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Interview, 13.06.2012
Transformational Leadership
Gute Führungskräfte führen transformational
Ein Interview mit Professor Dr. Waldemar Pelz, Institut für Management-Innovation
In einer Studie hat die Technische Hochschule Mittelhessen ermittelt, was besonders erfolgreiche Führungskräfte von anderen unterscheidet. Das Ergebnis: Sie führen „transformational“. Im Interview erläutert Studienleiter Professor Dr. Waldemar Pelz die Merkmale und Vorteile eines auf den Prinzipien des „Transformational Leadership“ basierenden Führungsansatzes.

Prof. Dr. W. Pelz, Sie haben das Führungsverhalten von über 4.000 Führungskräften untersucht. Was unterscheidet die guten Führungskräfte von den schlechten?

Prof. Dr. W. Pelz: Die guten Führungskräfte beherrschen den Führungsstil des Transformational Leadership. Dadurch machen sie ihr Unternehmen erfolgreicher und steigen selbst deutlich schneller die Karriereleiter auf. Weniger erfolgreiche Führungskräfte hingegen verlassen sich auf theoretische Führungsmodelle, die ohne Bezug zum operativen Geschäft und ohne empirische Fundierung verwendet werden.

Was bedeutet „Transformationales Führen“?

Pelz: Das Modell des Transformationalen Führens ist eine Weiterentwicklung des Management by Objectives, des Führens mit Zielvereinbarungen. Grundgedanke ist, dass Mitarbeiter nur den Führungskräften folgen, denen sie vertrauen, die sie als vorbildhaft wahrnehmen, die sie zu Höchstleistungen inspirieren und befähigen. Bei diesen Chefs sind die Mitarbeiter überzeugt, es lohnt sich, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und anspruchsvolle Ziele anzustreben. Entsprechend engagiert setzt sich jeder zum Wohle der Beteiligten ein.

Welche Merkmale kennzeichnen die erfolgreichen Führungskräfte?

Pelz: Unsere Auswertungen belegen, dass diese Führungskräfte sehr erfahren, kaufmännisch ausgebildet und in größeren Unternehmen tätig sind. Frauen schnitten im Mittel etwas besser ab als die befragten männlichen Chefs.

Worauf führen Sie es zurück, dass Ingenieure und Techniker schlechtere Ergebnisse erzielten als Kaufleute?

Pelz: Ingenieuren und Naturwissenschaftlern allgemein fällt das Führen von Mitarbeitern schwerer, da ihr Berufseinstieg meist über eine Fachfunktion erfolgt. Hinzu kommt die verbreitete Praxis, Führungspositionen mit den besten Fachleuten zu besetzen, ohne vorher sorgfältig geprüft zu haben, ob sie als Voraussetzung die „richtigen“ Führungskompetenzen mitbringen. Auch denen, die die nötigen Führungsinstrumente kennen, mangelt es meistens an Erfahrung im praktischen Umgang mit diesen Instrumenten. Aber genau darauf kommt es an: Aus Erfahrung zu wissen, wie sich Mitarbeiter und Teams erfolgreich führen lassen. Übung, das belegt unsere Studie, macht auch beim Führen erst den Meister. Daher: Je früher ein Ingenieur Führungsverantwortung übernimmt, desto besser.

Frage:    Wie erklären Sie sich, dass Frauen die besseren Chefs sind?

Prof. Dr. W. Pelz:    Mal abgesehen davon, dass sich die Ergebnisse von Frauen und Männern nicht so sehr unterschieden, liegt es nahe, dass der transformationale Führungsstil den weiblichen Chefs in die Karten spielt. Frauen legen besonderen Wert darauf, als Vorbild wahrgenommen zu werden. Sie kümmern sich mehr um die individuellen Stärken und Schwächen ihrer Mitarbeiter, und sie haben ein besonderes Gespür für Fairness im Umgang miteinander. Damit sind sie besser in der Lage, bei Mitarbeitern Vertrauen, Loyalität und Inspiration aufzubauen.

Was können Unternehmen tun, um die Qualität der Führung zu verbessern?

Pelz: Führungsqualität lässt sich relativ einfach messen, zum Beispiel mithilfe eines 360-Grad-Feedbacks, das auch die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdbild einer Führungskraft aufdecken kann. Auf Basis dieser Ergebnisse sollten die benötigten Verhaltensweisen im Sinne des transformationalen Führungsstils trainiert werden, da dieser Führungsstil im Vergleich zu anderen Führungsmodellen den größten Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens hat. Selbst im Mannschaftssport funktioniert dieses Konzept übrigens.

Haben Sie ein Beispiel?

Pelz: Ja. Erst kürzlich attestierten die Zeitschriften Stern und Manager-Magazin dem Meister-Trainer von Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, dass er transformational führe. Klopp hat eine Vision, seine Spieler vertrauen ihm, und er fordert sie mit hohen Zielen heraus. Führungskräfte, die von Klopp lernen wollen, sollten wie dieser auf jeden Mitarbeiter/Spieler eingehen und alles auf ihnen rausholen. Davon profitieren alle, Unternehmen, Chef und Mitarbeiter! Führungskräfte müssen also nur die Erkenntnisse der Wissenschaft umsetzen.

Hinweis der Redaktion: Unter http://www.fuehrungskompetenzen.com  bietet sich Interessierten die Möglichkeit, ihre Führungskompetenzen in einem kostenfreien Online-Test zu überprüfen.

ZUM AUTOR
Über Prof. Dr. Waldemar Pelz
Institut für Management-Innovation
Prof. Dr. Waldemar Pelz ist Professor für Unternehmensführung und Betriebswirtschaftslehre an der FH Giessen. Der renommierte Führungskräfteentwickler leitet zudem das Institut für Management-Innovation in Bad Soden.
Institut für Management-Innovation
Im Hopfengarten 31
65812 Bad Soden am Taunus

+49-6196-23048
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