VOLLTEXTSUCHE
Fachartikel, 22.04.2009
Breitband
Problemfall regionale Netze
Das Bewusstsein für den Bedarf an Breitband-Anschlüssen hat sich bei den politischen Entscheidungsträgern in Deutschland seit Anfang 2008 deutlich weiter entwickelt. Dabei dürfte es mittlerweile unstrittig sein, dass eine gute und flächendeckende Breitbandversorgung ein wichtiger Standortfaktor für jede Kommune ist.
Die politischen Diskussionen um das Konjunkturpaket II haben den Prozess rund um das Thema Breitbandversorgung weiter vorangebracht. Damit endet allerdings in vielen Fllen der Erkenntnisstand der Verantwortlichen in den Kommunen. Was konkret zu tun ist, mit wem zu verhandeln ist, welche Technologie zukunftssicher ist und welche Frderungen aus dem Konjunkturpaket II fr den Breitbandausbau genutzt werden knnen, bleibt fr manche Entscheider noch in einer diffusen Grauzone.

Fernverkehrsnetze

Betrachtet man die technischen Gegebenheiten, so stellt man fest, dass im Bereich der Fernverkehrs-Netze (nationale Backbone-Netze) eine ausreichende bertragungs-Kapazitten vorhanden und verschiedene Anbieter im Wettbewerb zueinander ttig sind. Hier liegt offensichtlich nicht das Problem fr den Breitbandausbau in der Flche. Im Bereich der Teilnehmer-Anschlussnetze finden sich in Deutschland durchweg Kupfer-Zweidraht-Anbindungen und ergnzend je nach Region Koaxialkabel der Kabel-Fernseh-Anbieter. Glasfaser-Anbindungen, wie sie in den Niederlanden oder in manchen asiatischen Lndern in steigendem Umfang eingesetzt werden, findet man in Deutschland dagegen nur in wenigen Modellprojekten. Statistisch gesehen liegt Deutschland mit Fiber-to-the-Home im internationalen Vergleich noch im letzten Drittel.

Anschluss-Netze

Trotzdem ist es selbst mit den vorhandenen Kupfer-Anschlussnetzen mglich, hohe Bandbreiten zu bertragen. Kabelnetz-Betreiber erreichen vielerorts 32 MBit/s mit der zuknftigen Option bis auf 100 MBit/s zu erweitern, mit ADSL sind derzeit 16 MBit/s mglich und das moderne VDSL-Netz der Telekom ermglicht je nach Entfernung vom Kabelverzweiger 25 oder 50 MBit/s und bertrgt diese ebenfalls ber das vorhandene Kupfer-Zweidraht-Anschlussnetz zum Nutzer. Fr hhere Bandbreiten braucht man dann allerdings dann doch die Glasfaseranbindung bis zum Gebude (Fiber-to-the-Building) oder bis in den Haushalt (Fiber-to-the-Home). Trotzdem ist festzustellen, dass das Anschlussnetz in aller Regel ebenfalls nicht den Engpass beim Breitbandausbau in der Flche darstellt.

Diese Aussage gilt natrlich nur mit Einschrnkungen. Denn ohne einen Ausbau der aktiven bertragungstechnik im bestehenden Anschlussnetz ist keine Breitbandbertragung mglich. In der Regel mssen die letzten aktiven Komponenten im Anschlussnetz, die Kabelverzweiger (KVZ), mit moderner digitaler bertragungstechnik aufgerstet werden. Dies ist mit zustzlichen Investitionen verbunden, die der Anschlussnetzbetreiber erbringen muss. Je nach Bevlkerungsdichte (und damit der Zahl der an einen Kabelverzweiger angebundenen Haushalte) kann allerdings auch dieser Ausbau fr einen Netzbetreiber unwirtschaftlich sein und es gilt, eine gegebenenfalls vorhandene Wirtschaftlichkeitslcke zu schlieen.

Regionale Backbone-Netze

Das Problem fr den Breitbandausbau in der Flche besteht in den meisten Fllen im regionalen Backbone-Netz, mit dem das Fernverkehrs-Netz an das Anschlussnetz angebunden wird. Hier sind heute die verfgbaren Bandbreiten oft zu gering, um hhere Bandbreite bis zum Anschluss-Netz zu transportieren. Die regionalen Netze bestehen typischerweise aus Kupfer-Leitungen, deren Kapazitt nicht erweitert werden kann. Hier bleibt oft nur der Ausbau des regionalen Netzes mit Glasfaser-Leitungen. Dass dies in der Regel im berbauten Raum erfolgen muss, kommt erschwerend hinzu und ist dann mit teuren Baumanahmen verbunden. Sofern Kabelkanle, Abwasserrohre oder hnliches verwendet werden knnen, lsst sich der notwendige Aufwand reduzieren. Die Verlegung von Glasfaser-Strecken in Abwasserkanlen befindet sich derzeit in einem Pilotversuch.

