt nicht nur englische, sondern auch manche neuen, deutschen Wrter, die ber Zugehrigkeitscodes den Einzug ins Leben und schlussendlich eines Tages in den Duden finden. Nun, unter Umstnden kann der Andere das alles in der modernen Zeit sogar „bersetzen“. Ansonsten ist fast alles ‚im Fluss‘, der ‚Wandel ist die einzige stetige Gre‘ und dass wir fr alles ‚Geld in die Hand nehmen‘ ist ebenfalls ein ‚must-have‘ oder zumindest ein ‚nice-to-have‘. Wre da nicht auch noch die Phrasendrescherei, die gerade in der Fhrung von auen mindestens ebenso schmerzhaft wahrgenommen wird. Es ist wieder „in“, Plakate zu drucken mit „Zielbild ‚Kunde’ – wir stehen alle von morgens bis abends im Dienst des Kunden“. Auf dem Weg zur Kantine, auf dem Startbildschirm – in unaufdringlicher Penetranz strahlen sie, die schlussendlich nichtssagenden Sprche.

Austauschbare Begriffe

Eine Studie in einer Wirtschaftszeitung (Daniel Seiler in „Alpha“) bei den 100 grten Schweizer Unternehmen zeigt, wie austauschbar die hufigsten Begriffe in Leitbildern sind:

  1. Innovation, Kundenfokus: 35%
  2. Verantwortung: 25%
  3. Qualitt: 23%
  4. Engagement: 19%
  5. Zuverlssigkeit: 14%
  6. Integritt, Partnerschaft: 13%
  7. Nachhaltigkeit: 12%
  8. Kommunikation, Transparenz: 10%
  9. Fairness, Sicherheit, Vertrauen: 9%
  10. Service, Offenheit: 7%

Wenn sich nun rechnerisch gesehen jedes dritte Unternehmen Innovation und Kundenfokus als Leitwert auf die Fahne schreibt, dann msste es uns als Kunden ja eigentlich gut gehen. Eigentlich! Ich will hier wahrlich nicht alles schlecht reden oder schreiben. Selbstverstndlich gibt es Beispiele von Unternehmen, die das tatschlich sprbar umsetzen. Es geht hier nicht einfach um den fhrungsmethodischen Ansatz, dass Leitbilder leben sollen, dass deren Inhalte auch umgesetzt werden. Es beginnt bereits bei der Kommunikation der Aussagen und Werte. Diese fllen schlielich auch die Powerpoints-Slides von Fhrungskrften und bespicken Meetings.

Lieber greifbare Aussagen!

Darum sind diese Begriffe zu hinterfragen und zu konkretisieren. WAS ist innovativ? WAS ist kundenfokussiert? WAS verstehen wir unter Qualitt? Nennen wir das Kind beim Namen. In der mndlichen Kommunikation von Fhrungskrften ist das ein MUSS. Wenn es Unternehmen in der schriftlichen und Plakatkommunikation machen, verhelfen sie diesen zu greifbaren Aussagen. Anstatt „Innovation ist wesentlicher Treiber unseres Erfolgs“ vielleicht einmal das, was ich in einer Privatschule gelesen habe: „Wir fhren unsere Schler und Schlerinnen dahin, den Herausforderungen ihres knftigen Lebens gewachsen zu sein“. Ob das nun ein Wert oder ein Ziel ist, kann eine akademisch-philosophische Diskussion unter Leitbild-Puristen auslsen. Klar ist, dass Mitarbeiter DAS aber zumindest verstehen und ein Wert vorstellbarer wird.  Und genau darum geht’s im Grunde bei der Alltagskommunikation in der Fhrung.


Bild: difisher / pixabay; Lizenz: CC0 Creative Commons

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Publikationshinweis
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Das Buch «Traumrolle Chef» beleuchtet im Sinne eines kreativen Denkanstosses Führung aus einer neuen, spielerischen Sicht und thematisiert, was Führungspersönlichkeiten im Schauspielunterricht lernen können, ohne was vorspielen zu müssen.
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ZUM AUTOR
ber Stefan Häseli
Atelier Coaching & Training AG
Stefan Häseli regt als ehemaliger Kabarettist und gefragter Infotainer täglich dazu an, wirkungsvolle Kommunikation mit Spaß zu erleben. Sein Anspruch ist es, als Moderator und Keynot-Speaker intelligent zu unterhalten. Als Coach und ...
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