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Fachartikel, 06.06.2007
Unternehmensnachfolge
Die neue Unternehmensführung übernimmt das Ruder, und was kommt dann?
Für viele Unternehmer bildet das eigene Unternehmen den Mittelpunkt ihres Lebens. Geht dann im Zuge einer Unternehmensnachfolge die Verantwortung für das Unternehmen an einen Anderen über und fällt der Lebensinhalt „Unternehmensführung“ weg, stößt dies nicht wenige in eine tiefe Krise. Was bleibt im Leben noch zu tun, was ist ein Unternehmer ohne Unternehmen wert?

Im Grunde erlaubt unsere gesellschaftliche Struktur hierzulande auf das Arbeitsleben bezogen nur zwei „Zustnde“: Aktiv in Vollzeit oder im Ruhestand. Teilzeitttigkeiten sind gerade noch erlaubte Zwischenformen. Um was es geht, ist nicht etwa die Problematik der Arbeitslosigkeit nher zu errtern, sondern auf die Situation lterer Fhrungskrfte aufmerksam zu machen, die aus dem einen oder anderen Grunde nicht mehr ihrem bisherigen Beruf nachgehen knnen. Oder aber auch all jene, die schweren Herzens die bergabe oder den Verkauf des eigenen Unternehmens an einen Nachfolger in die Wege geleitet und zum Abschluss gebracht haben. Die Grnde fr den Rckzug aus der Erwerbsttigkeit sind unterschiedlich - angefangen vom scheinbaren Zwang zur Modernisierung und der fehlenden Bereitschaft in die Qualifizierung lterer Mitarbeiter zu investieren ber Rationalisierungsmanahmen bis hin zur Nachfolge in mittelstndischen Unternehmen.

Mit Blick auf Rationalisierungsmanahmen werden in Deutschland jedoch nach wie vor bevorzugt ltere Mitarbeiter im Rahmen einer Vorruhestandsregelung abgebaut, da dies weniger Probleme mit Betriebsrat und Arbeitsagentur bringt. Die Kosten fr eine solche Regelung sind berschaubar und Arbeitsgerichtsauseinandersetzungen eher die Ausnahme. Die Kehrseite dieser Vorgehensweise ist, dass das Unternehmen auf diesem Wege wichtige Erfahrungen verliert, die nicht so leicht zu ersetzen ist. Fr den Mitarbeiter wird es trotz aller gut gemeinter politischer Aktionen ab einem Alter ber 50 schwierig bis nahezu unmglich eine neue Anstellung zu finden. Ein nicht vorhandener Kndigungsschutz, grere Erfahrung und oft auch Flexibilitt der Mitarbeiter sind immer noch kein ausreichendes Argument.

hnlich ist auch die Situation fr einen Unternehmer, der fr sich entschieden hat, zur Absicherung des Unternehmens rechtzeitig einen Nachfolger zu suchen. Im Sinne der Risikoabsicherung ist das fr das Unternehmen sinnvoll und kein Unternehmer sollte zu lange warten, einen Nachfolger zu suchen und auf zu bauen. Fr den abgebenden Unternehmer bedeutet dies allerdings nicht nur die Aufgabe seiner bisherigen Ttigkeit, seiner Bezge und in vielen Fllen seines Lebenswerkes sondern auch den „Abstieg“ vom anerkannten Mitglied der Gesellschaft zum „Ruhestndler“ ohne besondere Bedeutung und ohne wichtige Aufgaben. Nicht zuletzt dieser Aspekt wird ein wichtiger Grund sein, warum viele Unternehmer den Zeitpunkt der Nachfolge so weit wie mglich heraus zgern und in nicht wenigen Fllen noch mit 80 weiter an der Spitze des Unternehmens stehen. Dass sie damit weder sich selber noch dem Unternehmer wirklich einen Gefallen tun, steht in den meisten Fllen auer Frage!

Bemerkenswert ist dabei, dass man vom Unternehmer allgemein erwartet oder zumindest akzeptiert, dass er bis ins hohe Alter ttig ist, whrend die Mehrheit der Arbeitnehmer nach einem frhen Ausstieg aus dem Arbeitsleben streben. Die Einfhrung von Altersteilzeit ist in vielen Bereichen scheinbar schwierig zu organisieren, fr einen Unternehmer ist dieses Modell aber im allgemeinen schlichtweg ungeeignet!

