VOLLTEXTSUCHE
Fachartikel, 13.06.2012
E-Commerce:
„Buttonlösung“ - neue Informationspflichten ab 01.08.2012!
Ab 1.08.2012 gilt im E-Commerce in Deutschland die sogenannte „Buttonlösung“. In diesem Kontext zeigt sich, dass die gesetzlichen Neuerungen insbesondere hinsichtlich der erweiterten Informationspflichten häufig unterschätzt werden. Viele Unternehmer sind der Meinung, es wäre mit der korrekten Beschriftung des „Buttons“ getan - dabei handelt es sich wohl um die einschneidendste bzw. weitreichendste Neuregelung im Bereich des E-Commerce seit Einführung des gesetzlichen Widerrufrechts.

Schon seit Monaten hngt die heranrollende „Buttonlsung“ wie ein Damoklesschwert ber Deutschlands Online-Hndlern. Nun wird zudem langsam die Zeit knapp, da die neuen gesetzlichen Vorgaben zwingend bis zum 01.08.2012 umgesetzt sein mssen. Es ist das „Gesetz zur nderung des Brgerlichen Gesetzbuchs zum besseren Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Kostenfallen im elektronischen Geschftsverkehr und zur nderung des Wohnungseigentumsgesetzes“, welches den Hndlern im E-Commerce eine Menge Arbeit bereiten wird. Dieses fhrt u.a. durch den neugefassten 312g Abs. 3 BGB die eigentliche „Buttonlsung“ ein, schreibt also die Gestaltung der Bestellsituation bei entgeltlichen B2C-Vertrgen im elektronischen Geschftsverkehr dahingehend vor, dass die die Bestellung des Verbrauchers auslsende Schaltflche („Button“) in ganz bestimmter Weise gestaltet sein muss.

Daneben fhrt dieses Gesetz bei entgeltlichen B2C-Vertrgen im elektronischen Geschftsverkehr durch den neugefassten 312g Abs. 2 BGB jedoch auch zu einer Erweiterung der Informationspflichten des Unternehmers gegenber dem Verbraucher. Der Begriff der „Buttonlsung“, der sich fr die genannten gesetzlichen nderungen eingebrgert hat ist damit irrefhrend, da ab dem 01.08.2012 eben nicht nur der Bestellbutton umzubenennen ist. Wie uns die Vielzahl von Anfragen zeigt, besteht hinsichtlich der Notwendigkeit und konkreten Umsetzung der neuen Informationspflichten ein erheblicher Aufklrungsbedarf.

Erweiterte Informationspflichten durch 312g Abs. 2 n.F. BGB

Grundlage fr die Erweiterung der Pflichtinformationen ist 312g Abs. 2 n.F. BGB. Dieser lautet:

„Bei einem Vertrag im elektronischen Geschftsverkehr zwischen einem Unternehmer und einem Verbraucher, der eine entgeltliche Leistung des Unternehmers zum Gegenstand hat, muss der Unternehmer dem Verbraucher die Informationen gem Artikel 246 1 Absatz 1 Nummer 4 erster Halbsatz und Nummer 5, 7 und 8 des Einfhrungsgesetzes zum Brgerlichen Gesetzbuche, unmittelbar bevor der Verbraucher seine Bestellung abgibt, klar und verstndlich in hervorgehobener Weise zur Verfgung stellen. Diese Pflicht gilt nicht fr Vertrge ber die in 312b Absatz 1 Satz 2 genannten Finanzdienstleistungen.“

Der Gesetzeswortlaut lsst aufgrund der vielen unbestimmten Rechtsbegriffe leider einen erheblichen Interpretationsspielraum offen, den wir nachfolgend einzugrenzen versuchen.

Wer ist betroffen?

