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News, 06.04.2018
KfW-Innovationsreport
Innovationsdynamik im Mittelstand trotz leichtem Anziehen weiter schwach
Der deutsche Mittelstand zeigt sich bei Investitionen in Innovationen weiter zurückhaltend. Zwar hat die Innovatorenquote etwas zugenommen, der Anteil innovationsaktiver Mittelständler bleibt aber von seinem Höchststand weit entfernt.
Produktion der in Baden-Württemberg beheimateten Tesat-Spacecom, mittelständischer Hersteller von Systemen und Geräten für die Telekommunikation via Satellit.
Produktion der in Baden-Württemberg beheimateten Tesat-Spacecom, mittelständischer Hersteller von Systemen und Geräten für die Telekommunikation via Satellit.

In den Jahren 2014 bis 2016 haben rund eine Million der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) in Deutschland in Innovationsmaßnahmen investiert. Das waren rund 200.000 Unternehmen mehr als im Zeitraum 2013/2015 und entspricht einer Innovatorenquote von 27 Prozent. Damit hat sich der Anteil der KMU, die in die Entwicklung innovative Produkte und Prozesse investierten, nach gut zehn Jahren kontinuierlichen Rückgangs erstmals wieder um fünf Prozentpunkte erhöht (Innovatorenquote 2013-2015: 22 %). Das hat die KfW in ihrem aktuellen Innovationsreport auf Basis des KfW-Mittelstandspanels ermittelt. Das KfW-Mittelstandspanel stellt die einzige repräsentative Erhebung im deutschen Mittelstand (Unternehmen bis 500 Mio EUR Umsatz) und damit die wichtigste Datenquelle für mittelstandsrelevante Fragestellungen dar.

Aus dem Anstieg der Innovatorenquote eine Trendwende abzuleiten, wäre nach dem langjährigen Abwärtstrend der KfW zufolge allerdings verfrüht. So liegt der Anteil der innovationsaktiven KMU von seinem Höchststand im Zeitraum 2004 bis 2006 noch immer weit entfernt. Auch das für Innovationen bereitgestellte Investitionsvolumen lässt eine nachhaltige Belebung der Innovationsdynamik eher fraglich erscheinen. Im Gegenteil: Nachdem das Volumen der innovationsgetriebenen Investitionen seit Mitte der 90er Jahr stagnierte, ist es zuletzt sogar gesunken. So gab der deutsche Mittelstand für Innovationen 2016 nur mehr 32,2 Milliarden Euro und damit 4,5 Milliarden Euro weniger aus als im Jahr 2015.

Vor allem Kleinunternehmen scheuen zunehmend Innnovationsaktivitäten

Auch wenn die Innovatorenquote zuletzt bei Unternehmen aller Größenklassen anspringt - im langfristigen Vergleich wird offensichtlich, dass vor allem die kleinen Betriebe mit weniger als fünf Beschäftigten sich mehr und mehr aus der Innovationstätigkeit verabschieden. Rund 80  Prozent aller mittelständischen Firmen fallen in diese Größenklasse, binnen 10 Jahren sank der Anteil von Innovatoren hier um gut zwei Fünftel. Bei den großen Mittelständlern mit mehr als 50 Beschäftigten ging der Anteil innovativer Firmen im gleichen Zeitraum zwar ebenfalls deutlich zurück, allerdings nur um knapp ein Fünftel. Ein Blick in die Branchen zeigt, dass im Zehn-Jahres-Vergleich vor allem der Dienstleistungssektor (- 17 Prozentunkte auf 27 %) und das Baugewerbe (-14 Prozentpunkte auf 15 %) erheblich Innovatoren verloren haben.

Die kontinuierlich abnehmende Bedeutung von Innovationen im Mittelstand spiegelt sich auch in sinkenden durch Innovationen erwirtschafteten Umsätzen wieder. 2004/2006 erzielten 43 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen über die Hälfte ihres Umsatzes mit ihren Innovationen, aktuell tun das nur noch 25 Prozent. Im Gegenzug ist der Anteil der Mittelständler, der lediglich maximal ein Zehntel des Umsatzes mit Innovationen erzielt, im zurückliegenden Jahrzehnt erheblich von 30 Prozent auf 59 Prozent gestiegen.

