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Fachartikel, 28.11.2013
Die Kunst des Chef-Seins
Führung muss authentisch sein
Um als Führungskraft erfolgreich zu sein, braucht es Klarheit darüber, welche Rolle in welcher Situation einzunehmen ist. Den Chef zu „spielen“ reicht nicht.
Fhrungskrfte finden sich heute mehr denn je in unterschiedlichen Spannungsfeldern wieder. Konnte der "Chef" vor einigen Jahren einfach nur "Chef" sein und sagen, wo und wie es lang geht, soll die Beziehung zu Mitarbeitenden heute  kollegial, nahe und gleichzeitig mit einer gesunden Distanz und einer natrlichen Autoritt gelebt werden. Geht das alles zusammen? Ja, es geht. Es braucht dazu jedoch eine intensive Auseinandersetzung nicht einfach mit der „Chef-Rolle“, sondern mit den verschiedensten Rollen einer Fhrungskraft. Es sind mehrere Hte im Kasten, aber jeweils nur einer auf dem Kopf. Eine Fhrungskraft kann zwar Controller, Mitarbeiterbetreuer, Coach und durchsetzungskrftiger Boss sein, aber nicht gleichzeitig im selben Moment.

Frher war alles viel ...


... ja wie war es frher eigentlich in der Berufswelt? War wirklich alles besser? Wie es uns rckblickend dank unseres positiven Filters oft vorkommt. Wenn auch nicht alles schner war, so war Vieles doch um einiges einfacher. Diskussionslos stand fest, dass ein Schreiner das Holz richtig zuschneiden muss, mit welch geschickten Hnden ein Feinmechaniker der die Uhrwerke zusammensetzen sollte und dass ein Lehrer eine klare Linie bei der Erziehung seiner Schtzlinge zu demonstrieren hatte. Und ein Chef (…Chefinnen gab es damals noch kaum…) musste sich durchsetzen knnen. Eindruck machte dabei nicht nur seine persnliche Leidenschaft (das Unternehmen war sein Leben), mit der er andere begeistern konnte, sondern manchmal durchaus auch ein militrisch angehauchtes Vokabular. Die Zeiten sollten sich ndern und es kam eine Phase des unermdlichen Verstndnisses fr alle und alles. Basisdemokratische Zge prgten das Verhltnis zwischen Vorgesetztem und  Mitarbeitern. War es frher die Frage nach dem passenden Fhrungsstil, setzen wir uns heute verstrkt mit uns und der Situation auseinander. Hier knnen Chefinnen und Chefs auch von Schauspielern im Bereich Rollenfindung viel lernen. Und zwar echt und authentisch. Gute Schauspieler spielen nicht, sie leben. Parallel darf es auch in der Fhrung nie darum gehen, nur etwas vorzuspielen.

Heute ist eine deutliche Rollenidentifikation gefragt  


Im Lichte dieser stark vereinfachten Darstellung im zeitlichen Raffer der Geschichte wird deutlich: Waren frher die Anforderungsprofile knapper und klarer, sind heute  differenzierte Bilder nicht nur statthaft, sondern entscheidend. Eine Fhrungskraft muss immer strker in mehreren Spannungsfeldern agieren. Da sollen die Bedrfnisse der Mitarbeitenden ernst genommen und zugleich die Strategie der Konzernleitung ohne Wenn und Aber durchgezogen werden. Da wird ein rigoroser Sparkurs verordnet, aber die operative Umsetzung ist in einem stndig wandelnden Umfeld mit mehr Aufwand denn je verbunden. Umso wichtiger ist deshalb eine tiefe Auseinandersetzung mit den verschiedenen Rollen, den verschiedenen „Hten“, die eine Fhrungskraft im Alltag leben soll. Dabei ist die Situation, das Gegenber und meine Verfassung entscheiden, welche Rolle in welchem Moment gelebt wird.