Betroffen von den erweiterten Informationspflichten sind alle Unternehmer, die im Wege des elektronischen Geschftsverkehrs, also unter Nutzung von Tele- und Mediendiensten (z.B. Internet) entgeltliche Vertrge (z.B. ber kostenpflichtige Waren oder Dienstleistungen des Unternehmers) (auch) mit Verbrauchern schlieen. Nicht erfasst werden die in 312b Abs. 1 S. 2 genannten Finanzdienstleistungen.

Worber muss informiert werden?

Der betroffene Unternehmer muss den Verbraucher gem 312g Abs. 2 n.F. BGB i.V.m. Artikel 246 1 Abs. 1 EGBGB informieren ber:

  • die wesentlichen Merkmale der Ware oder Dienstleistung,
  • die Mindestlaufzeit des Vertrags, wenn dieser eine dauernde oder regelmig wiederkehrende Leistung zum Inhalt hat,
  • den Gesamtpreis der Ware oder Dienstleistung einschlielich aller damit verbundenden Preisbestandteile sowie alle ber den Unternehmer abgefhrten Steuern, oder, wenn kein genauer Preis angegeben werden kann, seine Berechnungsgrundlage, die dem Verbraucher eine berprfung des Preises ermglicht,
  • zustzlich anfallende Liefer- und Versandkosten sowie einen Hinweis auf mgliche weitere Steuern oder Kosten, die nicht ber den Unternehmer abgefhrt oder von ihm in Rechnung gestellt werden.

„Wesentliche Merkmale“ der Ware oder Dienstleistung

In der Praxis bereit dabei vor allem dieser Punkt groe Probleme. Eine allgemeingltige Definition des Begriffs der „wesentlichen Merkmale“ von Waren oder Dienstleistungen existiert nicht und kann in dieser Pauschalitt auch gar nicht existieren. Teilweise wird vertreten, dass auch gesetzliche Kennzeichnungspflichten (z.B. die Angabe der Energieeffizienzklasse und Nennlebensdauer bei einer Glhbirne, die Textilkennzeichnung bei Textilien) oder gar Testergebnisse dargestellt werden mssen. Mit dem Ratschlag, mglichst alle Produktmerkmale anzufhren, ist Hndlern nicht geholfen, da dies zu einer Ausuferung der Informationen fhren wrde, die zum einen technisch unter den gebotenen Kriterien kaum zu realisieren ist und zum anderen die Gefahr birgt, durch einen Mangel an Transparenz den Verbraucher in die Irre zu fhren.

Es muss also ein vernnftiger Kompromiss gefunden werden. Hierbei muss sich der Unternehmer in die Lage des Verbrauchers versetzen und abschtzen, welche Merkmale des Produkts fr dessen Kaufentscheidung von Belang sein knnten. Gefordert ist damit eine bersichtliche, aber dennoch detaillierte Beschreibung des Produkts, aus welcher der Verbraucher die fr seine Kaufentscheidung mageblichen Produktmerkmale entnehmen kann. Die Flle der Angaben zu den wesentlichen Merkmalen einer Ware bzw. Dienstleistung kann dabei nicht pauschal beurteilt werden. Dies hngt vielmehr individuell von der jeweils verkauften Ware bzw. angebotenen Dienstleistung ab. So weist ein angebotener Pkw-Reifen wohl deutlich mehr „wesentliche Merkmale“ auf als eine WC-Brstengarnitur.

In aller Regel reicht es jedoch nicht mehr aus, lediglich die Bezeichnung des Artikels wiederzugeben (z.B. die Artikelberschrift im Shop). Knftig mssen damit auch beschreibende Elemente, also Artikelmerkmale, die sich bislang nur in der Artikelbeschreibung fanden (nochmals) vor dem Absenden der Bestellung angegeben werden. Eine Weitschweifigkeit ist dabei aber zu vermeiden. Sie verwirrt den Verbraucher mehr, als dass sie ihn informiert. Dies gilt umso mehr bei einer Bestellung mit vielen verschiedenen Artikeln. Wrde hier fr jeden Artikel vor Abschluss des Bestellvorgangs die Angaben der jeweiligen Artikeldetailseite integriert, wrde dies mehr Chaos als Information darstellen. Von den programmiertechnischen Unwgbarkeiten ganz abgesehen.

