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Fachartikel, 12.07.2007
Finanzen und Controlling
Finanzierung durch Venture Capital
Venture Capital, zu Deutsch „Risikokapital“, ist ein Finanzierungsangebot, das sich in erster Linie an Unternehmens- bzw. Existenzgründer richtet oder auf die Finanzierung junger Unternehmen in den ersten Gründungsjahren ausgerichtet ist. Lesen Sie im nachfolgenden Beitrag zu den Vor- und Nachteilen einer Finanzierung durch Venture Capital und dem typischen Ablauf eines Beteiligungsprozesse.

Venture Capital Gesellschaften gehren zur Gruppe der Finanzinvestoren, die ohne eigenes Interesse an den Produkten und Leistungen des Kapital suchenden Unternehmens ihre Investitionsentscheidung treffen. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich auch von den strategischen Investoren, die nur in Ausnahmefllen in Start-up Unternehmen investieren.

Rahmenbedingungen fr eine Beteiligung

Wie der Name schon andeutet, ist Venture Capital bzw. Risikokapital eine Art der Finanzierung, die insbesondere fr Beteiligungen mit hherem Risikopotenzial genutzt. Aufgrund des Ausfallrisikos bei Unternehmensgrndungen, das in den ersten fnf Jahren berproportional hoch ist, mssen erfolgreiche Beteiligungen bei Venture Capital Gesellschaften zur Kompensation berdurchschnittlich hohe Verzinsungen erwirtschaften. Risikokapital wird von Frdermittelgebern und Venture Capital Gesellschaften angeboten. ber das Angebot von Frdermitteln soll die Grndung und das Wachstum von Unternehmen stimuliert und entwickelt werden. Whrend Frdermittel in der Regel zu besonders gnstigen Konditionen angeboten werden (unter Bercksichtigung des Risikopotenzials), ist eine Finanzierung ber Venture Capital Gesellschaften fr den Grnder, langfristig betrachtet, eine eher „teure Angelegenheit“: Bei Venture Capital zhlt die Rendite bzw. die mglichst hohe Verzinsung des eingesetzten Kapitals.

In der Regel liegt das Investitionsvolumen bei Risikokapitalgeber deutlich unter € 2 Mio. und ist auf den Erwerb von Minderheitsbeteiligungen ausgerichtet. Bei der Vergabe von Frdermitteln werden in der Regel maximal 50 % des Vorhabens gefrdert und die restliche Finanzierung erfolgt ber Grnder und Gesellschafter. Die Konsortialbildung mit anderen Investoren, von denen einer die Funktion des Leadinvestors bernimmt, ist nicht unblich. . Als Finanzinvestoren haben die meisten Venture Capital Gesellschaften Anlagehorizonte von drei bis fnf Jahren, bei Frdermitteln geht der Zeitraum auch bis zu 10 Jahren. Zum Ablauf der Investitionszeit soll eine Rckzahlung der Frdermittel erfolgen, bzw. ein Verkauf der Anteile, der „Exit“ fr den Venture Capital Investor. Beteiligungsgesellschaften nutzen ffentliche Frdermittel zudem auch zur Absicherung eines Teils des Risikos, das sie bei einem Investment eingehen. Zum Ablauf der Investitionszeit wird ein Verkauf der Anteile, der „Exit“ fr den Investor, gesucht. Vor einigen Jahren war der bevorzugte Exit der Brsengang oder IPO (Initial Public Offering), da auf diesem Wege teilweise hohe Verzinsungen erzielt werden konnten. Der Erfolg der Investition wird oft auch in Vielfachen („Multiples“) des investierten Betrages gemessen. Es gab durchaus eine Zeit, in denen Multiples von 20 und mehr erreicht wurden.

Mit dem Platzen der Internetblase ist auch der Exit ber einen IPO schwieriger geworden und die Bewertung der Anteile bei der Erstnotierung ist im Vergleich zu der Situation Ende der 90er Jahre wesentlich vorsichtiger geworden. Wenn ein Brsengang nicht mglich oder nicht Erfolg versprechend erscheint, dann wird ein Verkauf der Anteile („Trade Sale“) angestrebt. Als Kufer kommen andere Beteiligungsgesellschaften in Betracht, ein Unternehmen mit Interesse an den Produkten oder dem Know-How der Beteiligungsgesellschaft oder auch die Grnder selber. Wenn ein Verkauf in einem Zug nicht mglich ist, dann kann dies auch in mehreren Tranchen oder an verschiedene Kufer erfolgen.

Da die Beteiligung in der Grndungsphase bzw. in den ersten Jahren danach mit besonders hohem Risiko verbunden ist, liegen die Erwartungen der Risikokapitalgeber an die zu erwartende Verzinsung deutlich hher als bei Beteiligungen in Wachstumsphasen. Die Grundlage fr die Kalkulation der zu erwartenden Verzinsung liefert der Business Case, in dem die wirtschaftliche Planung des Beteiligungsunternehmens zusammengefasst wird. Je nach Einschtzung des Risikos nimmt der Venture Capital Geber Abschlge von den Ergebnissen vor und ermittelt hieraus sein Beteiligungsangebot.

Ablauf des Beteiligungsprozesses

Der Business Plan und der persnliche Eindruck von den Managementfhigkeiten und Erfahrungen der Grnder sind wichtige Entscheidungshilfen fr den Investmentmanager. Typischweise folgt der Risikokapitalgeber eigenen Anlagerichtlinien bzw. den verffentlichten Frdermittelrichtlinien, die einen Rahmen vorgeben fr mgliche Beteiligungen im Hinblick z.B. auf Branche, Grenordnung der Beteiligung, Risikopotenzial und die zu erwartende Verzinsung. Passt ein Beteiligungsvorhaben in den abgesteckten Rahmen erfolgt eine Analyse und Bewertungsphase (Due Diligence). Hierbei werden sowohl die Marktfhigkeit des Produktangebotes, die Tragfhigkeit des Geschftsmodells und die Plausibilitt der Annahmen berprft. Fallweise werden in dieser Phase Gutachten durch externe Experten eingeholt. Die Erkenntnisse dieser Gutachten, die in der Regel von den Venture Capital Gesellschaften beauftragt und bezahlt werden, knnen auch fr die Grnder wertvolle Erkenntnisse zur Anpassung ihrer Planungen geben. Im besten Fall geben sie eine Bettigung fr die bisherigen berlegungen.

Fllt das Ergebnis der Vorprfungen zur Zufriedenheit des Investmentmanagers aus, dann wird das eigentliche Beteiligungsangebot, d.h. die Unternehmensbewertung und die Mitspracherechte festgelegt. Die Unternehmensbewertung definiert die Beteiligungshhe bei dem gegebenen Kapitalbedarf. Es gibt auch Flle, in denen die Analyse des Business Case ergibt, dass der Kapitalbedarf geringer oder hher ausfllt, als von den Grndern ursprnglich angesetzt. Auch eine Aufteilung des bentigten Kapitals in Tranchen je nach Bedarf und Erreichen gemeinsam vereinbarter Meilensteine ist in manchen Fllen sinnvoll.

Besteht zwischen den Unternehmensgrndern und dem Investmentmanager Einigkeit ber die Ausgestaltung einer Beteiligung, wird im nchsten Schritt ein Investment-Proposal erstellt, das dem bei den meisten Venture Capital Gesellschaften vorhandenen Investment-Komitee, dem letztendlichen Entscheidungsgremium, als Entscheidungsgrundlage vorgelegt wird. Selbst bei bisher positiver Entwicklung der Prfungen kann es immer noch zu einer Ablehnung oder zu ergnzenden Auflagen kommen. Das Investment-Komitee ist als Sicherheitsfilter fr den Kapitalgeber vorgesehen, um zu prfen, ob der Investmentmanager alle Prfungen sorgfltig und neutral durchgefhrt hat und ob die Beteiligung gem den Anlagestatuten passt.

Die Zeit nach dem Vertragsabschluss

Ist auch dieser Schritt erfolgreich abgeschlossen, wird der eigentliche Beteiligungsvertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag muss von einem Notar abgeschlossen werden und beinhaltet oft auch weitergehende Vereinbarungen ber die Rechte und Pflichten der Parteien, z.B. Informationspflichten durch die Grnder und Mitspracherechte durch den Investor (Aktionrsvereinbarung).

Nach vollzogener Beteiligung erhlt der Investor in der Regel ein regelmiges (monatliches oder quartalsweises) Reporting ber die Entwicklung des Unternehmens. Auerdem erhlt der Investor oft einen Sitz und Mitsprache bei einem Beirat (oder Aufsichtsrats). In vielen Fllen kann der Vertreter des Risikokapitalgebers mit seiner Erfahrung bei der Bewltigung von Krisen und Problemen in hnlicher Weise helfen wie ein Business Angel. Der Vertreter in dem Aufsichtsgremium kann fallweise auch en von dem Risikokapitalgeber beauftragter Experte sein, der allerdings hierbei die Interessen des Investors bernimmt.

Gegen Ende der Beteiligungslaufzeit suchen Grnder und Investoren Idealerweise gemeinsam nach einer Lsung fr den anstehenden Exit. Dabei kann der Einstieg eines strategischen Investors auch fr die Grnder in vielen Fllen eine attraktive Mglichkeit zur Gestaltung und Absicherung der weiteren Wachstumsphase sein.

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