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Kolumne
Wachstumstreiber, 12.09.2011
Trial & Error
„Volkswirtschaftsleere“ macht uns zu Versuchskaninchen
Während Schäuble Konjunkturprogramme ablehnt, sucht Obama gerade damit den Weg aus der Krise: Ein 447 Milliarden Dollar teures Konjunkturpaket soll der Wirtschaft helfen.
In der aktuellen Haushaltsdebatte macht Finanzminister Schäuble die staatlichen Konjunkturprogramme der Vergangenheit für die immensen Schulden verantwortlich. Zum gleichen Zeitpunkt wirbt US-Präsident Obama für ein 447 Mrd.-Dollar-Paket, um die US-amerikanische Wirtschaft anzukurbeln. Und während EZB-Chef Trichet auf Shopping-Tour für Staatsanleihen konkursgefährdeter Staaten geht, wirft sein Vize Stark den Bettel hin, weil er diese Vorgehensweise für den falschen Weg hält. Aus diesen unterschiedlichen Verhaltensweisen ergibt sich eine entscheidende Frage: Müssen wir wirklich den waghalsigen und kostspieligen Trial & Error-Weg gehen, weil es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, wo es lang geht?

Es sieht tatsächlich so aus! Denn während sich die Betriebswirtschaftslehre längst als zuverlässiger Kompass in der kurz- und langfristigen Unternehmensführung bewährt hat, kann dies die Volkswirtschaftslehre nicht von sich behaupten. Die einzigen Zusammenhänge, die die Volkswirtschaftslehre wirklich belegen konnte, bestehen darin, dass sich die Höhe der Inflation und die Wachstumsgeschwindigkeit durch die Zins- und Geldpolitik regeln lassen. Alles andere ist graue Theorie, Lehrstuhl-Religion und ohne praktische Belege. Aus diesem Grund kamen von der Volkswirtschaftslehre auch noch nie rechtzeitige Vorwarnungen für Wirtschaftskrisen. Sie steuert auch keine Vorschläge bei für ein gemeinsames, parteiunabhängiges und vor allem länderübergreifendes Paket. Jetzt wäre es höchste Zeit für eine konzertierte Aktion.

Dieses Dilemma muss uns dieser Tage bewusst sein. Wir sind die Versuchskaninchen. Der Prozess ist offen. Weltwirtschaft und Finanzmärkte können immer wieder in schwieriges Fahrwasser geraten. Und selbst wenn ein Land die Situation unter Kontrolle hat, schützt das nicht davor, in den Strudel der Probleme anderer Länder hineingezogen zu werden.

Dabei gäbe es eine Lösung: ein länderübergreifender Pakt mit dem Ziel, für jedes Land einen individuellen Entschuldungsplan zu formulieren, der sich am Nettoeinkommen seiner Bürger orientiert, damit die Schuldenbelastung die Lust auf Nachfrage nicht tötet.
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Über Christian Kalkbrenner
Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing und Personal startete Christian Kalkbrenner 1986 seine Karriere als Trainee bei einem mittelständischen Weltmarktführer der Automobilzuliefererindustrie. Dort wurde er zunächst ... mehr
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