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Kolumne
Wachstumstreiber, 30.11.2012
Das leise Gift der Ignoranz
Veränderungen überlebenswichtig
Die Financial Times Deutschland verabschiedet sich am 7. Dezember aus der deutschen Presselandschaft. Nicht freiwillig. Und daran sind der fehlende Mut und der Ideenmangel des Verlagsmanagements sowie viele verpasste Chancen Schuld.
Wir wundern uns, dass es so schwer ist, staatenübergreifend der Klimaerwärmung entgegen zu treten. Wir wundern uns, dass die Spanier, Griechen und Italiener ihre Schulden nicht in Griff bekommen, sondern mit dem Finger ständig auf Deutschland und Angela Merkel zeigen. Und wir wundern uns, dass plötzlich renommierte Zeitungen und Magazine vor dem Aus stehen. Was ist da los?

Der Niedergang der Financial Times Deutschland zeigt einen fatalen Zusammenhang kristallklar: da sitzen alle – Kapitän, Offizier und alle Matrosen – seit Jahren in einem falschen Boot und merken es nicht. Bis heute. Und das, obwohl im Lauf von 10 Jahren über 250 Mio. Euro Verlust angesammelt wurden.

Keiner hat begriffen, dass das lachsfarbene Blatt von Anfang an keine echte Daseinsberechtigung hatte. Selbst die Zusatzfunktion als Amtsblatt für Börsenmitteilungen war zu wenig, um zu überleben. Alle anderen Informationen bieten auch die überregionalen Tageszeitungen und für die Kurzrecherche gibt es das Internet.

Wenn es auch nur den Hauch einer Überlebenschance für die Financial Times Deutschland gegeben hätte, dann als international agierender Marktführer, der entscheidungsrelevante Informationen für die betriebswirtschaftlich interessierte Klientel zur Verfügung stellt. Extrem schnell und absolut zuverlässig, ob als Blogbeitrag, als PDF, als Film, als Podcast oder auch in gedruckter Form.  

Aus Sicht der Financial Times Deutschland hätte das das Ende des „Qualitäts-Journalismus“ bedeutet.
Statt Schön-Schreiber wären Speed-Schreiber und Internet-Kommunikations-Spezialisten nötig gewesen. Eine multinationale, virtuell vernetzte Business-Recherche-Schmiede mit ein wenig Texttuning. Eine völlig andere Mitarbeiterqualifikation und -zusammensetzung. Das wäre für die Financial Times Deutschland ein echter Kulturschock gewesen. Nicht auszudenken und nicht auszuhalten. Und deswegen sah man diese Möglichkeit nicht, blieb im Boot und ging gemeinsam unter.

Das Beispiel zeigt eines überdeutlich: nicht der Strategiewechsel ist das eigentliche Problem, sondern die damit einhergehende Veränderung in den Gewohnheiten. Dass die „Matrosen“ Veränderungen so lange wie möglich hinausschieben, ist  menschlich und nachvollziehbar. Viel gravierender ist, dass die „Kapitäne“, selbst wenn sie die Notwendigkeit einer Veränderung sehen, nicht in der Lage sind, diese den „Matrosen“ zu verklickern, so dass sich etwas ändert.

Und so bekommt der Satz „wir sitzen alle im gleichen Boot“ eine ganz andere Bedeutung: Wir sollten dringend auf den „Kapitän“ schauen. Blickt er noch durch und traut er sich überhaupt, uns die Wahrheit zu sagen? Und wenn ja, sind wir bereit, sie zu akzeptieren, Entscheidungen zu treffen und uns anders zu verhalten? Oder wollen wir ihm beweisen, dass er irrt? Es sind diese Fragen, die unser aller Zukunft entscheiden.
ZUM KOLUMNIST
Über Christian Kalkbrenner
Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing und Personal startete Christian Kalkbrenner 1986 seine Karriere als Trainee bei einem mittelständischen Weltmarktführer der Automobilzuliefererindustrie. Dort wurde er zunächst ... mehr
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