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Fachartikel, 23.02.2007
E-Commerce und E-Business
„Web 2.0“ – dem Internet-Hype auf der Spur
Geht es um die Zukunft des Internets, Marketingstrategien, Online-Trends oder auch das Erfolgsgeheimnis viel besuchter Internet-Portale dominiert kaum ein Begriff so sehr die Internetszenerie wie das Schlagwort „Web 2.0“. Was sich dahinter allerdings verbirgt, ist bei der breiten Bevölkerung noch nicht ganz angekommen. Artikel zu den Hintergründen des Web 2.0 und seine Bedeutung für Unternehmen.
Aufgrund des Web 2.0-Hype richten immer mehr Unternehmen ihr Augenmerk auf die neuen Mglichkeiten, die ihnen Blogs, Tags und Podcasts bieten, um neue Marketingstrategien zu konzipieren. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, wer mit dem Begriff Web 2.0 wirklich etwas anfangen kann und wie weit verbreitet der Begriff ist. Diese beiden Aspekte sind Gegenstand einer Studie, die die PR-Agentur ZPR aus Hamburg initiiert hat. Dazu fhrte das Institut Academic Data im Auftrag von ZPR eine Umfrage durch. Fr diese Erhebung wurden im Oktober 2006 in Deutschland 1.008 Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren befragt.

Der Studie zufolge betreiben in Deutschland bislang 3 Prozent der Internetnutzer ein Weblog, 9 Prozent lesen regelmig Weblogs und 14 Prozent nutzen Podcast-Angebote. Erwartungsgem liegen die Nutzungswerte in der Altersgruppe der 16- bis 20-Jhrigen hher: Hier betreiben 14 Prozent ein Weblog und 35 Prozent lesen regelmig Weblogs. Dabei zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen Mnner und Frauen (5 Prozent der Frauen gegenber 12 Prozent der Mnner).

Die Nutzung des Internets in der herkmmlichen Art und Weise berwiegt gegenber neuen Nutzungsformen deutlich. So kaufen 68 Prozent der befragten Internetnutzer online ein, 56 Prozent beteiligen sich an Auktionsbrsen und ebenfalls 68 Prozent nutzen Nachschlagewerke und Suchmaschinen. ber die Zukunft des Web 2.0 uert sich Sandra von Zabiensky, geschftsfhrende Gesellschafterin von ZPR: „Spannend wird die Frage, ob sich das Nutzungsverhalten in anderen Altersgruppen noch ndert oder die 16- bis 20-Jhrigen auch mit zunehmendem Alter die Angebote nutzen und der Gesamtmarkt mit der Folgegeneration wchst“.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Begriff Web 2.0 in der Bevlkerung noch nicht ganz angekommen ist. Nur 6 Prozent der Befragten knnen mit dem Begriff berhaupt etwas anfangen. Allerdings scheint auch innerhalb dieser Gruppe ein Dissens darber zu bestehen, was genau sich hinter dem Begriff verbirgt. So konnten nur knapp die Hlfte der Befragten (48 Prozent) die Antwortmglichkeit „Web 2.0 bezeichnet die neue soziale und interaktive Orientierung des Internets, in dem User selbst aktiv werden“, als richtige Umschreibung fr Web 2.0 einordnen.

„Unsere Umfrage zeigt, dass Web 2.0 in der Gruppe der 16- bis 30-Jhrigen durchaus eine Rolle spielt, die Bedeutung in der Gesamtbevlkerung aber noch sehr gering ist. Eine umfassende gesellschaftliche Vernderung in allen Altersgruppen oder ein vlliger Umbruch der bisherigen Mediennutzung besteht laut unserer Umfrage zurzeit nicht“, fasst Sandra Backhaus die Ergebnisse zusammen. Zu hnlichen Ergebnisse kommt auch das Marktforschungsinstitut Dialego in einer Untersuchung im Juni 2006, in der 1.000 Interviews unter Deutschen im Rahmen einer Online-Befragung durchgefhrt wurden.

Der Umfrage zufolge kennen nur 14 Prozent der Befragten den Begriff Web 2.0, weitere 21 Prozent geben an, vielleicht schon einmal davon gehrt zu haben. Whrend lediglich 7 Prozent der befragten Frauen den Begriff kennen, liegt dieser Anteil bei Mnnern mit 21 Prozent deutlich hher. Es zeigen sich altersspezifische Unterschiede in Bezug auf die Begrifflichkeit: Gerade die jngeren Zielgruppen sind im Feld der Web 2.0-Funktionalitten besser informiert. (Eine detaillierte Darstellung der Web 2.0-Funktionalitten finden Sie z. B. hier.)

