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Fachartikel, 11.11.2011
Begeisternd präsentieren
Über das Geheimnis von Wirkungsexplosionen
Gleich ob Entscheider, Fachkraft, Berater oder Trainer - wer überzeugen und begeistern möchte, muss sich und seine Botschaft so präsentieren können, dass ihm die Zuhörer an den Lippen kleben. Wie sich die Wirkungsschraube in Präsentationen und Vorträgen einfach und praktisch anziehen lässt...
Am 28. Juli 1963 erklomm ein Mann die Rednertribne vor dem Washingtoner Lincoln Memorial. Es war Martin Luther King, der charismatische „Schwarzenfhrer“. Vor ber 250'000 versammelten Menschen hielt er eine der emotionalsten Reden, die je gehalten wurden. Mit flammender Stimme beschrieb Martin Luther King, eingeleitet durch den immer selben Satzanfang "I have a dream", sein Amerika der Zukunft. Wer diese Rede bereits gehrt hat, kann die Ehrfurcht gebietende Wirkung von Kings Worten nachempfinden.

Doch stellen Sie sich vor, schon damals htte es PowerPoint gegeben, und Martin Luther King htte seiner Botschaft auf einem riesigen Bildschirm seine Kernaussagen mit PowerPoint untersttzt. Das htte dann in etwa so aussehen knnen: Die Texte unter Ausnutzung aller spielerischen Mglichkeiten dieses Prsentationsprogramms wren in Farbe von links nach rechts wie von Geisterhand auf dem Bildschirm eingeschwebt. 250'000 Menschen htten vorab gelesen, was King noch einmal fast wrtlich wiederholt htte. Seine sonst bildhafte Sprache htte sich notgedrungen an den Akademikertext der Folien angepasst. Fest steht: Die Wirkung einer der grten Reden der Menschheit htte sich um den Faktor zehn verschlechtert! Wre Kings Rede mit PowerPoint untersttzt worden, gbe es wahrscheinlich noch heute die Rassentrennung in den USA.

Anhand dieser Jahrhundertrede wird ein Wirksamkeitsprinzip von Reden deutlich: Entscheidend ist das Gefhl, das der Inhalt einer Rede bei den Menschen auslst. Dennoch vertrauen die meisten Redner vor allem auf den Inhalt. Dabei belegen Studien, dass lediglich mickrige sieben Prozent des Vorgetragen tatschlich erinnert werden kann. Bei Kings Rede htten demnach gerade ein Prozent der 250'000 versammelten Menschen seine insgesamt sieben Traumvisionen zusammenfassen knnen! Bei jeder Prsentation geht es jedoch vor allem um die Wirkung, nicht um den Inhalt eines Vortrags. Martin Luther King hat es geschafft und bei seinen Zuhrern Gefhle ausgelst. Vllig unwichtig ist, wie viele Details der Rede die Zuschauer behalten haben.

Heute wird praktisch berall und jedes Thema mit Microsofts PowerPoint-Programm prsentiert. Per Beamer erscheinen die Grafiken der letzten Umsatzzahlen, die neue Strategie der Marketingabteilung, die Umsetzung der neuesten Restrukturierungsmanahme oder die schematische Darstellung eines technischen Vorgangs.... Doch PowerPoint erhht nicht die Behaltensquote, im Gegenteil, es bewirkt einen dramatischen Abfall der ausgelsten Gefhle bei den Zuhrern.

Tatsache ist: Als Referent entwerten Sie eine Aussage, wenn sie noch einmal als Text zu sehen ist. Text auf Folie verhindert Gefhle. Text auf Folie ttet Spannung, Text auf Folie verhindert Wirkung, das ist die Realitt, alles andere ist gut klingende Theorie. Und PowerPoint ist der dominierende Protagonist dieser Wirkungs-Verhinderung-Schlachten. Viele meinen mit Grafiken, schematischen Darstellungen und Bildern wre es aber etwas Anderes. Leider nein! Denn Text ttet Spannung, auch wenn er um die Beschriftung von Diagrammen oder Bildern geht.