Der frhzeitige oder zumindest altersgemss rechtzeitige Ausstieg fllt vielen Unternehmern schwer, obwohl sie eigentlich viel mehr Mglichkeiten zur freiwilligen Gestaltung seines Ausstiegs haben als die meisten angestellten Manager. Selbst Fhrungskrfte bei groen Konzernunternehmen werden bei Personalentscheidungen nicht selten von fremden Einflssen gesteuert, z.B. von Investoren. Unabhngig davon, ob ein Ausstieg aus einer freien Entscheidung oder durch fremde Einflsse bedingt ist, so ist das Ergebnis in beiden Fllen das Gleiche.

Aktive die Vernderung gestalten und nicht an Alten festhalten

Ein Unternehmer ist eigentlich ein Menschentyp, der etwas bewegt und aufbaut. In manchen Lndern ist es „normal“, wenn ein Unternehmer ein Unternehmen aufbaut, zum Erfolg fhrt und dann verkauft, um mit dem Erls wieder ein neues Vorhaben um zu setzen. Natrlich gibt es auch bei Unternehmern unterschiedliche Charaktere. Whrend der Eine eher neue Geschftsmodelle umsetzt und Unternehmen aufbaut, ist der andere mehr der Bewahrer, der ein erfolgreich aufgebautes Unternehmen weiterfhrt. Ein anderer ist der Sanierer, der Unternehmen aus problematischen Phasen wieder zurck auf Erfolgskurs bringt.

Wenn man diese Unterschiedlichkeit in Strken und Vorlieben akzeptiert, dann sollte auch ein Wechsel an der Spitze eines Unternehmens etwas Normales sein. Bei angestellten Managern ist das ja auch schon eher blich, die Bestellung als Vorstandsmitgliedern ist nur mit begrenzter Laufzeit mglich, die maximale Dauer betrgt fnf Jahre. Nur im Mittelstand und insbesondere bei Familienunternehmen wird automatisch unterstellt, dass die Regeln andere sind. Ein mittelstndischer Unternehmer hat dies in den Augen der ffentlichkeit fr alle Zeit zu sein.

Dies ist vermutlich der Grund, dass die Unternehmensnachfolge immer noch ein Tabu-Thema ist! Ein in Maen offenerer Umgang mit dem Thema wrde manche Unternehmensnachfolge-Projekte erfolgreicher machen und vielleicht dazu beitragen, dass nicht Jahr fr Jahr einige Hundert Unternehmen aufgelst werden und noch mal mehr insolvent werden. Aber auch in den Fllen, die erfolgreich verlaufen, htte ein aktiverer Angang und eine offenere Kommunikation vielleicht zu einer optimaleren Lsung fr das Unternehmen gefhrt.

Der Umgang mit einem anstehenden Unternehmensverkauf – aus welchen Grnden auch immer – ist selbst bei der Bereitschaft zur offenen Kommunikation immer ein sensibles Thema. Kunden, Lieferanten, Geschftspartner und auch die eigene Belegschaft darf nicht verunsichert werden, da sonst das Geschft Schaden nehmen knnte. Dem Management der internen und externen Kommunikation kommt also auf jeden Fall besondere Bedeutung zu.

Auch fr den deutschen Mittelstand wre es sicher von Vorteil, wenn der Verkauf des eigenen Unternehmens ebenso selbstverstndlich wird wie der Wechsel des Arbeitsplatzes bei Arbeitnehmern. Somit knnten auch die Fhigkeiten und Vorlieben der Unternehmer optimaler genutzt werden.

Neuer Sinn und Inhalt im Leben durch Weiterbildung und Studium

Eine optimale Mglichkeit, dem Leben auch nach der eigentlichen Karriere Inhalt und Sinn zu geben, ist die Weiterbildung in solchen Bereichen, fr die man sich vielleicht schon immer interessiert, fr die aber immer die Zeit gefehlt hat. Grundstzlich kommt fr die Weiterbildung natrlich das gesamte Spektrum der angebotenen Fcher in Betracht. Es gibt sogar mit dem Seniorenstudium an der Universitt Dortmund ein spezielles Angebot fr Menschen ab 50. Dies deckt insbesondere die Fcher soziale Gerontologie und Geragogik, Soziologie, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Philosophie und Theologie ab. Mit diesem speziellen Angebot sollen ltere Menschen nach der Berufsttigkeit fr ein gesellschaftliches Engagement qualifiziert werden. 85 Prozent der Absolventen dieses Studienganges gehen denn wohl auch einer ehrenamtlichen Ttigkeit in Institutionen, Verbnden, Selbsthilfegruppen oder anderen Projekten nach und engagieren sich im sozialen Bereich, in Kultur, Bildung, Sport und der Freizeitarbeit.