Die IT-Recht Kanzlei rt Unternehmern daher, lediglich die markanten Produktmerkmale, die fr eine Identifikation des Produkts erforderlich sind (wie etwa Art des Produkts, genaue Bezeichnung und Ausfhrung, ggf. Marke, Gre, Farbe) als wesentliche Merkmale (hier einer Ware) anzugeben und zugleich fr weitere Artikeldetails auf die jeweilige Artikeldetailseite zu verlinken. Eben aus Grnden der bersichtlichkeit (die wiederum Voraussetzung fr die bei der Erteilung der Pflichtinformation geforderte Klarheit und Transparenz ist) muss es letztlich ausreichen, wenn lediglich die prgenden Merkmale der Ware genannt werden und der Unternehmer zustzlich fr smtliche Artikeldetails unter Hinweis auf eine genaue Beschreibung und das Setzen eines Links auf die jeweilige Artikeldetailseite verweist.

Zumal handelt es sich bei den Kennzeichnungspflichten (etwa nach der Energieeffizienzklasse) nicht zwingend um Merkmale der Ware, die ihr in wesentlicher Weise anhaften, sondern nur um Merkmale, die der Gesetzgeber fr bestimmte Zwecke (z.B. Senkung des Energieverbrauchs) als wesentlich erachtet. So spricht auch die Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU des Europischen Parlaments und des Rates, die durch das „Gesetz zur nderung des Brgerlichen Gesetzbuchs zum besseren Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Kostenfallen im elektronischen Geschftsverkehr“ teilweise umgesetzt wird, davon, dass die wesentlichen Eigenschaften der Waren oder Dienstleistungen in dem fr das Kommunikationsmittel und die Waren oder Dienstleistungen angemessenen Umfang darzustellen sind.

Folgt man der Gegenansicht, mssten im Rahmen der Pflichtinformation nochmal smtliche Artikeldetails, die sich auch schon auf der Artikeldetailseite finden, dargestellt werden.

Mindestlaufzeit des Vertrags

Bezglich dieser Informationspflicht sind keine greren Probleme zu befrchten. ber das Gros der Webshops erfolgt lediglich ein Warenverkauf ohne Aboverpflichtung, so dass diese gar nicht von dieser Pflichtangabe betroffen sind. Verbreitet sind jedoch auch Dienstleistungen mit Mindestvertragslaufzeiten (z.B. Partnersuche- und Datingplattformen). Im Rahmen solcher Vertrge muss ab dem 01.08.2012 in der Bestellbersichtsseite zwingend die Mindestvertragslaufzeit angegeben werden.

Angabe des Gesamtpreises einschlielich aller damit verbundenen Preisbestandteile und der Steuern
Auch diesbezglich sind keine greren Probleme zu befrchten. Beim Gesamtpreis sind Preisbestandteile, etwa Servicezuschlge (auch fr Leistungen Dritter, die der Verbraucher zwingend in Anspruch nehmen muss) zu bercksichtigen. Auch muss durch den Unternehmer ein Hinweis auf die Mehrwertsteuer erfolgen.

Versandkosten und sonstige Zusatzkosten

Hier ist bereits jetzt Standard, dass im Zuge der Zusammenfassung der Bestellung anfallende Versandkosten angezeigt werden. Unternehmer, die in das Nicht-EU-Ausland versenden mssen ab 01.08.2012 zustzlich auf etwaige Zlle und Steuern hinweisen.

Wann muss informiert werden?

Der Unternehmer hat die genannten Informationen zu liefern, unmittelbar bevor der Verbraucher seine Bestellung abgibt. Diese sind also zum Abschluss des Bestellvorgangs zu erteilen, und damit auf der Seite des Bestellprozesses, auf welcher der Verbraucher seine fr den Abschluss des Vertrags relevante Willenserklrung abgibt. Dies ist in der Regel die Seite, auf welcher der Verbraucher bislang seine Bestellung an den Unternehmer abschickt und damit sein Angebot auf Abschluss eines Vertrags an den Unternehmer abgibt.