Bezglich der Intensitt der Nutzung des Internets hat sich gezeigt, dass die Internetnutzer um so besser informiert sind, je lnger und hufiger sie online sind. So kennen rund ein Viertel der befragten Personen den Begriff Web 2.0, die bereits seit 1996 das Internet nutzen. Bei den Befragten, die erst seit 2000 oder spter das Internet fr sich entdeckt haben, sind es lediglich 6 Prozent.

Besucher von Web 2.0-Websites sind meist aktive Nutzer

In einer Studie des Markt- und Medienforschungsinstituts result und der Medienforschung des Sdwestrundfunks wurden im Oktober und November 2006 Auswirkungen von „Web 2.0“ auf das allgemeine Mediennutzungsverhalten untersucht. Dabei wurden Nutzer befragt, die Web 2.0-Anwendungen privat nutzen und zumindest eine Webseite, die derartige Funktionalitten vorhlt, hufiger als zweimal pro Woche besuchen. Es wurden Einzelinterviews mit Experten durchgefhrt, Fokusgruppen mit Web 2.0-Nutzern gebildet, und eine Onlinebefragung mit 501 Teilnehmern durchgefhrt.

Mit Rckgriff auf die Ergebnisse der ARD/ZDF-Online-Studie 2006 zeigt die Online-Befragung, dass Web 2.0 in der Bevlkerung zunehmend an Bedeutung gewinnt: Zurzeit nutzen 20 Prozent der Befragten Web 2.0-Funktionen, wobei 9 Prozent der Probanden eine tgliche Nutzung angeben. ber die Hlfte der Befragten sind Nutzer, die aktiv Web 2.0 zur ffentlichen Kommunikation und Mitgestaltung nutzen.

Obwohl Web 2.0-Anwendungen berwiegend aktiv genutzt werden (57 Prozent), zeigt die Umfrage, dass Web 2.0-Angebote auch fr die passiv partizipierenden Nutzer Anziehungskraft besitzen. Es lsst sich fest halten, dass passive Nutzer als Mitnutzergruppen der Angebote die Inhaltgestaltung erheblich beeinflussen knnen und folglich im Hinblick auf Web 2.0-Potenziale bercksichtigt werden sollten.

Typologie der Web 2.0-Nutzer

Auf Basis der Untersuchungsergebnisse von result und Sdwestrundfunk wurde fr die Charakterisierung der unterschiedlichen Nutzung von Web 2.0-Angeboten eine Nutzertypologie entwickelt, die nachfolgend dargestellt ist. Die Gre der einzelnen Felder gibt nicht die Hhe der Nutzergruppen wieder, sondern zeigt die Bandbreite des (kommunikativen und gestaltenden) Involvments auf.

::: Als Produzenten werden die Nutzer von Web 2.0-Angeboten bezeichnet, bei denen eine Verffentlichung von Inhalten, wie z. B. von Fotos in Fotocommunities oder von Texten in Weblogs im Vordergrund steht.

::: Fr Spezifisch Interessierte spielt eine Verffentlichung von Inhalten sowie Kommunikation ber ein spezifisches Interesse wie z. B. Hobby eine entscheidende Rolle.

::: Fr Selbstdarsteller ist es sehr wichtig, sich selbst zu prsentieren mit Hilfe z.B. eines Onlinetagebuchs (Blogs).

::: Netwerkern geht es vor allem darum, den Kontakt mit Anderen aufrecht zu halten bzw. neue Kontakte knpfen. Nutzungsbeispiele sind Social–Networking-Sites, Partycommunities oder Reiseblogs.

::: Sogenannte A-Blogger oder Podcaster knnen als Profilierte bezeichnet werden, die Eigenschaften von Produzenten, Netzwerkern, Selbstdarstellern und spezifisch Interessierten verbinden.

::: Kommunikatoren sind durch enge Verknpfung von Kommunikation und Mediennutzung wie bsw. die Bereitstellung und Diskussion von Videos in Filmportalen gekennzeichnet.

