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News, 12.07.2013
Arbeitszufriedenheit
Ein guter Chef wirkt Wunder
Ein dickes Gehalt allein macht aus einer Arbeitsstelle noch längst keinen Traumjob. Entscheidend für die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten sind vielmehr die sogenannten weichen Faktoren: Das Verhalten der Führungskraft zum Beispiel beeinflusst das Wohlbefinden der Mitarbeiter sehr stark, wie zwei neue IW-Studien zeigen.*)
Mitarbeiter, die selbst nur gelegentlich von ihrem Vorgesetzten unterstützt werden, sind weitaus häufiger in ihrem Job zufrieden als der Durchschnitt.
Mitarbeiter, die selbst nur gelegentlich von ihrem Vorgesetzten unterstützt werden, sind weitaus häufiger in ihrem Job zufrieden als der Durchschnitt.

Steile Karriere, eigene Sekretrin und ein Spitzengehalt? Oder lieber flexible Arbeitszeiten, mglichst wenig Stress und nette Kollegen? Was den eigenen Arbeitsplatz angeht, ist fr  jeden  etwas  anderes  wichtig. Denn „gute Arbeit“ ist letztlich genauso individuell wie der jeweilige Stelleninhaber.

Weil die Ansprche und Erwartungen an den Arbeitsplatz hchst unterschiedlich sind, ist die Arbeitszufriedenheit wohl das beste Ma dafr, ob ein Arbeitsplatz gut oder schlecht ist. Die Freude am Job ist in Deutschland relativ hoch, wie eine Befragung von insgesamt 44.000 Erwerbsttigen in 34 europischen Lndern im Jahr 2010 ergab:

In der Bundesrepublik sind mehr als 88 Prozent der Erwerbsttigen mit ihrem derzeitigen  Job „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Nur 2 Prozent der Beschftigten geben an, „sehr unzufrieden“ zu sein.

Im europischen Vergleich belegt Deutschland damit Platz 9, die Abstnde zur Spitze sind jedoch gering. Mehr Spa und Erfllung bei der Arbeit haben lediglich die Dnen, die Briten, die Norweger sowie die sterreicher. Die Iren, die Niederlnder, die Belgier sowie die Finnen kommen auf hnliche Zufriedenheitswerte wie die Beschftigten in Deutschland.

In 21 Lndern ist die Arbeitszufriedenheit dagegen signifikant geringer als hierzulande. Vor allem in Albanien, der Trkei, in Mazedonien und in Griechenland gehen viele Menschen mit einer gehrigen Portion Frust arbeiten: Im Schnitt sind hier vier von zehn Beschftigten unzufrieden mit der Art und Weise, wie sie ihre Brtchen verdienen.

Fr deutsche Arbeitnehmer sind allerdings oftmals ganz andere Kriterien ausschlaggebend als fr die Kollegen im europischen Ausland. Zeitdruck und Stress beispielsweise wirken sich hierzulande relativ wenig auf die Arbeitszufriedenheit aus. Auch die Sinnhaftigkeit der Ttigkeit spielt in der Regel nur eine untergeordnete Rolle. Gleiches gilt fr den Lohn, dem in Sdeuropa eine deutlich grere Bedeutung zukommt als in Nordeuropa.

Die Merkmale fr die Arbeitszufriedenheit im Detail

Die Hhe des Lohns ist fr Beschftigte in Deutschland nicht das Ma aller Dinge. Selbst 82 Prozent jener  Arbeitnehmer, die mit ihrer Vergtung unzufrieden sind, geben an, unterm Strich mit ihrer Arbeit dennoch zufrieden zu sein. Im europischen Durchschnitt teilen knapp 77 Prozent diese Einstellung.

Einflussmglichkeiten am Arbeitsplatz sind den meisten Beschftigten ein Grundbedrfnis: Sie mchten eigene Ideen verwirklichen, Entscheidungen beeinflussen, die Zielvereinbarungen oder die Arbeitsorganisation mitgestalten.  Zu  diesem Schluss kommt auch die aktuelle Befragung „Arbeit: sicher und fair!“ der IG Metall.

Das Institut der deutschen Wirtschaft  Kln (IW) hat festgestellt, dass es den meisten Arbeitnehmern dabei  schon  reicht, wenn sie gelegentlich ein Wrtchen mitreden knnen: Mehr als 90 Prozent derjenigen, die ab und an Einfluss ausben drfen, sind mit ihrer Arbeit zufrieden.

Stress und Zeitdruck sind zwei Phnomene, die zwar oft die Debatten ber die moderne  Arbeitswelt dominieren, in Wirklichkeit aber ist ihr  Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit gar nicht so gro: Selbst von denen, die oft Stress haben und hufig in hohem Tempo arbeiten mssen, sind 85 Prozent mit ihrem Job zufrieden. Die Arbeitnehmer im benachbarten Ausland sind zum Teil wesentlich stressanflliger: Bei hufiger Hektik und groer Arbeitsbelastung sind beispielsweise in Frankreich nur noch 68 Prozent der Beschftigten mit ihrem Job vershnt, in Griechenland sogar nur 57 Prozent der Arbeitnehmer.

Das Verhalten der Fhrungskraft ist fr die meisten Beschftigten von groer Bedeutung. Chefs, die einen respektvollen Umgang pflegen, gute organisatorische Fhigkeiten besitzen und ihre Mitarbeiter einbinden, erhhen europaweit die Arbeitszufriedenheit ihrer Mitarbeiter.  In Deutschland werden zudem Vorgesetzte geschtzt, die ber gute Konfliktlsefhigkeiten verfgen.

Wichtig ist den Arbeitnehmern in Europa insbesondere die Untersttzung durch ihre Fhrungskraft. Im EU-Durchschnitt geht dieser Wunsch fr 81 Prozent der Beschftigten in Erfllung, in Deutschland sagen nur 69 Prozent, dass ihr Vorgesetzter ihnen zumindest manchmal unter die Arme greift oder ihnen Rckendeckung gibt.

Den  Unternehmen ist durchaus bewusst, dass ihre Fhrungskrfte die Schlsselrolle fr die Arbeitszufriedenheit der Belegschaft spielen. Wie das IW-Zukunftspanel zeigt, organisiert deshalb knapp die Hlfte der heimischen Unternehmen spezielle Trainings fr Vorgesetzte.

*) Studienverweise

- IW-Positionen Nr. 61: Holger Schfer, Jrg Schmidt, Oliver Stettes: Qualitt der Arbeit, Kln 2013, 60 Seiten, 11,80 Euro (Versandkostenfreie Bestellung unter: www.iwmedien.de/bookshop)

- aus IW-Trends 2/2013 - Andrea Hammermann, Oliver Stettes: Qualitt der Arbeit –zum Einfluss der Arbeitsplatzmerkmale auf die Arbeitszufriedenheit im europischen Vergleich

ZUM AUTOR
ber Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln e.V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln e.V.
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50459 Köln

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