Die wissenschaftliche Weiterbildung fr lter werdende Menschen wird fr die Hochschulen in Zukunft eine Aufgabe von wachsender Bedeutung werden. Der Anteil der ber 60-Jhrigen steigt bei der absehbaren demographischen Entwicklung von gegenwrtig etwa 25 Prozent in den nchsten Jahrzehnten auf fast 40 Prozent. Dies trifft natrlich auf die Teilgruppe der Unternehmer und Fhrungskrfte zu. Da die Mglichkeit der persnlichen Weiterbildung durch ein Studium eine attraktive Mglichkeit zur Selbstverwirklichung darstellt, knnte die knftige Studentenschaft aus Erwachsenen aller Altersgruppen zusammensetzen sein und nicht nur aus dem Kreis der 20- bis 30-Jhrigen.

Die Unternehmensbergabe als Chance zur Umsetzung neuer (Geschfts-)Ideen

Viele Unternehmen entwickeln immer laufen im Laufe ihrer aktiven Unternehmerttigkeit fortlaufend neue Ideen – Ideen fr neue Geschftsfelder, Produkte oder sogar komplett neue potenzielle Unternehmungen. Diese Ideen jedoch auch entsprechend zu vertiefen und umzusetzen, hierzu fehlt ihnen meist die Zeit. Nach dem Rckzug aus dem bisherigen Unternehmen bietet sich die Mglichkeit, diese Ideen um zu setzen. Wenn dies in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit einem jngeren Unternehmer oder einem Managementteam erfolgt, so kann die Arbeitslast beim Aufbau eines Unternehmens von Anfang an verteilt werden und auch in der operativen Ttigkeit kann der Einsatz je nach persnlichen Vorlieben begrenzt werden.

In den Vereinigten Staaten (USA) ist es nicht ungewhnlich, dass ein Unternehmer sein Unternehmen verkauft, auch ohne schon an eine Altersnachfolge denken zu mssen. Oft ist nur der Wunsch ausschlaggebend, wieder eine neue Geschftsidee um zu setzen. Persnlichkeiten mit der Fhigkeit, Unternehmen erfolgreich auf zu bauen, knnen so whrend ihres aktiven Berufslebens eine Reihe von Geschftsideen umsetzen. Andere, die eher die Befhigung zur Fhrung und Optimierung bestehender Gesellschaften haben, knnen den weiteren Aufbau fortsetzen.

Eine von vielen ehemaligen Unternehmern gewhlte Beschftigung nach der Abgabe des eigenen Unternehmens ist die Aufnahme einer Ttigkeit als Unternehmensberater. So bietet eine beraterische Ttigkeit eine optimale und interessante Mglichkeit, auch ohne die hohe zeitliche Belastung und die Verantwortung als Unternehmer weiter berufsttig zu sein und die gesammelten Erfahrungen zu nutzen. Beratungsprojekte haben in der Regel nur eine zeitlich begrenzte Laufzeit mit weniger als sechs Monaten, so dass der eigene Einsatz „dosiert“ werden kann durch Annahme oder Ablehnung von Auftrgen. Anders als bei der im Folgenden beschriebenen Aktivitt als Business Angel erfolgt keine enge Bindung mit einem Unternehmen. Eine Sonderform der Unternehmensberatung ist die Ttigkeit als Interimsmanager, der fr begrenzte Zeit eine operativ leitende Funktion bei einem Unternehmen bernimmt.

Die Aktivitten knnen grundstzlich in Form von gewerblichen Geschften oder ehrenamtlich durchgefhrt werden. Fr die ehrenamtliche Form gibt es eine Reihe von Organisationen in den Lndern, die entsprechende Kontaktnetzwerke pflegen und Anfragen vermitteln. Ein Beispiel hierfr aus NRW ist „Go! Senior Coaching NRW“ im Rahmen der Grnder- und Unternehmensberatung.