Als Alternative zu Glasfaserstrecken kommen je nach Topographie auch Richtfunk- oder WiMAX-Verbindungen im regionalen Netz in Betracht. Eine Funkstrecke ist in der Regel kostengnstiger zu errichten, wenn topographische Hindernisse wie Flsse, Straen und andere Hindernisse zu berwinden sind. Auch die direkte Anbindung einzelner Kabelverzweiger mithilfe von WiMAX-Strecken ist mglich und meistens schneller zu realisieren als eine Baumanahme. Allerdings gibt es an einigen Orten Weiderstnde gegen Funklsungen, auch wenn dies eigentlich fast immer unbegrndet ist. Auerdem stellt eine Funkstrecke in einem regionalen Netz eine aktive Infrastruktur-Komponente dar, die gemanagt werden muss.

Regionale Netze verbinden die Backbone-Trassen mit den Kabelverzweigern in den Ortsteilen (je Ortsteil ist in der Regel ein Kabelverzweiger vorhanden). Das Netz erhlt somit zunchst eine Baumstruktur, die aufgrund der Verfgbarkeit und Absicherung in Richtung einer Ringstruktur erweitert werden sollte. Ergnzend zu den eigentlichen Verbindungsstrecken ist eine Einrichtung zur berwachung von Performance und Verfgbarkeit des regionalen Netzes vorzusehen.

Geschftsmodelle fr ein regionales Netz

Der Aufbau und eigenstndige Betrieb eines regionalen Breitband-Netzes rentiert sich in der Regel nicht fr eine einzelne Kommune. Wenn sich mehrere Kommunen zusammen finden oder auf Kreisebene entsprechende Aktivitten entwickelt werden, kann ein zumindest Kosten-deckender, wenn nicht mittelfristig profitabler Betrieb erreicht werden. Es gibt verschiedene Modelle fr den Ausbau der regionalen Netze. Naheliegend ist der Ausbau durch einen der groen Netzbetreiber, der dies entweder vollstndig alleine finanziert oder durch Zuschsse der Kommune mitfinanzieren lsst. Auf jeden Fall bleibt das regionale Netz dabei aber im Besitz des Netzbetreibers und die Kommune hat kein Mitsprache-Recht bei der Nutzung oder einem spteren Ausbau.

Eine andere Mglichkeit ist ein Joint-Venture zwischen einem Netzbetreiber und einer Kommune – ein Private-Public-Partnership. Finanzierung und Nutzungsrechte werden bei diesem Modell vertraglich geregelt. Alternativ kann die Betreiber-Gesellschaft als 100% Tochtergesellschaft betrieben werden. Wenn die vorhandene Versorgung unzureichend ist und das eigentliche Endkundengeschft an Kooperationspartner vergeben wird, so ist dies meistens auch mit dem kommunalen Versorgungs-Auftrag vertrglich. Eine solche Konstellation kann von den unterschiedlichen Abschreibungszeitrumen profitieren, die fr ffentliche Infrastruktureinrichtungen (bis zu 20 Jahre) mglich sind im Vergleich zu den Kalkulationszeitrumen von 4 bis 5 Jahren, die ein privatwirtschaftlich arbeitender Betreiber ansetzen muss. Bei den kurzen Abschreibungszeitrumen rechnen sich regionale Netze in dnner besiedelten Regionen mit marktblichen Preisen nur in Ausnahmefllen. Den Weg hherer Preise fr ein Breitbandangebot im lndlichen Raum will bislang niemand gehen.

Neben wirtschaftlichen Aspekten spricht die Zukunftssicherheit fr eine Lsung auf ffentlicher Basis. Bei einer Frderung mit verlorenen Zuschssen gibt es keinen zuknftigen Einfluss von Kommune und Kreis auf den Ausbau des Anschlussnetzes, hierber entscheidet alleine der Netzbetreiber. Das weitere Wachstum im Breitband-Bedarf ist aber unbestritten. Derzeit liegt die Wachstumsrate bei 60 % pro Jahr. Im Straenverkehr wrde ein solches Verkehrswachstum zum Kollaps fhren. Aber auch die bestehenden Datennetze haben nur eine begrenzte Ausbau-Kapazitt. Wenn die Wachstumsraten weiter in vergleichbarer Gre steigen – und es spricht derzeit nichts fr eine Verlangsamung im Wachstum – dann bleibt letztlich nur der Glasfaseranschluss bis zum Haus. Es ist also absehbar, dass die derzeitigen Kupfer-Anschluss-Netze nur fr eine begrenzte Zeitdauer ausreichen werden. Je nach Struktur kann dies allerdings noch einige Jahre dauern.

