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Fachartikel, 09.10.2015
Mehr Erfolg und Lebensglück
Kraftquelle „Positive Emotionen“
Positive Emotionen sind der Motor für unsere persönliche Entwicklung. Also sollten wir danach streben, in unser Alltagsleben möglichst viele kleine Momente zu integrieren, in denen wir uns unter anderem über unser Leben und unsere Entwicklung freuen.
 „Lachen ist gesund.“ „Lachen ist die beste Medizin.“ „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Diese Sinnsprche kennt jeder. In ihnen spiegelt sich die uralte menschliche Erfahrung wider, dass Menschen, die mit einer positiven Einstellung zu sich und dem Leben (sowie bildhaft gesprochen einem Lcheln) durchs Leben gehen, Herausforderungen leichter meistern. Sie sind zudem gesnder und haben eine hhere Widerstandskraft. Das haben inzwischen auch die Medizin und Psychologie erkannt und versuchen, diese Erkenntnis wissenschaftlich zu objektivieren und gezielt zu nutzen.

Ein Meilenstein in dieser Entwicklung war, als die US-amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson 1998 die „Broaden-and-Build“-Theorie vorstellte. Sie geht davon aus, dass positive Emotionen wie Freude, Interesse, Zufriedenheit und Liebe unser Denk- und Verhaltensrepertoire erweitern („Broaden“). Sie frdern unsere geistige Flexibilitt und Kreativitt; auerdem unsere Lust, Neues zu lernen und zu entdecken, sowie unsere Fhigkeit und Bereitschaft, soziale Beziehungen einzugehen und aktiv zu pflegen.

Durch dieses Offen-sein sammeln wir wiederum neue, positive Erfahrungen – beispielsweise in Form kleiner Erfolgserlebnisse und erfreulicher Begegnungen. Und diese erzeugen wiederum positive Emotionen, so dass wir mit der Zeit, so Fredrickson, eine Art Vorrat positiver Emotionen und Erwartungen aufbauen, die es uns erleichtern, auch unangenehme Situationen zu ertragen und herausfordernde Probleme zu meistern.

Positive Emotionen strken die Widerstandskraft

Positive Emotionen bilden fr Fredrickson sozusagen den Nhrstoff fr persnliches Wachstum. Und wenn wir einen entsprechenden Lebensstil pflegen? Dann gelangen wir der „Broaden-and-Build“-Theorie zufolge in eine Aufwrtsspirale, die zu einem immer greren Selbstvertrauen und Wohlbefinden fhrt.

Doch nicht nur dies. Inzwischen wiesen auer Fredrickson viele Forscher nach, dass positive Gefhle auch eine gesundheitsfrdernde Wirkung haben: Das Herzkreislaufsystem wird gestrkt, die Antikrperproduktion wird forciert und die Entzndungsreaktionen verringern sich. Positive Emotionen steigern also auer unserer psychischen auch unsere physische Widerstandskraft. Sie wirken wie kleine Kraftmaschinen, die unsere krperliche und geistige Gesundheit und somit unsere Leistungskraft strken. Also sollten wir unser Leben so gestalten, dass es mglichst viele kleine Mikro-Momente voller positiver Emotionen enthlt, die wir bewusst wahrnehmen.

Mikro-Momente von Glck schaffen und erleben

Ein Manko der positiven Emotionen ist: Sie sind in der Regel weniger intensiv als negative Emotionen. Zudem verarbeitet unser Krper die negativen Emotionen priorisiert. Deshalb nehmen wir positive Emotionen seltener und in der Regel weniger stark und anhaltend als negative wahr. Also sollten wir, wenn wir die Kraftquelle „Positive Emotionen“ nutzen mchten, uns bewusst auf diese konzentrieren. Das heit,
  • wir sollten in unserem Leben bewusst Mikro-Momente schaffen, in denen wir positive Emotionen empfinden, und
  • wir sollten die Momente, in denen wir positive Emotionen haben, bewusst erleben.
Ob wir eher positiv oder negativ denkende Menschen sind, hngt auch von unseren Genen ab. Doch teilweise ist diese Eigenschaft erlernbar – jedoch nicht von heute auf morgen. Einstellungsnderungen, aus denen Verhaltensnderungen resultieren, sind stets ein Langzeitunterfangen. Und inwieweit wir das Ziel erreichen, hngt auch davon ab, wie viel Positives wir bereits auf dem Weg dorthin erfahren und empfinden. Also sollten wir uns, wenn wir eine nachhaltige Verhaltensnderung anstreben, fragen: Wie knnen wir die Verhaltensnderung mit positiven Emotionen verknpfen? Mgliche Anstze hierzu sind:
  • Etwas finden, das uns Spa macht und motiviert,
  • auf kleine Unterschiede/Fortschritte achten (auf die wir stolz sein knnen),
  • etwas mit anderen Menschen tun,
  • die Aktivitt mglichst attraktiv gestalten, ein angenehmes Umfeld schaffen,
  • die Ansprche an uns selbst nicht zu hoch schrauben,
  • uns fr Teilerfolge belohnen.
Wichtig ist generell: Wir sollten nicht aus einem Gefhl „Ich muss…“, sondern „Ich sollte…“ beziehungsweise „Es tut mir gut, …“ heraus agieren. Und wir sollten zudem geduldig und nachsichtig mit uns sein – also uns nicht in Selbstvorwrfen zerfleischen. wenn wir mal in alte Verhaltensmuster zurckfallen, sondern uns Schwchen zugestehen.