Vom ehemaligen Unternehmer zum Business Angel

Die Ttigkeit als Business Angel grenzt sich von dem Weg zur Grndung eines eigenen Unternehmens durch einen niedrigeren Grad des Involvments ab. Der Business Angel entwickelt in der Regel keine eigene neue Geschftsidee und er trgt keine Verantwortung als Unternehmer. Als Business Angel kann ein erfahrener Unternehmern jungen Unternehmensgrndern trotzdem mit Rat und Tat helfen. In der klassischen Version versteht sich der Business Angel auch als Investor, der sich in der Regel mit einem kleineren Betrag an einem jungen Unternehmen beteiligt. Die Bedeutung der Business Angel als Investor hat nach dem Platzen der Internet-Blase nach 2001 deutlich abgenommen.

Die Rolle als Coach und unter Umstnden auch als interimsweise operativ ttiger Berater ist dagegen noch genauso wichtig wie schon frher. Der erfahrene Ex-Unternehmer kann u.a. bei der Vorbereitung und Durchfhrung von Kapitalerhhungen helfen, aber auch bei der Schaffung operativ sinnvoller Organisationsstrukturen. Gerade die Erfahrung in der Fhrung von Personal fehlt vielen Unternehmensgrndern, so dass sie von den Erfahrungen eines Business Angels profitieren knnen.

Es gibt also eine Reihe von Feldern, auf denen der Unternehmer seine Erfahrung als Business Angel weitergeben kann. Die Intensitt seiner Mitarbeit kann er nach den eigenen Vorlieben und den Bedrfnissen flexibel gestalten. Anders als die meisten Berater, die vergleichbare Leistungen erbringen knnen, sind die meisten Business Angels nicht auch eine zeitnahe Begleichung ihrer Leistungen angewiesen. So kann eine Kompensation erst spter bei erfolgreichem Hochlauf der neuen Gesellschaft oder erfolgt in Form von Anteilen. Bei entsprechendem Erfolg kann auch der Business Angel hiermit mittel- bis lngerfristig eine attraktive Rendite erzielen. Fr das Unternehmen ermglicht dies die Nutzung der vorhandenen Erfahrungen, ohne dass die vorhandene Liquiditt zustzlich belastet wird.

Fr den Erfolg einer Zusammenarbeit zwischen Business Angel und Unternehmen ist eine Voraussetzung, dass der Business Angel das Geschftsmodell mit seiner Erfahrung als erfolgversprechend einstuft. Auerdem mssen Grnder und Business Angel eine gemeinsame persnliche Basis finden, die fr die teilweise recht enge Zusammenarbeit trgt. Die Grnder mssen bereit sein, Einschtzungen des Business Angels zu bercksichtigen und ihn in ihr Team mit auf zu nehmen, whrend der Business Angel akzeptieren muss, dass er letztlich nicht mehr der Unternehmer ist, der alleine entscheiden kann. Um von den Erfahrungen des Business Angels und seinem Kontaktnetzwerk partizipieren zu knnen, sollte die Branche des neuen Unternehmens eng verwandt sein mit derjenigen, in der der Business Angel frher ttig war.

Fr einen ehemaligen Unternehmer, der eine weitgehende finanzielle Unabhngigkeit erreicht hat, bietet die Rolle als Business Angel gute Mglichkeiten, die eigenen Erfahrungen weiterhin nutzen zu knnen ohne gleichzeitig die Verantwortung und die Eingespanntheit eines Unternehmers mit sich zu bringen. Dabei kann die Intensitt der eingebrachten Leistungen auch gegenber einer Vollzeitttigkeit flexibel gestaltet und nach Bedarf reduziert werden. Trotz dieser Flexibilitt und der verringerten Verantwortung besteht die Chance auf eine gute Verzinsung des eingesetzten Kapitals und der eingebrachten Zeit!