Es wird folglich das Erfordernis eines engen zeitlichen Zusammenhangs zwischen Abgabe der Bestellung durch den Verbraucher und dem Bereitstellen der Informationen durch den Unternehmer aufgestellt. Eine Bereitstellung der Informationen zu einem frheren Zeitpunkt im Bestellvorgang wre ebenso schdlich wie eine sptere Information des Verbrauchers nach Abgabe dessen Bestellung. Es gibt also nicht nur ein „zu spt“, sondern auch ein „zu frh“.

Wie muss die Information erfolgen?

Schlielich stellt sich noch die Frage nach der Gestaltung der Information. Zustzlich zu dem bereits erwhnten engen zeitlichen Zusammenhang zwischen Erteilung der Pflichtinformation und Abschicken der Bestellung besteht ein solcher auch in rumlicher Hinsicht. Darber hinaus muss die Gestaltung der Information klar und verstndlich sein und in hervorgehobener Weise erfolgen. Dieses Kriterium verursacht in der Praxis massive Probleme, insbesondere hinsichtlich seiner technischen Umsetzung bei komplexen Bestellungen (Bestellungen mit einer Vielzahl verschiedener Artikel und Artikel mit einer Vielzahl wesentlicher Merkmale).

Intention des Gesetzgebers ist, dass der Verbraucher die dargestellten Informationen in unmittelbarer rumlicher Nhe mit dem finalen Bestellschritt, also im Regelfall seiner Mglichkeit zur Abgabe der vertragsrelevanten Willenserklrung, erhalten soll. Der Idealfall ist damit, dass dem Verbraucher alle wesentlichen Informationen zu seiner Bestellung auf einen Blick prsentiert werden knnen.

Erfolgt die Bestellauslsung wie im Regelfall ber eine Schaltflche („Button“), dann muss diese Schaltflche so platziert sein, dass der Verbraucher gezwungen wird, vor einer Mglichkeit der Bettigung der Schaltflche von dem Inhalt der Pflichtinformationen Kenntnis zu nehmen.

Aber gerade bei komplexen Bestellungen besteht in der Praxis das Problem, dass die dort darzustellende „Informationsflut“ nicht mehr auf einer Bildschirmseite darstellbar ist, der Verbraucher mithin die Scrollfunktion nutzen muss, um alle Informationen erfassen zu knnen.

(1) Scrollen erlaubt?

Dabei stellt sich zunchst die Frage, ob es im Rahmen des geforderten engen rumlichen Zusammenhangs berhaupt zulssig ist, dass der Verbraucher scrollen muss, um vom gesamten Inhalt der Pflichtinformationen Kenntnis zu erlangen.
Dazu hie es zunchst in der Begrndung des Regierungsentwurfs:

“Die Aufmerksamkeit des Verbrauchers, der im Begriff ist, die Schaltflche zu bettigen, soll sich auch auf diese Informationen richten, ohne dass trennende Gestaltungselemente davon ablenken oder den Eindruck erwecken, zwischen den Vertragsinformationen und der Bestellschaltflche bestnde kein innerer sachlicher Zusammenhang. (…) Diese Anforderung ist nur dann erfllt, wenn die Informationen und die Schaltflche bei blicher Bildschirmauflsung gleichzeitig zu sehen sind, ohne dass der Verbraucher scrollen muss. Keinesfalls gengt es, wenn die Informationen erst ber einen gesonderten Link erreichbar oder nur einem gesondert herunterzuladenden Dokument entnehmbar sind.”

Der Gesetzgeber hat wohl schnell erkannt, dass das „Scrollverbot“ in der Praxis nicht umzusetzen ist, schon weil es in heutigen Zeiten keine verbindliche Definition einer „blichen Bildschirmauflsung“ geben kann, etwa bei der Nutzung eines Smartphones. So wurde das „Scrollverbot“ in einer Konkretisierung der Gesetzesbegrndung aufgrund einer Gegenuerung der Bundesregierung wieder „aufgehoben“:

“Eine Information des Verbrauchers, die unterhalb der Bestellschaltflche angeordnet ist und erst durch Scrollen sichtbar wird, kann nicht sicherstellen, dass der Verbraucher die Informationen vor Abgabe der Bestellung erhlt.”

Ein Scrollvorgang - soweit technisch notwendig - steht damit der Einhaltung des gebotenen engen rumlichen Zusammenhangs nicht zwingend entgegen.

(2) Anordnung der Pflichtinformationen zwingend oberhalb der Schaltflche


Gleichzeitig muss in jedem Fall (egal ob Scrollvorgang gegeben oder nicht) gewhrleistet sein, dass die Pflichtinformationen immer oberhalb des „Buttons“ dargestellt werden. Der „Button“ hat gewissermaen eine Art Abschlussfunktion (wie eine Unterschrift unter einem Vertrag). Platziert der Unternehmer Pflichtinformationen unterhalb des „Buttons“, muss er sich so behandeln lassen, als htte er diese Informationen gar nicht vorgenommen.
Der „Button“ darf auch nicht mehrfach auf der letzten Seite des Bestellvorgangs platziert werden, etwa ober- und unterhalb der Pflichtinformation. Dort bestnde das Risiko, dass der Verbraucher dazu verfhrt wird, die Bestellung bereits ber den „Button“ oberhalb abzuschlieen, ohne berhaupt von der Pflichtinformation Kenntnis zu nehmen.

Bei einer „kompakten“ letzten Seite des Bestellvorgangs, bei der kein Scrollvorgang erforderlich ist, um deren gesamten Inhalt zu erfassen, ist die Gestaltung unproblematisch. Sofern aufgrund die Vielzahl an Informationen ein Scrollvorgang erforderlich ist, wird die Sache komplizierter. Es bieten sich hier zwei Alternativen an:

  1. Zum einen knnen die umfangreichen Pflichtinformationen dann in einem groen, eigenstndigen Scrollfenster abgelegt werden, und unterhalb dieses Scrollfensters ein statischer „Button“ platziert werden. Hier ergibt sich der Vorteil, dass aufgrund des eigenen Scrollfensters und dem direkt darunter platzierten, festen „Button“ eine gewisse rumliche Nhe zwischen jedem Bestandteil der Pflichtinformation und dem „Button“ ergibt und sich keine Informationen unterhalb des „Buttons“ befinden knnen. Allerdings knnte die gestalterische Trennung in Scrollfenster und statischen Button als trennendes Gestaltungselement aufgefasst werden, welches die erforderliche rumliche Nhe beseitigt.
  2. Zum anderen knnen umfangreiche Pflichtinformationen, die einen Scrollvorgang erforderlich machen, auch ohne eigenes Scrollfenster auf der letzten Seite des Bestellvorgangs platziert werden, so dass der Verbraucher die gesamte letzte Seite des Bestellvorgangs zu scrollen hat. Direkt im Anschluss an die letzte Angabe der Pflichtinformation wird dann unmittelbar der zutreffend gestaltete und beschriftete „Button“ vorgehalten. Gegen diese Alternative kann angefhrt werden, dass bei einer sehr umfangreichen Pflichtinformation der Beginn der Pflichtinformation nicht mehr in unmittelbarer rumlicher Nhe zum „Button“ befindet (den sich der Verbraucher ja erst noch „erscrollen“ muss). Dafr besteht bei dieser Alternative keinerlei trennendes gestalterisches Element mehr zwischen Pflichtinformation und „Button“. Jedenfalls kann sich auch hier keine Pflichtinformation verbotenerweise unterhalb des „Buttons“ befinden. Dem Einwand, dass bei der zweiten Variante der „Button“ an versteckter Stelle platziert sein knnte kann wohl in vertretbarer Weise damit begegnet werden, dass der Verbraucher den „Button“ so oder so suchen muss, weil er sonst seine Bestellung nicht abschlieen kann.