Eine flchendeckende Aufrstung aller Netze auf Glasfaserbasis bis zum Haushalt in kurzen Zeitrumen wre selbst ohne die wirtschaftlich angespannte Lage kaum finanzierbar. Schon der flchendeckende Breitband-Ausbau mit 50 MBit/s. (Glasfaser nur bis zum Kabelverzweiger) wird € 40 – 50 Mrd. kosten. Allerdings sollte die Zeit genutzt werden, um Neubausgebiete nur noch mit Glasfaser auszursten. Bei jeder Baumanahme sollten zwingend Leerrohre mit verlegt werden, da Baumanahmen die wesentlichen Kostentreiber beim Breitband-Ausbau darstellen (bis zu 70 % der Gesamtkosten). Mit solchen Manahmen kann das Glasfasernetz bei vertretbaren Kosten ber die Jahre wachsen.

Die Rolle von WiMAX und LTE beim Breitbandausbau

Betrachtet man die fr die nchsten Jahre prognostizierten Bandbreiten von 100 MBit/s pro Haushalt, dann kann WiMAX diese Ansprche niemals erfllen. Mit dieser Funktechnologie erreicht man bestenfalls 4 MBit/s und blicherweise nicht mehr als 2 MBit/s. Nun sind dies fr einen Nutzer, der an schnelle ADSL oder gar VDSL-Anschlsse gewohnt ist, nicht sonderlich interessant. Wer aber heute mit DSL-light mit 384 kBit/s Vorliebe nehmen muss, erreicht hiermit allerdings schon einen deutlichen Fortschritt. Auerdem knnen WiMAX-Netze mit moderaten Kosten von ca. € 350 pro Anschluss errichtet werden und dies berdies recht schnell (sofern nicht aufgrund der Topographie hhere Funkmasten errichtet werden mssen). Es gibt eine Reihe kleinerer Ortschaften, die auf den Ausbau mit schnellen Netzen noch lnger warten mssen und in diesen Fllen bietet WiMAX eine attraktive bergangslsung. Allerdings mssen auch beim Aufbau von WiMAX-Netzen die erforderlichen Bandbreiten von den Backbone-Netzen an die Kopfstationen zugefhrt werden, so dass es mit einer Investition in WiMAX alleine in der Regel nicht getan ist.

Schnelle UMTS-Netze wie z.B. UMTS mit 7,2 MBit/s (bei HSDPA) kann den einen oder anderen heutigen DSL-Nutzer dazu bringen, ganz auf das Festnetz zu verzichten. Die verfgbare Bandbreite reicht fr viele Anwendungen und ist schneller als der derzeitige Durchschnitt im Festnetz. Allerdings haben die schnellen Mobilfunk-Netze fr den lndlichen Raum den Nachteil, dass sie nur recht kleine Zellen mit Radien von deutlich unter 1 km versorgen knnen. Daher werden HSDPA-Netze bevorzugt in Ballungsgebieten errichtet. In der Flche wird der Netzausbau bei dnnerer Besiedlungsdichte schnell unwirtschaftlich.

LTE (Long-Term-Evolution) wird als neue Generation im Mobilfunk nochmals hhere Bandbreiten ermglichen, 25 MBit/s sind LTE durchaus zu erreichen, so dass Fernsehen in HD-Qualitt auch mobil mglich sein wird. Dies allerdings mit kleinen Funkzellen und somit entsprechend vielen Basis-Stationen. LTE-Netze knnen schnell entstehen, wenn die freigewordenen Rundfunk-Frequenzen durch die Bundeslnder fr den Mobilfunk freigegeben werden. Aus Sicht der Bundesregierung spricht nichts gegen die Nutzung der so genannten „digitalen Dividende“ der nicht mehr gebrauchten Funk-Frequenzen.