Als Person aufblhen

Es macht einen Unterschied, ob wir mit einer Situation „zurechtkommen“ oder in ihr „aufblhen“. Manche Blumen vegetieren vor sich hin, whrend andere prachtvoll blhen. Es nutzt jedoch wenig einer darbenden Blume zu sagen: „Wachse endlich!“. Zielfhrender ist es, sich zu berlegen: Was bringt die Blume zum Wachsen? Alles, was ihr Wohlbefinden erhht. Zum Beispiel: Licht, Wrme, Wasser und ein nhrstoffreicher Boden. Und was beschleunigt ihr Wachstum? Dnger.

Generell unterscheidet man zwischen einem hedonistischen und einem eudmonischen Wohlbefinden. Ein hedonistisches Wohlbefinden stellt sich bei uns ein, wenn wir zum Beispiel ein vorzgliches Essen oder Glas Wein genieen. Ein eudmonisches Wohlbefinden empfinden wir hingegen unter anderem, wenn
  • wir anderen etwas Gutes tun,
  • unsere Potenziale nutzen oder
  • uns fr etwas einsetzen, das uns am Herzen liegt.
Ein eudmonisches Wohlbefinden hat einen strkeren positiven Einfluss auf unsere Gesundheit – ohne das hedonistische Wohlbefinden gering zu schtzen. Und seine Wirkung ist nachhaltiger, denn es vermittelt uns zugleich das Gefhl von Sinn – also zum Beispiel das Bewusstsein
  • Ich gehre zu einer Gemeinschaft (lebe in Beziehung),
  • ich trage etwas zur Gemeinschaft bei und
  • ich nutze meine Talente/Fhigkeiten.
Der Dnger fr unser persnliches Wachstum sind deshalb die Mikro-Momente in unserem Leben, in denen wir ein eudmonisches Wohlbefinden empfinden. Damit sich dieses Gefhl hufig einstellt und wir es bewusst erleben, ist eine entsprechende Lebenseinstellung, -haltung und -fhrung ntig. Einige Aspekte, die unser eudmonisches Wohlbefinden frdern, seien hier genannt.
  • Den Moment genieen: Die Aufmerksamkeit auf die drei Zeitkomponenten der meisten positiven Ereignisse lenken – vorher: Vorfreude; whrenddessen: bewusstes Erleben; danach: Reflexion (das Gedchtnis nutzen, um das Gefhl wieder aufzurufen).
  • Verbunden sein: Die Nhe und Verbundenheit mit anderen Menschen spren. Fragen Sie sich zum Beispiel tglich am Abend: An welche positiven Begegnungen, Gesprche erinnere ich mich, und mit wem fhlte ich mich wie verbunden?
  • Erfolge feiern: Fragen Sie sich zudem abends: Was habe ich heute so richtig gut gemacht? Worauf kann ich stolz sein?
  • Dankbar sein: Fragen Sie auch, was ihnen durch andere Menschen, mit denen Sie in Beziehung stehen, Gutes widerfuhr? Wofr sollten Sie ihnen dankbar sein?
  • Mitgefhl praktizieren: Machen Sie sich bewusst, wo und wie andere Menschen leiden. Fragen Sie sich: Was kann ich tun, um ihr Leid zu reduzieren? Beispielsweise Hoffnung vermitteln sowie Mitgefhl und Prsenz zeigen.
  • Neugierig und offen sein: Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass das Leben bunt und vielfltig ist. Es gibt noch so vieles zu sehen, zu lernen und zu erleben. Dann entdecken Sie auch viel Positives.
  • Freundlich und zugewandt sein: Nehmen Sie Ihre Mitmenschen bewusst wahr. Schauen Sie Ihnen in die Augen. Schenken Sie Ihnen ein Lcheln. Sagen Sie danke auch fr scheinbar selbstverstndliche Kleinigkeiten.
  • Wertschtzend sein: Machen Sie sich bewusst, was Sie an Ihren Mitmenschen schtzen. Welche Strken haben sie? Warum freuen Sie sich auf Begegnungen, Gesprche mit ihnen? Sagen Sie dies Ihren Mitmenschen auch. Und schenken Sie ihnen hufiger ein anerkennendes Wort.
  • Echt und ehrlich sein: Zeigen Sie den Menschen (die Ihnen wichtig sind) Ihre Gefhle. Stehen Sie auch zu Ihren Ecken und Kanten. Denn nur dann werden Sie fr die anderen als Mensch erfahrbar und es entsteht Verbundenheit.
  • Natur erleben: Begeben Sie sich bewusst in die freie Natur – zum Beispiel, um die Sonne auf Ihrer Haut oder den Wind an Ihrer Nasenspitze zu spren. Auch das beeinflusst Ihr Befinden positiv.
Doch Vorsicht! Suchen, doch jagen Sie nicht das Glck. Denn wenn wir zwanghaft versuchen, uns zu freuen und unser Leben zu genieen, dann wachsen wir nicht als Person. Persnliches Wachstum ist eine Reise und kein Ziel. Suchen Sie Ihren Weg und folgen Sie ihm.

Bild: gnseblmchen / pixelio.de
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ZUM AUTOR
ber Sabine Prohaska
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Sabine Prohaska ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmen seminar consult prohaska in Wien und Autorin des Buchs Erfolgreich im Training - Praxishandbuch.
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Märzstraße 55/13
1150 Wien

+43-664-3851767
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