Nach hiesiger Ansicht ist der zweiten Alternative der Vorzug zu geben. Die Integration eines Scrollfensters verkompliziert die Gestaltung und luft damit dem grundliegenden Transparenzerfordernis zuwider. Darber hinaus erfolgt hier eine gestalterische Trennung zwischen Pflichtinformation und „Button“, die vermeidbar ist.

Schlielich besteht bei der ersten Alternative die Gefahr, dass der Verbraucher den „Button“ bettigt und damit seine Bestellung auslst, ohne das Scrollfenster (und damit smtliche Pflichtinformationen) berhaupt in seiner ganzen Ausdehnung zur Kenntnis genommen zu haben. Bei der zweiten Alternativ muss er erst die gesamte Seite herabscrollen (und damit zumindest in der Theorie Kenntnis von den gesamten Pflichtinformationen nehmen), bevor er seine Bestellung auslsen kann. Damit kommt die zweite Alternative der gesetzgeberischen Intention nher, so dass der Einwand des dort versteckt liegenderen „Buttons“ zurcktreten muss.

(3) Keine weiteren, trennenden Gestaltungselemente

Schlielich drfen zwischen Darstellung der Information und dem „Button“ keine weiteren, trennenden Gestaltungselemente vorhanden sein. Die Informationsdarstellung und die Mglichkeit der Schaltflchenbettigung sollen optisch quasi nahtlos ineinander bergehen. So sollte auch vermieden werden, zwischen Pflichtinformationen und „Button“ eine Checkbox fr die Kenntnisnahme und das Akzeptieren der AGB des Unternehmers platzieren. Auch weitere Angaben zur Bestellung (etwa Angaben zur Liefer- oder Rechnungsadresse oder Bezahlmethode) drfen hier nicht platziert werden.
Zu empfehlen ist daher, im Rahmen der ohnehin notwendigen Anpassungen der Bestellbersichtsseite die folgende Reihenfolge bei der Gestaltung:

  1. Hinweis auf AGB / Akzeptieren der AGB
  2. Adressangaben
  3. Angaben zur Zahlungsart
  4. Darstellung der Pflichtinformationen nach 312g Abs. 2 n.F. BGB
  5. Schaltflche („Button“) entsprechend der Vorgaben des 312g Abs. 3 S.2 n.F. BGB

Wichtig ist, dass dabei dem Verbraucher keinesfalls Pflichtinformationen unterhalb des „Buttons“ angezeigt werden drfen und die Pflichtinformationen vom „Button“ nicht durch weitere, trennende Gestaltungselemente abgespalten werden.

Klar, verstndlich und in hervorgehobener Weise

Die Pflichtinformationen sind in klarer und verstndlicher Weise zu liefern. Die Informationen sollten klar als solche erkennbar sein. Weiterhin sollte auf eine klare und verstndliche Ausdrucksweise geachtet werden. berflssiges, also solche Zustze, die nicht vom 312g Abs. 2 n.F. BGB erfasst werden, mssen vermieden werden. Erst recht verbieten sich verwirrende oder ablenkende Zustze.

Schlielich mssen die Pflichtinformationen auch noch optisch hervorgehoben werden. Sie drfen also keinesfalls im Gesamtzusammenhang der Seite untergehen und sollten sich von sonstigen Informationen auf der letzten Bestellseite (z.B. Adressangaben, Angaben zur Zahlungsart) abheben. Dies kann z.B. durch eine farbliche Hervorhebung der Pflichtinformationen gegenber den anderen dort vorhandenen Informationen erfolgen.

