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News, 26.03.2008
Familienunternehmen
Familienfremdes Management oft nicht erwünscht
Vielen Familienunternehmen fehlt im Management der Nachwuchs aus der eigenen Familie. Am Ende bleibt oft nur, vakante Führungspositionen mit externen Führungskräften zu besetzen. Ein Schritt, der vielen Familienunternehmen äußerst schwer fällt, wie eine aktuelle Studie belegt.
Viele Familienunternehmen in Deutschland stehen vor einem Dilemma: Trotz Vorbehalte gegen familienfremde Führungskräfte an der Führungsspitze, bleibt ihnen häufig kein anderer Ausweg, als Spitzenpositionen im Familienunternehmen mit externen Kräften zu besetzen. So räumen 50 Prozent der Familienmitglieder befragter Familienunternehmen ein, ohne externer Manager in solchen Positionen nicht mehr auszukommen. Entsprechend rechnet jedes vierte inhabergeführte Unternehmen hierzulande damit, dass die Zahl externe Führungskräfte in der Führungsspitze von Familienunternehmen weiter ansteigt. Mehr Familienmitglieder in solchen Positionen erwartet hingegen nur knapp jedes Zehnte. Dies zeigen die Ergebnisse der Studie "Fremdmanager in Familienunternehmen - Gratwanderung zwischen Professionalisierung und Identitätswahrung" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

"Familienunternehmer haben ein ambivalentes Verhältnis zu familienfremden Managern“, beschreibt Prof. Norbert Winkeljohann, Mitglied des PwC-Vorstands und Leiter des Bereichs Mittelstand, die Problematik. So sei den meisten zwar einerseits bewusst, dass sie auf die Professionalität und das Know-how externer Führungskräfte auf Dauer nicht verzichten können. Andererseits fürchteten sie aber den Verlust der Familienidentität in einem von Familienfremden geführten Unternehmen. Die Folge: Externe Führungskräfte sind in Familienunternehmen meist nur „zweite Wahl“: So würden eigenen Angaben zufolge vier Fünftel der befragten Familienmitglieder bei der Besetzung von Führungspositionen einen Bewerber aus dem Familienkreis bevorzugen.

Familienfremde Führungskräfte gilt als Notlösung

Wenngleich sich eine knappe Mehrheit der befragten Unternehmen mit der Arbeit externer Führungskräfte zufrieden zeigt und nur jeder Dritte diese „eher negativ“ beurteilt, ist die allgemeine Grundhaltung der Familienmitglieder solchen gegenüber PwC zufolge dennoch kritisch. Demnach vertreten sechs von zehn Befragten (60%) die Überzeugung, dass man „"eigentlich nur Familienmitgliedern richtig vertrauen kann". Fast 80 Prozent sehen die Berufung familienfremder Führungskräfte im Grunde nur als eine Notlösung. Besonders schwer wiegt dabei insbesondere die Sorge vor einem langfristigen Identitätsverlust, die fast drei Viertel (72%) der Befragten umtreibt – ein Risiko, das auch die absolute Mehrheit (82%) der familienfremden Führungskräfte als gegeben ansieht.

"In diesen Aussagen offenbart sich ein grundlegender Kulturkonflikt zwischen familienfremden Managern, die häufig Erfahrungen in börsennotierten Gesellschaften gesammelt haben, und Familienmitgliedern, die im Zweifel mehr Wert auf Traditionen als auf den Shareholder-Value legen", erläutert Winkeljohann. Der Einfluss familienfremder Spitzenkräfte wird wie die Studie aufzeigt dabei umso stärker, je größer und international bedeutender ein Familienunternehmen: Während bei fast der Hälfte der international agierenden Familienunternehmen externe Führungskräfte mehrheitlich die Spitzenpositionen besetzen, ist dies bei ausschließlich in Deutschland tätigen Betrieben nur bei jedem vierten. Gleichzeitig dominierten PwC zufolge familienfremde Manager in über 60 Prozent der Familienunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, aber nur in knapp 30 Prozent der Unternehmen mit weniger Beschäftigten.

Familienunternehmen schrecken externe Führungskräfte ab

Während der Bedarf an familienfremdem Führungspersonal in Familienunternehmen sukzessive wächst und insbesondere kleinere Unternehmen der Studie zufolge verstärkt gezwungen sind, externe Führungskräfte zu rekrutieren, haben Familienunternehmen als Arbeitgeber speziell bei Führungskräften derzeit nicht die besten Karten. Der Grund: Ihre latent ablehnende Haltung gegenüber familienfremden Managern macht diese als Arbeitgeber für Externe weniger attraktiv. Demnach glauben 40 Prozent der familienfremden Manager, dass junge Führungskräfte in börsennotierten Unternehmen bessere Karrierechancen haben als in Familienunternehmen – ein Einschätzung, die immerhin rund jedes fünfte Familienmitglied teilt. Auch sind fast alle befragten externen Manager der Überzeugung, dass für den Erfolg in einem Familienunternehmen die Familienzugehörigkeit der Führungskraft schwerer wiegt als deren Kompetenz. Selbst von den Familienmitgliedern hält nur gut jeder zehnte Befragte die Kompetenz für wichtiger. Zudem genießen Führungskräfte aus der eigenen Familie in Familienunternehmen, wenn man die Beschäftigungsdauer betrachtet, augenscheinlich einen stärkeren Rückhalt als familienfremdes Führungspersonal: Während PwC zufolge 70 Prozent der Führungskräfte aus dem Familienkreis seit mindestens 11 Jahren für das familieneigene Unternehmen arbeiten, ist dies bei 45 Prozent der externen Manager seit höchsten fünf Jahren der Fall.

PwC-Vorstand Winkeljohann bewertet die Studienergebnisse denn auch angesichts der wachsenden Konkurrenz um Führungskräfte als bedenklich. „Familienunternehmen müssen für externe Manager attraktiv bleiben, um sich fehlendes Know-how auf dem Arbeitsmarkt einkaufen zu können“, mahnt der Professor. So wahre die Beschränkung auf Familienmitglieder Winkeljohann zufolge zwar die Identität des Familienunternehmens, im Zweifelsfall jedoch zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit.

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Die Studie "Fremdmanager in Familienunternehmen - Gratwanderung zwischen Professionalisierung und Identitätswahrung" von PricewaterhouseCoopers finden Interessenten hier zum kostenfreien Download.

Quelle: PricewaterhouseCoopers

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