Funklsungen sind somit bedingt als Lsung fr den Breitband-Ausbau in der Flche geeignet. Als bergangslsung fr die Jahre, die beim Aufbau von Glasfasernetzen vergehen werden, knnen sie trotzdem auch in der Flche eine wichtige Rolle spielen. Da der Aufbau und Betrieb von UMTS-Netzen Lizenz-pflichtig sind, kommen als Betreiber nur die 4 lizenzierten Betreiber in Betracht, so dass Geschftsmodelle  nicht weiter gestaltet werden knnen.

Wettbewerbsfrderung durch regionale Netze

Ein regionales Breitbandnetz, das als „Open-Access“ Lsung vielen Anbietern von Diensten offen steht, kann das Diensteangebot im Versorgungsgebiet frdern. Wenn fr die Anbieter die Notwendigkeit entfllt, selber in den teueren und langwierigen Netzaufbau zu investieren, dann werden auch kleinere Unternehmen die Chance nutzen und ihre Dienste ber diese Netze vermarkten. Ob diese Lsungen auf eine Effizienz-Steigerung in Unternehmensprozessen zielen oder im Sinne von Unterhaltungs- und Bildungsangebote anzusehen sind, ist zunchst ohne Bedeutung. Die Nutzung der vorhandenen Breitbandnetze fr die Daten-bertragung muss natrlich vergtet werden, dies allerdings je nach Betreiberkonzept abhngig von der Nutzungsintensitt (nach Zeit oder Datenvolumen). So kann auf der Dienste-Ebene ein zustzlicher Wettbewerb entstehen neben dem heute blichen reinen Preis-Wettbewerb.

Eine solche Entwicklung ist allerdings eher dann wahrscheinlich, wenn der Netzzugang nicht unter der Kontrolle der groen Netzbetreiber steht. Mit Landkreisen oder Kommunen als Betreibern wren grundstzlich ideale Bedingungen fr die Stimulierung des Dienste-Wettbewerbs geschaffen. Noch vorteilhafter wre ein Bundesland als Betreiber, da dann ein deutlich greres Vermarktungsgebiet zur Verfgung stnde. Bislang sind allerdings keine berlegung von landeseigenen Breitband-Netzen bekannt.

Die Nachteile lndlicher Regionen bei der Breitbandversorgung knnen auf jeden Fall durch einen konsequenten und zgigen Aufbau von regionalen Breitbandnetzen ausgeglichen werden. Fr Unternehmen gibt es dann keinen Grund, wegen fehlender Versorgung den Firmensitz zu verlagern oder neue Standorte in Ballungsgebieten zu erschlieen. Dann knnen die Bewohner dieser Regionen auch in Zukunft die Vorteile dieser Regionen nutzen und sind nicht gezwungen, in Regionen mit besserer Infrastruktur-Versorgung umzuziehen. Durch die Umsetzung von Anwendungen fr die mobile und kollaborative Zusammenarbeit knnen Unternehmen zur Flexibilisierung der Arbeitswelt beitragen. Es ist auch sicherlich fr die wenigsten Arbeitspltze zwingend erforderlich, dass die Arbeitsleistung nur im Bro erbracht werden muss. Wenn Berufspendler nur 3 oder 4 anstatt von 5 Tagen in der Woche ins Bro fahren, wrde dies gleichzeitig erheblich zur Entlastung des Berufsverkehrs beitragen. Breitband ist mittlerweile fr alle Kommunen ein entscheidender Standortfaktor geworden!

ZUM AUTOR
ber STZ-Consulting Group
STZ-Consulting Group
Kolibristr. 37
50374 Erftstadt

+02235-988776
WEITERE ARTIKEL DIESES AUTORS
Vernetzte Welt(en)
Das Innovationsprojekt T-City in Friedrichshafen gibt einen Eindruck davon, welchen Nutzen ... mehr

ANDERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
SUCHE
Volltextsuche





Profisuche
Anzeige
PRESSEFORUM MITTELSTAND
Pressedienst
LETZTE UNTERNEHMENSMELDUNGEN
Anzeige
BRANCHENVERZEICHNIS
Branchenverzeichnis
Kostenlose Corporate Showrooms inklusive Pressefach
Kostenloser Online-Dienst mit hochwertigen Corporate Showrooms (Microsites) - jetzt recherchieren und eintragen! Weitere Infos/kostenlos eintragen
EINTRGE
PR-DIENSTLEISTERVERZEICHNIS
PR-Dienstleisterverzeichnis
Kostenlos als PR-Agentur/-Dienstleister eintragen
Kostenfreies Verzeichnis fr PR-Agenturen und sonstige PR-Dienstleister mit umfangreichen Microsites (inkl. Kunden-Pressefchern). zum PR-Dienstleisterverzeichnis
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG