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Kulturentwicklung statt verordneter Gleichheit

Die Telekom führt die Frauenquote ein und hofft nicht nur auf ein besseres Betriebsklima, sondern auch auf den Zuspruch einer großen Kundengruppe. Experten warnen davor, alte Klischees immer wieder neu zu beleben.
(PM) Bremen, 17.03.2010 - "Mehr Frauen in Führungspositionen ist kein Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei. Es ist ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und vor allem eine handfeste Notwendigkeit für unseren Erfolg. Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser", so kommentiert René Obermann die Vorstandsentscheidung der Telekom, bis 2015 30% der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Im europäischen Vergleich dümpelt Deutschland gleich vor Frankreich am unteren Ende der Skala. Das französische Parlament reagierte im Januar mit einem Gesetzentwurf, der eine Quote für Frauen in Aufsichtsräten vorsieht. Ein Vorstoß auf höchster Ebene also. Mit der Telekom zieht nun das erste DAX-Unternehmen nach. Doch wie sieht es sonst aus im Land?

„Frauen sorgen einfach für eine bessere Atmosphäre.“ Das kann Silke Katterbach, Geschäftsführerin der k.brio beratung GmbH in Bremen einfach nicht mehr hören. Die Psychologin kennt aus ihrer 15-jährigen Erfahrung als Unternehmensberaterin viele Unternehmen deutschlandweit. Bisher hat sie jedoch nur wenige Frauen in Führungspositionen getroffen. „Es gibt zwei große Probleme: Das eine ist die Kultur, das andere die Organisation.“ sagt Silke Katterbach. Zunächst zur Kultur: „Die Frau als Chefin ist immer noch außergewöhnlich: entweder hat sie den Ruf eines eher männlich-dominanten Drachen oder man sagt ihr nach, sie habe sich unlauter in die Position gemogelt.“ In einer solchen Kultur wirkt eine zwangsverordnete Quote höchstens langfristig, über den Gewohnheitseffekt sozusagen. „Bei akutem Fachkräftemangel und großem Druck auf das Unternehmen ist das zweite Problem ein unmittelbar organisatorisches. Die Organisation ist nicht flexibel genug, eine hoch spezialisierte Fachkraft in der Elternzeit zu ersetzen. Deshalb werden Frauen erst gar nicht auf solchen Positionen eingesetzt.“ Ein Dilemma, das nur durch gesetzlichen Eingriff oder radikale Maßnahmen wie die Quotenregelung in den Griff zu bekommen ist? Silke Katterbach sieht das kritisch, blickt aber optimistisch in die Zukunft der Gleichberechtigung. „Kulturveränderung ist ein Prozess, der sich dann gut umsetzen lässt, wenn die Verantwortlichen (meistens Männer) das Thema ernst nehmen und vor allem nicht davor zurückschrecken, Experten in Anspruch zu nehmen.“ Und eine Expertenempfehlung ist, mehr zu tun als das Thema Gleichberechtigung in die Corporate Governance aufzunehmen. Weniger eine solche „Ansage von oben“, als vielmehr die gelebte Überzeugung, dass die vielfältigen Ressourcen bestmöglich genutzt werden sollten, führt fast natürlich zu einem höheren Frauenanteil.

„Viele Führungskräfte bevorzugen noch heute Beziehungsnetzwerke, um ihre Ziele zu erreichen“, beschreibt Silke Katterbach die Situation in deutschen Führungsetagen, „da fühlt man sich als Mensch zwar gut aufgehoben weil wir dort Nähe über Ähnlichkeit finden, für komplexe Probleme brauchen wir aber keine Beziehungs- sondern Kompetenznetzwerke. Diese zeichnen sich durch Unterschiedlichkeit aus. Diese Einsicht zu teilen und gemeinsam zu tragen ist das Ziel einer Kulturveränderung, die gar nicht mehr die Frage nach Mann oder Frau stellt. Die Einstellungen und Verhaltensmuster der Beteiligten, sind die Stellhebel.“ Parallel muss auf der Organisationsseite natürlich der Bedarf an flexiblen Arbeitszeitmodellen für Führungskräfte gedeckt werden. Die Strukturen zu flexibilisieren ist hier das große Ziel. Da helfen keine Worte, da gilt es Prozesse zu optimieren und im Rahmen von Projekten neue Möglichkeiten zu testen. „Es geht nicht um mehr Frauen in Führungspositionen sondern um eine Kultur der Wertschätzung von Unterschiedlichkeit und ein gutes Handwerkszeug zur Umsetzung“, fasst die Organisationsberaterin zusammen. „Die Telekom macht einen wichtigen Schritt; der Erfolg liegt aber weniger in der Verordnung der Gleichheit sondern vielmehr im gemeinsamen Wollen.“
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Frau Silke Katterbach
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