Insgesamt geht der Rückgang der Innovatoren im Mittelstand weniger von hochinnovativen Vorreiter-Unternehmen aus, sondern von der Masse der Firmen, die Produkt- oder Prozessneuerungen nachahmen und somit in der Wirtschaft verbreiten (- 16 Prozentpunkte auf 15 % binnen 10 Jahren). Der Anteil der Unternehmen hingegen, die eigene Forschung und Entwicklung (FuE) betreiben, liegt zwar ebenfalls unter seinem Höchststand von 16 Prozent in den Jahren 2004/2006, verharrt aber nun schon seit 2010 bei Werten um 10 Prozent.

Mehrheit der KMU sieht Innovationen aktuell als nicht erfolgsentscheidend an

Für den neuen Innovationsbericht hat KfW Research erstmalig die nicht-innovativen Mittelständler dazu befragt, warum sie auf innovative Produkte oder Prozesse verzichten: Mit 54 Prozent gab die Masse von ihnen an, dass aus ihrer Sicht ein Hervorbringen von Innovationen im Moment nicht notwendig ist und ihrem Unternehmen keinen Nutzen bringt. In der Tat zeigen Analysen, dass die Innovationsrenditen seit der Jahrtausendwende zurückgehen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Der intensivere Wettbewerb sorgt für steigenden Druck auf Preise und Kosten, die steigende technologische Komplexität macht Nachahmungen schwieriger und nicht zuletzt bevorteilen Netzwerkeffekte die Vorreiterunternehmen bei digitalen Technologien.

Jedes fünfte Unternehmen (20 %) begründet das Unterlassen von Innovationstätigkeit zudem mit fehlenden Ideen. Warum diese Ideen fehlen, ist offen. Ein Grund könnte in mangelndem Fachwissen und fehlenden Kompetenzen der Belegschaft liegen, vorhandene Innovationschancen wahrzunehmen und Innovationsideen zu entwickeln. Auch die derzeit gute geschäftliche Lage der Wirtschaft mit hohen Renditen und Produktionsauslastungen dürfte dazu beitragen, dass sich die Frage nach Innovationen gar nicht so deutlich stellt. Letztlich haben sich neue Innovationsmöglichkeiten für die Breite des Mittelstands in den zurückliegenden Jahren auch nicht aufgedrängt: Seit dem Internet-Boom blieb ein neuer Technologieschub bislang aus.

„Trotz der zuletzt erfreulichen Erholung der Innovatorenquote bleibt festzustellen: Eigene Innovationsanstrengung im Mittelstand nehmen im Trend weiterhin ab. Für die deutsche Wirtschaft und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit sind dies keine guten Nachrichten – schließlich spielen Innovationen eine große Rolle für Beschäftigung, Rendite, Umsatz und Produktivität“, so Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Die Wirtschaftspolitik müsse daher dringend die Entwicklung neuer Technologien und deren Verbreitung in der Wirtschaft stärken. „Es gilt einerseits den bisherigen technologischen Vorsprung Deutschlands zu sichern und neue Technologiefelder zu besetzen. Andererseits müssen auch die Innovationsaktivitäten in der Breite des Mittelstands gestärkt werden.“

Wichtig sei laut Zeuner zudem, gerade in Unternehmen ohne eigene FuE, die Lern- und Innovationsprozesse zu verbessern. „Aus- und Weiterbildung, der Aufbau eines adäquaten Innovationsmanagements, Teamarbeit und die Verbesserung des Zugangs zu neuem Wissen sind hier hilfreiche Maßnahmen. Dies umzusetzen ist auch eine Frage der finanziellen und personellen Möglichkeiten der Unternehmen.“

cs/KfW; Bild: Arbeitgeberverband Gesamtmetall / flickr; Lizenz: CC BY 2.0

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