Mit der Rollenidentifikation wird die Nhe zum Theaterschaffen offensichtlich. „Die ganze Welt ist eine Bhne, man tritt auf, man tritt ab“, schrieb Shakespeare. Oder etwas konkreter, angelehnt an die Geschichte von Ignaz Wrobel aus „Die Weltbhne“: „Als Gatte drcke ich einen Kuss auf die Stirn der Gattin, habe als Fahrgast eine Auseinandersetzung in der S-Bahn, als Teamleiter am Arbeitsplatz betrete ich das Bro, als Gast des Restaurants in der Mittagspause freue ich mich auf das Tagesmen usw.“. Wenn nun die ganze Welt eine Bhne ist, wir von Rollenverstndnis reden, liegt es auf der Hand, die Parallelen zur Schauspielkunst und der Kunst des Vorgesetzten-Seins aufzuzeigen. Hier liegt der Schlssel fr eine neue Fhrungskultur. Keine Angst, es geht nicht darum, als Fhrungskraft Rollen zu spielen, das berlassen wir auch knftig den Schauspielern. Jedoch ist es in der Fhrungsarbeit hilfreich zu erkennen, was es zur echten, wahren und glaubwrdigen Rollenfindung alles braucht.

Erfolgreiche Fhrung in drei Akten


Ouvertre: Nicht spielen – leben!

In der Fhrung sollten grundstzlich alle Handlungen, auch noch so kleine, ein Ziel haben, weil sie sonst zur Floskel verkommen. Bei jeder Handlung gibt es auerdem eine Vorgeschichte und eine Geschichte danach. Nicht immer kenne ich diese Geschichte bei meinem Gegenber. Dann ist es meine Aufgabe als Fhrungskraft, diese Geschichte ausfindig zu machen. Fragen zu stellen ist ein deutliches Zeichen fr  Interesse am anderen Menschen. Umgekehrt muss ich meinem Gegenber vielleicht auch meine Geschichte erklren, z. B. Fhrungsentscheidungen begrnden oder Hintergrnde meines Handelns aufzeigen. Nur so bildet die Ouvertre eine wertvolle Basis, die Bhne sozusagen fr das weitere Stck, in dem ein abschlieender Impuls den gemeinsamen Fhrungsweg weiter festlegt und festigt.

1. Akt: Der Schritt auf die Bhne – Prsenz durch Konzentration


Die Schauspielerei lebt davon. Auf der Bhne kann nur dann glaubwrdig gespielt werden, wenn vllige Bhnenprsenz da ist. Prsenz bedeutet auch in der Fhrung: Ich bin NUR HIER. Im Hier und Jetzt. Alles, was gedanklich nicht hierher gehrt,  wird vertagt – vielleicht auf einem Zettel oder im Handy notiert, in der Aufgabenspalte im Outlook festgehalten oder den Ohren der Sekretrin anvertraut. Diese Konzentration wird von  Mitarbeitern als Ausstrahlung und Prsenz wahrgenommen, die fr Echtheit, Glaubwrdigkeit und Authentizitt der Fhrungskraft steht. Auf dieser Grundlage jeweils nur einer Rolle, auf die wir uns konzentrieren knnen, stehen erfolgreiche Fhrungskrfte auch jedem Mitarbeiter seinen Platz in der Gruppe zu. Schlielich mchte doch jeder dem Stck, und sei es noch so bescheiden, seinen Stempel aufdrcken und der Welt zeigen knnen, dass er seiner Rolle gerecht wird. Dadurch ist Selbstverwirklichung mglich – zum Wohle des Einzelnen und des Ganzen. Der Begriff „Jeder ist ersetzbar“ ist in einer wertvollen Fhrungskultur lngst aus dem Vokabular gestrichen. Natrlich knnen unter Umstnden eine Aufgabe auch andere bernehmen, aber die individuellen Strken in der jeweiligen Kombination gibt es genau so kein zweites Mal. Grund genug  fr jeden Mitarbeiter, sich zu berlegen, was ihn im greren Gruppengefge einzigartig macht (USP) und was er mit seiner Art, seinem Wissen und seinem Knnen zum Wohl des Ganzen beitragen kann.

2. Akt: Dialoge – Wirkliche Gesprche durch Professionalitt

Entscheidend ist in einem Gesprch nicht, was gesendet wird, sondern was ankommt. Aber fr den richtigen Empfang braucht es auch einen guten Sender. Bei wirkungsvollen Fhrungskrften bilden Stimme, Sprache und Krper eine Einheit und damit eine gute Basis fr Dialoge. Da diese immer in einem Kontext stattfinden, ist es wichtig, vor oder am Anfang eines Gesprchs diverse Wahrnehmungen abzugleichen. Nur so lsst sich sicherstellen, dass alle Gesprchspartner vom Gleichen reden und eine gute gemeinsame Ausgangslage schaffen. Wenn wir von „auf den Kunden eingehen“ oder „den Mitarbeiter ernst nehmen“ reden, ist das vergleichbar mit  Improvisations-Theater: Stichwort, Reaktion – und niemals blocken! Professionalitt heit in der Gesprchsfhrung, in die Welt des Gegenbers einzutauchen. Nur wer prsent ist, vermag den anderen in ein echtes Gesprch einzubinden. Das  bedeutet: Den anderen reden lassen, Details wahrnehmen, um schlielich alles in ein dynamisch gestaltetes Gesprch einflieen zu lassen. Aber auch: fter einmal auszubrechen aus gewohnten Strukturen, sich zu lsen von festen Mustern, um den Mitarbeiter/Kunden wirklich in den Mittelpunkt zu stellen.

3. Akt: Inszeniert – Spa am Scheitern

In der Fhrung stellt sich immer wieder die Frage: Wie frdere ich meine Mitarbeiter? Wie begleite ich Menschen im Lernprozess? Die schwierigste Phase in den vier bekannten Lernschritten 1. unbewusstes Nichtknnen, 2. bewusst gemachtes Nichtknnen, 3. bewusstes Knnen, 4. unbewusstes Knnen ist der bergang zwischen der „bewussten Inkompetenz“ zur „bewussten Kompetenz“. Das tut weh, verlangt nach Loslassen von alten Mustern. Das neue Verhalten kommt noch nicht von Innen, wirkt deshalb am Anfang vielleicht noch etwas unnatrlich. An dieser Stelle muss die Fhrungskraft den Mitarbeiter ermuntern und ihm Mut machen, Neues auszuprobieren. Gut gelingt dies auf einer Art Probebhne, weil in einem geschtzten Rahmen auch Scheitern durchaus Spa machen kann, soll und darf. Frustrationstoleranz gehrt zum Erfolg, denn „Erfolg haben heit, einmal mehr aufstehen, als man hingefallen ist“. Oder geben Kleinkinder vielleicht nach dem dritten missglckten Versuch das Laufenlernen auf? Wird Fhrung gekonnt inszeniert, geben Fhrungskrfte ihren Mitarbeitern die Mglichkeit zur Entwicklung ihrer eigenen Fhigkeiten, indem sie diese weder ber- noch unterfordern. So ist die Traumrolle „Chef“ tatschlich gut besetzt.
QUERVERWEIS
Publikationshinweis
Traumrolle "Chef"
Das Buch «Traumrolle Chef» beleuchtet im Sinne eines kreativen Denkanstosses Führung aus einer neuen, spielerischen Sicht und thematisiert, was Führungspersönlichkeiten im Schauspielunterricht lernen können, ohne was vorspielen zu müssen.
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ZUM AUTOR
ber Stefan Häseli
Atelier Coaching & Training AG
Stefan Häseli regt als ehemaliger Kabarettist und gefragter Infotainer täglich dazu an, wirkungsvolle Kommunikation mit Spaß zu erleben. Sein Anspruch ist es, als Moderator und Keynot-Speaker intelligent zu unterhalten. Als Coach und ...
Atelier Coaching & Training AG
Neuchlenstrasse 44 A
9200 Gossau SG

+41-71-2602226
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