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Interview, 29.01.2013
Erfolgsfaktor Datensicherheit
Datenverlust - ein unterschätztes Unternehmensrisiko
Ein Interview mit Michael Sprengel
Das Risiko von Datenverlusten und sonstigen Datenschutzpannen wird im Mittelstand noch immer unterschätzt, so die Erfahrung von Michael Sprengel, Versicherungsexperte für Datenrisiken bei der GGW Gruppe. Im Interview erläutert der Experte die heutigen Anforderungen an Unternehmen im Kontext Datensicherheit und Datenschutz sowie die weitreichenden Folgen, die beim Verlust personenbezogener Daten drohen.

Herr Sprengel, nach einer Erhebung des Hightech-Verbandes BITKOM sind bereits rund 40 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern schon einmal Opfer von eines Hackerangriffes geworden. Sind sich die Unternehmen der Relevanz des Themas Datensicherheit aus Ihrer Sicht in ausreichendem Maße bewusst?

Michael Sprengel: Firewalls, Anti-Virenprogramme und Backups sind für Unternehmen heute selbstverständlich. Allerdings reicht dieser Schutz kaum noch aus, um die Unternehmens- und IT-Umgebung vor professionellen Angriffen von außen zu sichern. Hinzu kommt, dass es intern oft an Konsequenz bei der sicheren Verarbeitung von personenbezogenen Daten und der Nutzung von Passworten geht. Darüber hinaus liegen diese sensiblen Informationen ja auch nicht nur in digitaler Form vor. Im Ernstfall ist eine schnelle Organisation und Umsetzung der notwendigen Maßnahmen gefragt. Gerade im Mittelstand fehlt es hier aber noch an Know-How.

Was kann die Folge sein?

Sprengel: Der Verlustfall verschlingt nicht nur personelle Ressourcen, sondern zieht auch hohe Organisationskosten für das Unternehmen nach sich. Darüber hinaus können Schadenersatzforderungen von Dritten, etwa durch entstandene Vermögensschäden, in empfindlicher Höhe auf das Unternehmen zukommen.

Wo liegen im Umgang mit personenbezogenen Daten die größten Risiken für Unternehmen?

Sprengel: Unternehmen haften für die Sicherheit dieser Daten gegenüber Dritten. Das gilt von den Mitarbeiterdaten in der Personalabteilung, über die Mandantenakten einer Rechtsanwaltskanzlei bis hin zu den Kundendaten von Kreditkarten im Online- oder Einzelhandel. Der Schutzanspruch geht hier zum Teil weit über das IT-System hinaus. Der Verlust von Daten muss auch nicht immer durch Hacker-Angriffe von außen stattfinden – oft genügt eine kleine Nachlässigkeit, die aber weitreichende Folgen mit sich bringt. Da werden Unterlagen unbedacht im Papierkorb oder Müllkontainer entsorgt, eine Windböe fegt einige Blätter mit Kunden- oder Kontodaten durch das offene Fenster oder man hat seinen Laptop wirklich mal eine Sekunde lang nicht im Auge.

Was können Unternehmen tun, damit im Ernstfall die Konsequenzen von Datenverlust oder –diebstahl keine existenzbedrohenden Auswirkungen für sie darstellen?

Sprengel: Wichtig ist zunächst, dass sich Unternehmen über ihre ganz individuellen Risiken in diesem Bereich klar werden. Was passiert, wenn zum Beispiel ein Online-Händler seine Internetseite als Vertriebsplattform aufgrund eines Hackerangriffs nicht mehr benutzen kann? Eine herkömmliche Sach-/Betriebsunterbrechungsversicherung greift bei dieser Art von Ertragsausfall nicht, da diese lediglich im Anschluss an einen entstandenen Sachschaden einspringt. Die Versicherungswirtschaft hat daher auf die verschiedenen Gefahren in dem Bereich reagiert und in der letzten Zeit gezielte Versicherungslösungen entwickelt.

Welche Besonderheiten bieten diese Versicherungslösungen?

Sprengel: Sie decken die aus Verlust oder Diebstahl personenbezogener Daten entstehenden Kosten ab, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können. Das gilt für Schäden Dritter, insbesondere einen Vermögensschäden, aber auch bei Schäden, die dem Unternehmen selbst von außen zugefügt werden. Darüber hinaus unterstützen sie jeweils bei der Organisation und Umsetzung notwendiger Maßnahmen im Ernstfall: bei der Meldung bei den zuständigen Regulierungsbehörden oder der Payment Card Industry, bei forensischen Datenuntersuchungen sowie Kreditüberwachungsdienstleistungen, bei der Wiederherstellung von Daten oder gar beim eigenen professionellen Krisenmanagement gegen den drohenden Reputationsverlust durch den Vorfall.

Was raten Sie Unternehmen in Bezug auf ihre Datensicherheit?

Sprengel: Sich über den herkömmlichen IT-Schutz hinaus gut zu überlegen, welche ihrer Datenrisiken sie durch das unternehmenseigene Risikomanagement auffangen können, in welchen Bereichen sie nachbessern sollten und welche Risiken sie vielleicht besser mit einer Versicherung abdecken sollten. Eine genaue Analyse der Datenströme im Unternehmen kann darüber Aufschluss geben.

ZUM AUTOR
Über Michael Sprengel
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Michael Sprengel ist Prokurist und Key Account Manager bei der GGW Gruppe. Die Gossler, Gobert & Wolters Gruppe (GGW Gruppe) ist einer der großen unabhängigen und inhabergeführten Industrieversicherungsmakler in Deutschland. Als ...
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