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Interview, 15.10.2010
Vergleichsanalysen
Benchmarking zahlt sich für Unternehmen aus
Interview mit Prof. Dr. Matthias Schmieder, Benchmarking Center Europe
Vergleichs- und Best-Practices-Analysen stehen in Chefetagen hoch im Kurs. Warum Benchmarking weltweit an Bedeutung gewinnt und wie Unternehmen profitieren, erklärt Professor Matthias Schmieder, Leiter des Benchmarking Center Europe.

Herr Prof. Dr. Schmieder, Systematisches Benchmarking gilt laut einer Studie des Beratungsunternehmens Bain & Company derzeit als das meistgenutzte Managementtool, wenn Unternehmen ihren Erfolg ausbauen und langfristig sichern wollen. Warum steigt die Nachfrage nach Benchmarking-Analysen gerade jetzt?

Prof. Dr. M. Schmieder: Die Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass die meisten Unternehmen Kosten senken wollen, um ihre angestrebten Renditen erwirtschaften zu können. Benchmarking, das als kontinuierlicher Prozess zu verstehen ist, deckt die Leistungslücken eines Unternehmens auf und schafft so die Voraussetzungen, um mithilfe systematischer Verbesserungen ein höheres Effektivitäts- und Effizienzlevel zu erreichen. Veränderungen sind nur durchsetzbar, wenn sie dringend sind: Benchmarking bringt diese Dringlichkeit.

Es gibt aber auch Studien, die belegen, dass die Ergebnisse von Benchmarking-Projekten oftmals hinter den Erwartungen zurückbleiben. Wie kommt das?

Schmieder: Ein zentraler Faktor für die Güte und damit die Aussagekraft von Vergleichsanalysen ist die Qualität der für die Vergleichsanalysen genutzte Benchmarking-Datenbank. Aus diesem Grunde kooperieren wir mit dem American Productivity and Quality Center, APQC, das über die weltweit größte Benchmarking- und Best-Practices-Datenbank verfügt und somit optimale Möglichkeiten bietet, auf Basis objektiver und fundierter Daten Optimierungspotenziale zu identifizieren.

Was kann mithilfe von Benchmarking untersucht werden?

Schmieder: Mit Hilfe von Benchmarks lassen sich nationale, europa- und weltweite kennzahlenbasierte Vergleichsanalysen in den Bereichen Produktion, Einkauf, Logistik, Supply Chain Planung, Produktentwicklung, Finanzen, Informationstechnologie, Personalmanagement, Innovation und Marketing durchführen. Zudem ist es möglich, spezielle Direktvergleiche mit Konkurrenzunternehmen des Auftraggebers zu analysieren, sofern der Wettbewerber dem Vergleich zustimmt. Darüber hinaus sind weitere an den besonderen Bedürfnissen des Auftraggebers angepasste Benchmarkings möglich.

Sind auch branchenübergreifende Benchmarks sinnvoll?

Schmieder: Durchaus, branchenunabhängige Analysen machen deutlich, welche Innovationschancen es gibt. Unternehmen, die diese Chancen nutzen, können sich erfolgreich von Wettbewerbern differenzieren. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, einzelne betriebliche Funktionen mit branchenfremden Spezialisten zu vergleichen, etwa die Logistik eines Massenfertigers mit einem Logistikunternehmen.

Wie läuft ein typischer Benchmarkingprozess ab?

Schmieder: Zunächst ist zu überlegen, ob das Unternehmen als Ganzes einer Vergleichsanalyse unterzogen werden soll oder lediglich Teilbereiche, etwa hinsichtlich Produktion, Logistik, Einkauf, Supply Chain Planung, IT, Vertrieb, Finanzen oder Human Resource Management. Dann wird das Ziel formuliert. Das Benchmarkingziel sollte zu den strategischen Zielen des Unternehmens passen. Auch die Teilziele sollten so konkret wie möglich formuliert werden, zum Beispiel: Wir wollen unsere Produktentwicklungsprozesse optimieren. Oder: Die Effektivität des Marketings soll erhöht werden. Nachdem die Zielsetzung definiert und die untersuchten Bereiche bestimmt wurden, werden die relevanten Kennzahlen beim Auftraggeber erfasst und einem sieben Stufen umfassenden Validierungsprozess unterzogen.

Warum ist dieser Validierungsprozess notwendig?

Schmieder: Dadurch soll eine höchst mögliche Genauigkeit der Daten erreicht werden. Die erhobenen Daten werden, anonymisiert, in die APQC-Datenbank eingegeben und können – je nach Aufgabenstellung und Ziel – mit Unternehmen aus 102 Ländern verglichen werden. Die Selektion der geeigneten Benchmarkingpartner spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Werte werden mit dem Durchschnitt der Branche und den Besten der Branche verglichen. Neben dem Branchenvergleich besteht die Möglichkeit, die Werte des Auftraggebers mit den Besten einer geographischen Region, einer bestimmten Unternehmensgröße, eines vorgegebenen Umsatzbereich, der Anzahl der Mitarbeiter und des Volumens der jeweiligen Transaktionen zu vergleichen. Der APQC Prozessklassifizierungsrahmen beinhaltet über 1.200 standardisierte Messgrößen und umfasst Mitarbeiter, Prozesse und Technologie.

Wie erfolgt der Ergebnisreport?

Schmieder: Der Ergebnisreport beinhaltet eine umfassende Stärken- und Schwächendarstellung sowie die Verbesserungspotenziale. Die Vergleiche mit dem Durchschnitt und den Besten der Branche zeigen dem Auftraggeber, welche Optimierungsschritte in Angriff genommen werden sollten, um das eigene Unternehmen noch erfolgreicher zu machen. Der „Quasi-Wettbewerb“ ist auch deswegen das wohl wirkungsvollste Management-Instrument, da immer wieder festgestellt wird, dass die Vergleichsanalysen auch die Leistungs- und die Veränderungsbereitschaft der Beschäftigten erhöhen.

Vergleichsanalysen sind trotzdem in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit. Wie erklären Sie sich das?

Schmieder: Die Vorteile des Benchmarking sind den Unternehmen durchaus bekannt. Aktiv werden insbesondere die Unternehmen, die global agieren und sich gegenüber scharfer Konkurrenz behaupten müssen. Regelmäßig durchgeführte Vergleichsanalysen verdeutlichen ihnen sehr schnell, welche Prozesse und Methoden verbessert werden müssen und wie sie Innovationspotenziale besser ausschöpfen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die Erfahrung zeigt, dass sich durch branchenexterne Vergleiche dramatische Verbesserungen bewirken lassen, da sie über die brancheninternen Paradigmen hinausgehen. Benchmarkings zahlen sich daher für den Auftraggeber immer in kürzester Zeit aus.

ZUM AUTOR
Über Prof. Dr. Matthias Schmieder
Benchmarking Center Europe c/o INeKO Institut an der Universität zu Köln
Prof. Dr. Schmieder ist Gründer und Leiter des Benchmarking Center Europe (BCE), das dem INeKO-Institut an der Universität zu Köln angegliedert ist. Der Kölner Wirtschaftswissenschaftler verfügt über langjährige ...
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