Die Ttigkeit im Ehrenamt

Mit der vorhandenen Erfahrung kann der ehemalige Manager oder Unternehmer gerade auch in Schwellenlndern bei der Entwicklung der Industrialisierung helfen. Oft fehlen Unternehmer mit den entsprechenden Erfahrungen in diesen Lndern und der Einsatz von Beratern ist zu teuer. Um derartige Projekte erfolgreich voran zu treiben, ist ein lngerfristiges Engagement erforderlich. Auerdem sollte der Betreffende eine Neigung zur Bildungsttigkeit mitbringen. Die richtige Organisation und Fhrung der Unternehmen ist zwar an sich schon ein sinnvolles Ziel, noch besser ist es, wenn das nationale Management durch die Zusammenarbeit in die Lage versetzt wird, dies spter auch alleine und ohne externe Untersttzung durch zu fhren.

Mittlerweile kmmern sich eine Reihe von Organisationen um die Vermittlung entsprechender Experten. Die Wirtschaftsministerien in den Lndern sind eine Anlaufstelle fr solche Vorhaben. In der Mehrzahl handelt es sich bei den Projekten um ehrenamtliche Ttigkeiten und eignen sich vorwiegend fr ehemalige Unternehmer und Fhrungskrfte, die sich nicht mehr um einen Zuerwerb bemhen mssen. Der Vorteil dieser Aktivitt ist, dass die Akquisition neuer Ttigkeiten nicht aktiv durch gefhrt werden muss, Die Organisationen haben in der Regel direkte Anfragen von interessierten Lndern oder Unternehmern.

Politisches Engagement

Mit seinen Erfahrungen knnte ein ehemaliger Unternehmer einen wichtigen Beitrag bei politischen Weichenstellungen leisten. Von den 614 Abgeordneten sind nur 16 als Geschftsfhrer ttig, 13 sind Unternehmer, aber 143 Juristen und 77 Lehrer und insgesamt immerhin 346 in administrativen Berufen (diese Zahl ist natrlich nicht additiv zu betrachten, sondern stellt einen anderen Schnitt durch die Berufsgruppen dar)! Bei den schwierigen Entscheidungen zur Strkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland wre mehr „praktische“ Erfahrung indiesem Umfeld sicher wnschenswert. Auch bei Beschftigungsfragen kann ein Unternehmer, der selber Mitarbeiter eingestellt, gefhrt und gelegentlich wieder entlassen hat, eher in der Lage, zu beurteilen, welche Rahmenbedingungen beschftigungsfrdernd wirken und welche Probleme einen Unternehmer hiervon eher abhalten.

Anstatt der Unternehmensfhrer und Unternehmer findet man im Bundestag also eher die Verwaltungs- und Organisationsexperten! Dies ist natrlich im Hinblick auf die Aufgaben des Parlaments auch nicht verwunderlich und ein wesentlicher Grund liegt darin, dass kaum ein Unternehmer die Geschftsfhrung in seinem Unternehmen whrend einer Legislaturperiode einfach ruhen lassen kann. Einer der prominenten Unternehmer im Parlament war Dr. Schwarz-Schilling, der damals auch noch aufgrund seiner Doppelbelastung angefeindet wurde!

Fr einen Unternehmer, der sein Unternehmen z.B. im Zuge der Unternehmensnachfolge bergeben oder verkauft hat, besteht grundstzlich eher die Mglichkeiten und auch die Unabhngigkeit, um sich einer politischen Ttigkeit zu widmen. Gleichzeitig entfllt die Notwendigkeit, sich fr die weitere eigene Karriere zu profilieren.

Einem solchen Schritt entgegen steht die heutige politische Struktur der Parteien. Hier wird von den in vorderster Front stehenden Mitgliedern eher der Durchlauf durch die Parteikarriere erwartet als der Quereinsteiger mit besonderen Fhigkeiten und Kenntnissen. Obwohl viele Unternehmer selber Mitglieder einer Partei sind, scheuen viele die zeitaufwndige Mitarbeit in Ortsverbnde oder die Einbringung bei Themen der Lokalpolitik. Ein offeneres Verhalten der Parteien und die ffnung fr Quereinsteiger wre sicher nicht nur fr die ehemaligen Unternehmer von Vorteil sondern auch fr die politische Arbeit. Wie so oft, so knnte auch hier die Mischung von „Parteikarrieristen“ und Quereinsteigern ein gutes Ergebnis bringen. Da viele ehemalige Unternehmer keine weiteren beruflichen Verpflichtungen mehr haben, knnen sie sich einer solchen neuen Aufgabe auch mit ganzer Kraft widmen! Auch dies wre sicher nicht zum Nachteil des politischen Systems.

