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Pressemitteilung

Wirtschaftslage Handwerk, Frühjahr 2009

(PM) , 12.03.2009 - Aktuelle Wirtschaftslage gedämpft – Pessimismus überwiegt bei den Erwartungen

Das deutsche Handwerk befindet sich zwar im Sog des konjunkturellen Abwärtstrends, jedoch stellt sich die wirtschaftliche Lage im langjährigen Vergleich noch robust dar. Die Einschätzung zur Geschäftslage hat sich im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt. Auch die harten Indikatoren wie Umsatz- und Personalentwicklung haben sich verschlechtert, erreichen aber nicht die Tiefstwerte aus dem Rezessionsjahr 2003. Dafür haben sich die Erwartungen massiv verschlechtert. Die Prognosen für Ertrags- und Umsatzentwicklung reichen im mehrjährigen Vergleich an Tiefstwerte heran. Das ist das Fazit der von Creditreform im Februar 2009 durchgeführten Umfrage unter 3.000 Handwerksbetrieben.

Die Einschätzung der Geschäftslage mit sehr gut und gut ist im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte gesunken. Nur noch jeder dritte (31,6 Prozent) befragte Handwerker bewertet seine Geschäftslage positiv. Im Jahr 2008 waren es noch 40,8 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe, die von einer mangelhaften bis ungenügenden Geschäftslage sprechen, von 8,8 auf aktuell 14,1 Prozent gestiegen – ein Zuwachs von 5,3 Prozentpunkten. Stabil geblieben ist die Einschätzung einer befriedigenden oder ausreichenden Geschäftslage: Davon spricht immer noch jeder Zweite (53,6 Prozent, Vorjahr: 49,8 Prozent). Der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen der Geschäftssituation fällt von 32 Prozentpunkte im Vorjahr auf 17,5 Prozentpunkte und befindet sich damit im mehrjährigen Vergleich im stabilen Mittelfeld. Am schlechtesten fällt der Geschäftsklima-Saldo mit 2,9 Prozentpunkten im Bauhandwerk aus. Am besten ist die Stimmung bei den personenbezogenen Dienstleistungen mit einem Saldo von 30,8 Prozentpunkten.

Die konjunkturelle Schubkraft im Handwerk hat nachgelassen, das zeigt sich auch an den harten Indikatoren wie Umsatz- oder Personalentwicklung. Innerhalb des vergangenen Jahres ist lediglich bei jedem fünften Unternehmen der Umsatz gestiegen (20,6 Prozent). Im Vorjahr war dies noch bei jedem dritten Betrieb (30 Prozent) der Fall – ein Verlust von fast zehn Prozentpunkten. Umgekehrt hat sich die Zahl der Betriebe mit Umsatzeinbußen um elf Prozentpunkte erhöht (2009: 33,5 Prozent; 2008: 22,5 Prozent). Erstmals seit drei Jahren erreicht der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen mit minus 12,9 Prozentpunkten wieder einen negativen Wert. Zuletzt war dies im Jahr 2006 mit einem Saldo von minus 1,7 Prozentpunkten der Fall.

Krise erreicht Arbeitsmarkt

Per Saldo haben die Handwerksbetriebe ihre Beschäftigung leicht abgebaut, im Westen etwas stärker als im Osten Deutschlands. Kaum jeder fünfte Betrieb (18,3 Prozent) hat im vergangenen halben Jahr neue Arbeitskräfte eingestellt – im Jahr zuvor war es noch jeder vierte (25,6 Prozent). Von Entlassungen berichten 22,7 Prozent der Handwerksbetriebe (2008: 17,1 Prozent). Trotz des leichten Abbaus zeigt sich die Beschäftigungslage des Handwerks robust; immerhin hat sich die Zahl der Betriebe, die ihren Personalbestand unverändert ließen, von 56,7 auf 58,8 Prozent leicht erhöht.

Erwartungen brechen ein – jeder Fünfte plant
Entlassungen

Zeigen die Einschätzung zur Geschäftslage sowie die Umsatz- und Personalentwicklungen aktuell noch ein stabiles konjunkturelles Bild des deutschen Handwerks, deuten die eingebrochenen Erwartungen eine künftig schlechtere Entwicklung an. Nur noch 14,5 Prozent der befragten Handwerker rechnen in diesem Jahr mit steigenden Umsätzen. Im Vergleich zum Jahr 2008 entspricht das einer Verschlechterung um 11,2 Prozentpunkte. Von abnehmenden Umsätzen gehen hingegen 37,4 Prozent der befragten Handwerksbetriebe aus. Im Vorjahr betrug dieser Wert noch 16,5 Prozent. Der Saldo aus erwarteten gesunkenen und gestiegenen Umsätzen erreicht mit minus 22,9 Prozentpunkten immerhin den zweitschlechtesten Wert innerhalb der vergangenen zwölf Jahre.

Ähnlich düster wie die Umsatzerwartungen fallen die prognostizierten Erträge im Handwerk aus: Von zunehmenden Erträgen gehen 13,1 Prozent der Befragten aus (2008: 23,0 Prozent). Mit sinkenden Erträgen rechnen hingegen 43,2 Prozent – im Vorjahr waren es noch 22,6 Prozent. Im Westen fällt der Saldo aus erwarteten gestiegenen und gesunkenen Umsätzen mit minus 30,2 Prozentpunkten etwas schlechter aus als im Osten Deutschlands mit 29,8 Prozentpunkten.