Prsentationswirkung mindestens verfnffachen

Die glhendsten Verfechter von PowerPoint sind meistens nur die Referenten, nicht die Zuhrer. Wann immer mir einer meiner Teilnehmer von einem Redner erzhlt, der ihn begeistert habe, frage ich nach, ob er mit PowerPoint gearbeitet hat. Das Ergebnis: In 95 von hundert Fllen hatte dieser frei geredet – ohne PowerPoint. Menschen berzeugen, technische Hilfsmittel nicht!

Natrlich gibt es Ausnahmen. Redner, die trotz PowerPoint eine gute Rede halten. Aber wenn man in der Gegenberstellung denselben Redner noch einmal ohne PowerPoint, beispielsweise mit Flipchart, prsentieren lsst, findet man erstaunt heraus, dass er sich in der Mehrzahl der Flle in seiner Wirkung verbessert. Bei PowerPoint-Prsentationen sind die Augen des Publikums starr auf die Leinwand gerichtet, denn der Mensch unterliegt einem Lesezwang. Der Redner wird dadurch im Grunde berflssig. Das ist betreutes Lesen!

Wer genau beobachtet, erkennt, dass die Energie der anwesenden Menschen in einem Raum sofort sinkt, sobald ein Beamer etwas an die Wand wirft. Das ist tatschlich zu spren. Noch viel dramatischer ist die Tatsache, dass der Energiefluss von Redner zu Publikum durch PowerPoint unterbrochen wird. Aufmerksamkeit wird dividiert, statt fokussiert. berzeugung wird vermindert!

Flipchart statt PowerPoint

Doch wie lassen sich nun aus Anwesenden Zuhrer machen? Nutzen Sie eine „Wirksprache“, die Sie gezielt als Spannungselement einsetzen. Statt „Weg-von-Wrtern“ bedarf es „Hin-zu-Wrtern“ – zum Beispiel Verben wie „danken“, „vertrauen“, „verzeihen“, da diese mit Emotionen verbunden sind. Auch wenn Sie etwa ber Lebensweisheiten berichten, die nicht von Goethe oder Laotse stammen, sondern von Ihnen selbst, wenn Sie Unerwartetes prsentieren, knnen Sie 200 Prozent Aufmerksamkeit bekommen.

Es gibt eine Flle lern erlernbarer Tipps und Techniken, die jeder Trainer nutzen kann, um die Spannung seines Vortrags durchgehend aufrecht zu halten. Dazu gehren zum Beispiel Stilmittel der Highlight-Rhetorik. Hier ist etwa das „anonyme Reden“ zu nennen, bei dem ber etwas geredet wird, was das Publikum noch nicht kennt, am besten, indem eine Geschichte um die Kernaussage gebastelt wird. Bildhaft vorgetragene Argumente sorgen ebenfalls fr mehr Aufmerksamkeit als Sachargumente. Auch Aussagen, die direkt ans Unterbewusstsein der Zuhrer gerichtet sind, erzeugen eine signifikant hhere Wirkung.

Selbst unerfahrenen Rednern gelingt es auf diese Weise, aus krperlich Anwesenden faszinierte Zuhrer zu machen. brigens, meine Kernthese, dass PowerPoint-Vortrge geringere Lernerfolge zeitigen als etwa Vortrge mit Flipchart, besttigen aktuelle Studien der Universitt Rostock.
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ZUM AUTOR
ber Matthias Pöhm
Pöhm Seminarfactory
Matthias Pöhm gehört zu den erfolgreichsten Trainern für Schlagfertigkeit und Rhetorik, in Europa. Er ist zudem der Veranstalter des teuersten Rhetorik-Seminars, bei dem die Teilnehmer vor über 100 Zuschauern reden. Sein ...
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