::: Informationssucher sind Nutzer, die Web 2.0-Angebote hauptschlich als Informationsquelle betrachten und vornehmlich passiv partizipieren wie z. B. Wikipedia- Leser.

::: Unterhaltungssucher verwenden dagegen Web 2.0-Angebote in erster Linie zu Unterhaltungszwecken. Zu dieser Gruppe gehren z. B. nicht kommentierende Blog-Leser oder Besuchern von Video-Portalen.

Die acht Gruppen der Typologie werden anschlieend in folgender Abbildung quantifizieren, wobei die dargestellte Verteilung nicht berschneidungsfrei ist, da im Rahmen der Erhebung ein Nutzer mehreren Typen zugeordnet werden konnte.

Wikipedia ist das bekannteste Web 2.0-Portal

In einer Umfrage von marketing-Brse, einer deutschsprachigen Marketingplattform, wurden die bekanntesten Web 2.0-Portale und deren Mitgliederbindung bzw. -aktivitt ermittelt. Dazu wurden rund 2.000 Marketing-Experten befragt. Als bekanntestes Web 2.0-Portal belegt die Online-Enzyklopdie Wikipedia den ersten Platz. Die Pltze zwei und drei teilen sich das Videoportal YouTube und das Geschftsnetzwerk Xing (vormals openBC). Whrend die Schulfreunde-Website StayFriends noch rund 60 Prozent der Befragten kennen, haben die groen US-Portale SecondLife und LinkedIn durchweg einen geringeren Bekanntheitsgrad. Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Nutzungsvielfalt der unterschiedlichen Web 2.0-Portale auf. Hier finden sich Video- und Bildportale, ein Online-Nachschlagewerk, Blog-Websites und Social-Networking-Portale.

„Die groen Gewinner sind Online-Netzwerke wie openBC [Xing] und LinkedIn“, so Torsten Schwarz, Geschftsfhrer und Initiator der Studie. Denn die Umfrage zeigt, dass sich bei den Online-Netzwerken der strkste „Mitmach-Effekt“ ergibt. Dieser ermglicht es Internetnutzern, selbst Inhalte online zu stellen und sich mit anderen auszutauschen. Rund achtzig Prozent der Website-Besucher von Xing sind registrierte Mitglieder. Beim amerikanischen Pendant LinkedIn sind es immerhin sechzig Prozent.

Ein anderes Ergebnis zeigt sich bei den Video-, Wissens- und Reiseportalen. Die meisten Seitenbesucher sehen sich die Inhalte lediglich an, nur wenige Mitglieder sind wirklich aktiv. So betrgt der Anteil der aktiven Mitglieder beim Bildportal Flickr gerade mal 30 Prozent. „Auch auf den deutschen Videoportalen kommt das Mitmach-Web noch nicht richtig in Schwung“, so Schwarz.

Ein hnliches Ergebnis zeigt sich bei den Reiseportalen und Weblogs: Auch hier sind viele Besucher registriert, allerdings mit einer geringen „Mitmach-Aktivitt“. Diese geringe Aktivitt in vielen Fllen auf den relativ niedrigen Bekanntheitsgrad zurckgefhrt werden. So kennen beispielsweise nur rund dreiig Prozent der Befragten das Reiseportal Holidaycheck.

„Viele reden nur vom Mitmach-Web, aber nur die Jungen trauen sich“, so fasst Schwarz die Ergebnisse zusammen. Als tatkrftigste Gruppe identifiziert er die 20- bis 30-jhrigen Internetnutzer. Lediglich bei sogenannten Blogs, den Online-Tagebchern (auch Weblogs), liee sich kein Altersunterschied im Nutzungsverhalten feststellen.

Welchen Einfluss bt Web 2.0 auf die Online-Marketingaktivitten aus?

Dieser Frage ging im Oktober 2006 der Online-Marketingdienstleister Online-Marketing-Praxis nach. Hierzu wurde in einem Newsletter eine Umfrage platziert, die von insgesamt 148 Personen beantwortet wurde. Auf die Frage, ob Web 2.0 das Geschftsmodell beeinflussen werde, antworteten rund 45 Prozent der Befragten, dass eine Beeinflussung auftreten werde. Ein etwa gleich hoher Anteil (43 Prozent) ist sich allerdings noch unsicher darber, ob Web 2.0 Einfluss auf das Geschftsmodell ausben wird.
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