Neben den politischen Parteien knnte ein Unternehmer seine Erfahrungen natrlich auch bei ihm nahestehenden Verbnden einbringen. Genau wie die Parteien haben aber auch viele Verbnde ihr Eigenleben entwickelt mit entsprechenden Verbandskarrieren und inneren Zirkeln, die ber die Besetzung von neuen Posten entscheiden. Auch in diesem Bereich drfte es heute schwierig sein, als Quereinsteiger ohne langfristig vorher geknpfte Verbindungen eine neue Aufgabe zu finden.

Die Qual der Wahl?

Grundstzlich gibt es offensichtlich eine Reihe von Mglichkeiten, um die gesammelten Erfahrungen produktiv ein zu setzen. Dieses Spektrum engt sich aber wieder ein, wenn es nicht nur um eine qualifizierte Beschftigung geht, sondern um die Suche nach Erwerbsquellen. Dies trifft gerade solche Unternehmer, die keine ausreichende Altersvorsorge zu treffen oder ihr Unternehmen nicht zu dem gewnschten Preis veruern konnten.

Fr ehrenamtliche Bettigungen gibt es zahlreiche Mglichkeiten und eine politische Bettigung ist unter den erwhnten eingrenzenden Bedingungen natrlich auch in vielen Fllen mglich. Dies gilt natrlich auch fr die Weiterbildung, z.B. in Form eines Zweitstudiums. Ganz anders sieht es aus, wenn die neue Bettigung einen wesentlichen Zuverdienst erwirtschaften soll. Gute Chancen haben dabei ehemalige Unternehmer mit speziellen und gesuchten Spezialkenntnissen und Kontakten. Als Berater oder Vertreter in Beirten und Aufsichtsrten werden solche unternehmerisch erfahrene Experten gesucht.

Sind diese Voraussetzungen aber nicht erfllt, so findet sich der ehemalige Unternehmer im Wettbewerb mit vielen anderen Dienstleistern aus dem Beratungs-, Coaching- und Interimsmanagement-Umfeld wieder. Nach der Krise der New Economy ist der Beratermarkt zu einem Kufermarkt mit einem berangebot an Beratern geworden. Auch die Grndung eines neuen Unternehmens gestaltet sich nicht einfach, wenn hierfr Kapital z.B. von Beteiligungsgesellschaften bentigt wird. Die meisten der ehemaligen Unternehmer haben in diesem Bereich keine eigenen Erfahrungen, da sich auch der Beteiligungsbereich in den letzten zehn Jahren erheblich verndert hat. Mit der „richtigen“ Geschftsidee gibt es aber nach wie vor interessierte Investor, die einen Unternehmensaufbau begleiten.

Die kurze Analyse zeigt, dass es nicht den Weg fr ehemalige Unternehmer und Fhrungskrfte gibt, um nach einem Unternehmensverkauf eine sinnvolle und zufriedenstellende Beschftigung zu finden. Es empfiehlt sich daher, solche berlegungen schon vor oder whrend eines Unternehmensnachfolge-Projektes an zu stellen. Immer wieder scheitern Unternehmensnachfolgen gerade auch an diesen Fragen und den damit verbundenen Unsicherheiten. Je frher ein Unternehmensnachfolge-Projekt gestartet wird, um so eher gibt es auch Chancen fr einen Neustart. Dies hat sowohl fr den betroffenen Unternehmer Vorteile als auch fr die Volkswirtschaft als Ganzes. Zum Einen sichert eine frhzeitige bergabe eines Unternehmens eher den Fortbestand und schafft gleichzeitig mehr Chancen fr potenzielle Unternehmensgrnder. Zum anderen kann die Erfahrung des „alten“ Unternehmers ebenfalls wieder produktiv genutzt werden, da eine grere Anzahl der ehemaligen Unternehmer selber wieder ein Unternehmen aufbauen oder anderen Unternehmen bei ihrer Entwicklung frdern.

Dem Aspekt der Aktivitt nach der Unternehmensbergabe sollte im Rahmen eines Nachfolgeprojektes immer ein entsprechend hoher Stellenwert eingerumt werden. Wenn der abgebende Unternehmer dieses Thema nicht selber anspricht, sollte es auf jeden Fall der Berater oder Coach tun!

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