Die wichtigste Nachricht im Bereich Personalplanung: Fast drei Viertel der befragten Handwerksbetriebe (69,1 Prozent) möchten ihren Personalbestand in diesem Jahr unverändert lassen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer nur leichten Verschlechterung um 4,3 Prozentpunkte. Aber lediglich 9,5 Prozent der Betriebe planen mehr Mitarbeiter einzustellen. Verglichen mit dem Vorjahr entspricht dies einer Verschlechterung um 5,6 Prozentpunkte. Jeder fünfte Handwerker (20,4 Prozent) plant, in diesem Jahr Entlassungen vorzunehmen. 2008 gab das nur jeder zehnte Befragte an (10,3 Prozent).

Investitionswille bleibt ungebrochen

Ein Blick auf die Investitionsbereitschaft im Handwerk zeigt: Immer noch jeder Zweite (48,2 Prozent) ist bereit, in diesem Jahr Investitionen durchzuführen. Das sind 5,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Bei einem Vergleich der verschiedenen Wirtschaftsbereiche im Handwerk geben sich die Betriebe aus dem Nahrungsmittel- und Metallhandwerk mit durchschnittlich 62,8 und 56,3 Prozent am investitionsfreudigsten. Zurückhaltender über zukünftig geplante Ausgaben agieren Bau- und Ausbauhandwerker mit durchschnittlich 44,1 Prozent bzw. 44,9 Prozent.

Das Zahlungsverhalten der Kunden im Handwerk hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert. 40,4 Prozent der Befragten bewerten das Zahlungsverhalten ihrer Kunden mit gut oder sehr gut. Im Vorjahr waren es 41,8 Prozent – 1,4 Prozentpunkte mehr. Über die Hälfte der Unternehmen (53,4 Prozent) beurteilen das Zahlungsverhalten der Auftraggeber mit befriedigend und ausreichend (2008: 52,5 Prozent). Über ein mangelhaftes Zahlungsverhalten klagen sechs Prozent.

Insolvenzen steigen

Analog zur Entwicklung der Beurteilung des Zahlungsverhaltens haben sich die durchschnittlichen Forderungsverluste im Handwerk erhöht. Der Anteil der Betriebe, die Forderungsverluste bis ein Prozent zum Umsatz verzeichnen, hat sich von 44,1 Prozent im Vorjahr auf derzeit 46 Prozent um knapp zwei Prozentpunkte leicht erhöht. Allerdings haben insgesamt nur noch 15,6 Prozent der Betriebe Forderungsverluste über ein Prozent im Verhältnis zum Umsatz. Im Vorjahr waren es noch 18 Prozent.

Die Zahl der Insolvenzen im deutschen Handwerk ist von 6.200 (2007) auf 6.350 (2008) leicht gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs um 2,4 Prozent. Mit ein Grund: Die Zahl der Bauunternehmen, die Insolvenz anmelden mussten, hat sich im vergangenen Jahr von 5.330 auf 5.440 erhöht. Und da ein Großteil der Handwerksunternehmen der Baubranche zuzurechnen ist, hat sich im Sog dieser Entwicklung auch die Zahl der Insolvenzen im Handwerk erhöht. Hinweis: Eine methodische Änderung in der Erfassungsweise der Insolvenzzahlen im Handwerk machte eine Anpassung der Datenbasis erforderlich.

Eigenkapitallage bleibt angespannt

Die unterdurchschnittliche Ausstattung mit Eigenkapital ist ein Hauptproblem der kleinen und mittleren Unternehmen. Über eine robuste Eigenkapitalquote von 30 Prozent und mehr (im Verhältnis zur Bilanzsumme) verfügt nur jeder fünfte (18,5 Prozent) Handwerksbetrieb. Im Jahr zuvor waren es 16,8 Prozent. Das entspricht zwar einer leichten Verbesserung, der Großteil der Betriebe (33,3 Prozent) bleibt jedoch mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent unterkapitalisiert.

Verschärfter Kreditzugang – Hoffen auf Konjunkturimpulse

Nach ihrer individuellen Finanzierungssituation gefragt, gab jeder dritte (36,0 Prozent) Handwerksbetrieb an, dass es schwieriger geworden sei, einen Kredit zu erhalten – 17,9 Prozent verneinten dies. Fast die Hälfte der befragten Betriebe (44,8 Prozent) konnte darüber kein Urteil abgeben, etwa weil sie derzeit keinen Kredit benötigen oder über genügend Eigenkapital verfügen. Auf die Nachfrage, wie die Verschärfungen bei der Kreditvergabe genau aussehen, sind es 38,7 Prozent der Betriebe, die von Schwierigkeiten berichten und, dass die Banken mehr Sicherheiten verlangen.

Da das zweite Konjunkturpaket zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht verabschiedet war, konnte es in der Befragung nur in Aussicht gestellt werden. Drei Viertel der Betriebe (76,1 Prozent) rechnen allerdings nicht damit, dass die Maßnahmen die Rezession verhindern könnten. Als besonders vorteilhafte Maßnahmen beurteilen 23,6 Prozent der Befragten die neuen Regeln zur degressiven Abschreibung und Sonderabschreibungen. Insbesondere die bessere Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen stoßen bei 21,8 Prozent der Betriebe auf offenes Gehör. Das CO2-Programm zur Gebäudesanierung – es soll von 1,4 auf 2,5 Milliarden Euro aufgestockt und die Zinsen verbilligt werden – beurteilen mit 20 Prozent insbesondere die Betriebe aus dem Ausbauhandwerk erwartungsgemäß positiv.

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Neuss, 12. März 2009
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