Fazit

Es besteht enormer Handlungsbedarf hinsichtlich der Umgestaltung von Online-Shops, um den Anforderungen der gesetzlichen Neuerungen gerecht zu werden. Dabei handelt es sich wohl um die einschneidendste bzw. weitreichendste Neuregelung im Bereich des E-Commerce seit Einfhrung des gesetzlichen Widerrufrechts.

Die Zeit drngt, da die neuen Vorgaben ab dem 01.08.2012 zwingend einzuhalten sind. Mit der Neubeschriftung der die Bestellung auslsenden Schaltflche ist es noch lange nicht getan. Vielmehr ist die letzte Seite des Bestellvorgangs komplett umzugestalten und ggf. auch die Terminologie der AGB und Kundeninformationen anzupassen, sofern diese auf diese Seite verweist.

Zwar wird der Unternehmer fr den Fall, dass er den Verbraucher (lediglich) nicht ordnungsgem entsprechend den neuen Vorgaben informiert nicht mit der harten Konsequenz eines nicht zustandegekommenen Vertrags bestraft. Diese Konsequenz trifft nur Unternehmer, die es versumen, die Bestellsituation in ihrem Shop so zu gestalten, dass der Verbraucher mit seiner Bestellung ausdrcklich besttigt, sich zu einer Zahlung zu verpflichten bzw. bei einer Bestellung ber eine Schaltflche diese Schaltflche korrekt zu beschriften.

Werden die erweiterten Informationspflichten nicht beachtet, liegt jedoch ein Wettbewerbsversto vor, so dass ein erhebliches wirtschaftliches Risiko durch Abmahnungen besteht. Nutzen Sie die noch verbleibende Zeit, Ihren Shop fit fr die neuen gesetzlichen Vorgaben zu machen. Die neuen Vorgaben knnen von Ihnen natrlich auch schon vor dem 01.08.2012 umgesetzt werden.

QUERVERWEIS
Rechtsservice
Schutzpakete fr Website- und Online-Shop-Betreiber
Sorgen Sie für dauerhafte Rechtssicherheit Ihrer Website, Ihres Online-Shops oder Ihrer Präsenz auf einer Handelsplattform - optional zuzüglich eines Update-Service für einen rechtssicheren Online-Vertrieb Ihrer Waren und Dienstleistungen.
weitere Informationen
ZUM AUTOR
ber Nicolai Amereller
IT-Recht Kanzlei
Nicolai Amereller ist Rechtsanwalt bei der Münchner IT-Recht Kanzlei. Die IT-Recht Kanzlei ist eine Sozietät, die sich auf das IT-und Vergaberecht spezialisiert hat, um ihren Mandanten eine professionelle und umfassende juristische Beratung in diesem Bereich sicherstellen zu können.
IT-Recht Kanzlei
Alter Messeplatz 2
80339 München

+49-89-13014330
WEITERE ARTIKEL DIESES AUTORS
E-Mail-Marketing
Newsletter sind der Klassiker im E-Mail-Marketing und das wohl meist genutzte Instrument im ... mehr

ANDERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
SUCHE
Volltextsuche





Profisuche
Anzeige
PRESSEFORUM MITTELSTAND
Pressedienst
LETZTE UNTERNEHMENSMELDUNGEN
Anzeige
BRANCHENVERZEICHNIS
Branchenverzeichnis
Kostenlose Corporate Showrooms inklusive Pressefach
Kostenloser Online-Dienst mit hochwertigen Corporate Showrooms (Microsites) - jetzt recherchieren und eintragen! Weitere Infos/kostenlos eintragen
EINTRGE
PR-DIENSTLEISTERVERZEICHNIS
PR-Dienstleisterverzeichnis
Kostenlos als PR-Agentur/-Dienstleister eintragen
Kostenfreies Verzeichnis fr PR-Agenturen und sonstige PR-Dienstleister mit umfangreichen Microsites (inkl. Kunden-Pressefchern). zum PR-Dienstleisterverzeichnis
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG