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News, 20.03.2012
Talentmanagement-Studie
Mittelstand vernachlässigt gezielte Talentförderung
Viele Mittelständler leben ständig in der Sorge, dass ihre Top-Talente und künftigen Leistungsträger sie verlassen könnten, zeigt eine aktuelle Studie. Und vielfach scheint die Sorge auch berechtigt.
Laut Studie stufen über drei Viertel der befragten Mittelständler die emotionale Bindung ihrer Talente an das Unternehmen als gering ein.
Laut Studie stufen über drei Viertel der befragten Mittelständler die emotionale Bindung ihrer Talente an das Unternehmen als gering ein.
Die meisten mittelständischen Unternehmen betreiben keine vorausschauende Personalpolitik. Insbesondere beim Talentmanagement liegt bei vielen Mittelständlern einiges im Argen. Das belegt jetzt eine Studie der Personal- und Managementberatung Conciliat, an der sich 139 Führungskräfte aus 102 Betrieben mit 250 bis 1.000 Mitarbeitern beteiligt haben. Danach betreibt nur eine Minderheit der Mittelständler eine gezielte, systematische Talentförderung - mit dem Ergebnis, dass es um die Bindung junger Nachwuchskräfte in den meisten Unternehmen nicht zum Besten steht. An der schriftlichen Befragung nahmen 139 Führungskräfte der oberen Führungsebene aus 102 Betrieben mit 250 bis 1.000 Mitarbeitern teil.

Gut funktionieren in den meisten mittelständischen Betrieben der Arbeitseinsatz und die tägliche Zusammenarbeit. So stimmten beispielsweise 55 Prozent der Befragten der Aussage zu, ihre Mitarbeiter wüssten, was von ihnen bei der Arbeit erwartet werde. Auch meinten 85 Prozent der Führungskräfte, dass die eigenen Mitarbeiter in ihrer Arbeit genau das täten, was sie am besten könnten. Heterogener ist das Bild, wenn es um die Führungskultur und die Kompetenzentwicklung in den Unternehmen geht. So erklärten 57 Prozent der Führungskräfte, dass ihre Mitarbeiter im vergangenen Jahr zwar Neues gelernt und sich beruflich weiterentwickelt hätten. Allerdings gestand zugleich mehr als ein Drittel der Befragten ein, im zurückliegenden Halbjahr nicht mit den Mitarbeitern über ihre Entwicklung gesprochen zu haben.

„Das zeigt, dass in den meisten mittelständischen Betrieben die Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter weitgehend „on the job“ beim Erledigen der Alltagsaufgaben erfolgt“, so Alexander Walz, Geschäftsführer der Conciliat. „Eine zukunftsorientierte, systematische Personalentwicklung findet hingegen nur selten statt“, so Walz.

Gestützt wird dieser Befund durch die Tatsache, dass die meisten befragten Führungskräfte gestehen, eine systematische Talentförderung erfolge in ihrem Betrieb nicht. So existieren zum Beispiel in knapp 80 Prozent der befragten Unternehmen keine Förderkreise oder ähnliche institutionalisierte Fördereinrichtungen für die Nachwuchskräfte. Und in 66 Prozent der Unternehmen gibt es auch keine Person, die offiziell für das Aufspüren und Entwickeln der Talente verantwortlich ist. „Ob ein Hoffnungsträger identifiziert und gezielt gefördert wird, bleibt weitgehend der Initiative und dem Engagement der jeweiligen Vorgesetzten überlassen“, so die Personal- und Managementberatung.

Entsprechend unsicher sind viele Mittelständler bezüglich der emotionalen Bindung der Talente an ihr Unternehmen. So stimmten zum Beispiel nur 38 Prozent der befragten Führungskräfte der Aussage zu: „Unsere Mitarbeiter sehen ihre Zukunftsaussichten in unserer Firma sehr positiv.“ Und gar nur 18 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sich die eigenen Talente emotional an das Unternehmen gebunden fühlen. Laut Dr. Meera Gandbhir, Prokuristin bei Conciliat, heißt das konkret: „Viele Mittelständler leben permanent in der Angst, dass ihre künftigen Leistungsträger sie verlassen könnten – zum Beispiel weil ihnen ein anderes, meist größeres Unternehmen ein höheres Gehalt oder bessere Entwicklungsperspektiven bietet.“

Angesichts des Fach- und Führungskräftemangels sei dies Walz zufolge ein „dramatischer Befund - auch weil es Mittelständlern in der Regel schwerer als Konzernen fällt, qualifizierte Fach- und Führungskräfte, die das Unternehmen verlassen, adäquat zu ersetzen.“ Deshalb müssten sich gerade mittelständische Betriebe umso mehr bemühen, talentierte Nachwuchskräfte dauerhaft an sich zu binden – und zwar durch eine gezielte Förderung sowie eine Führungs- und Kommunikationskultur, die die Mitarbeiter auch emotional ans Unternehmen bindet.
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