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News, 02.05.2008
Studie
Mitarbeiter-Leistungsvergleiche können Produktivität hemmen
Unternehmen, die Leistungsvergleiche zwischen Mitarbeitern anstellen und diese veröffentlichen dem Ziel, deren Leistungsbereitschaft und damit Produktivität zu steigern, laufen laut einer aktuellen Studie Gefahr, genau das Gegenteil zu erreichen.
Leistungsvergleiche zwischen Mitarbeitern, Abteilungen und Unternehmensbereichen in Form von beispielsweise Mitarbeiterrankings sind mittlerweile in der Wirtschaft an der Tagesordnung. Während Leistungsvergleiche jedoch als Controlling- und Steuerungsinstrument beispielsweise im Vertrieb, der Produktion oder auch der Personalentwicklung ebenso wie als Grundlage für variable und damit erfolgsabhängige Vergütungsmodelle als unverzichtbar einzustufen sind, scheinen sie als Instrument zur Steigerung der Mitarbeiterproduktivität nur bedingt geeignet. Zu diesem Schluss kommt eine eine vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht Studie, welche die Wirkung von Leistungsvergleichen auf das Arbeitsverhalten von Mitarbeitern untersucht hat.

Die Setzung effektiver Leistungsanreize ist ein wichtiger Bestandteil erfolgreichen Managements, ob nun mit Methoden wie Stück- und Akkordlöhnen oder in Form so genannter Leistungsturniere mit Mitarbeiter-Rankings. Das Prinzip dabei ist stets das Gleiche: Wer mehr leistet, verdient mehr. Der Grundgedanke bei Leistungsturnieren bzw. Mitarbeiter-Rankinigs, bei denen die Lohnhöhe davon abhängt, wie der Arbeitnehmer im Vergleich zu seinen Kollegen abschneidet, ist dabei, dass Mitarbeiter, die im „Turnier“ zurückliegen und um ihre Position wissen, sich in der Regel angespornt fühlen werden, eine „Schippe“ draufzulegen, um ihre Position im Ranking und somit auch ihr Einkommen zu verbessern. Ebenso plausibel wäre jedoch, wenn aussichtslos zurückliegende Mitarbeiter aus Frust im Wettstreit resignieren und infolge dessen ihren Arbeitseinsatz noch weiter reduzieren.

Um herauszufinden, wie sich ein höherer Informationsstand auf das Arbeitsverhalten von Beschäftigten auswirkt und welche der möglichen Wirkungsweisen in der Praxis überwiegt hat eine IZA-Forschergruppe Probanden in einzelne „Abteilungen“ aufgeteilt und diesen innerhalb einer vorgegebenen Zeit aufgegeben, möglichst viele Rechenaufgaben zu lösen. In der einen Testvariante hingegen erhielten die Studienteilnehmer einen Stücklohn für jede richtig gelöste Rechenaufgabe. In der anderen Versuchsreihe hingegen ging der „Gesamtgewinn“ an den produktiveren Mitarbeiter, während der Unterlegene leer ausging. Dabei wurden die Probanten während des Experiments laufend über ihren eigenen Punktstand informiert und erhielten gleichzeitig je nach Spielvariante zur Leistung des Kollegen entweder keinerlei Rückmeldung, einen Halbzeitstand oder fortlaufend Informationen.

Das Ergebnis der Untersuchung: Während der Informationsstand über die Produktivität des Kollegen entgegen der Theorie keinen Einfluss auf den durchschnittlichen Arbeitseinsatz der Probanden hatte, verzeichneten die Forscher dem IZA zufolge immer dann, wenn ein Zwischenstand durchgegeben oder der Punktestand des Kollegen laufend aktualisiert wurde, einen signifikanten Rückgang der Arbeitsqualität. So sei gerade bei leistungsschwächeren Mitarbeitern ein Anstieg der Fehlerhäufigkeit zu beobachten gewesen, den die Forscher auf Stress und Unsicherheit zurückführten. Wenngleich die Veröffentlichung des Leistungsvergleichs – zumindest in der Turniervariante – laut IZA den sportlichen Ehrgeiz anzuregen vermochte, reichten diese positiven Effekte gleichwohl nicht aus, das Minus an Arbeitsqualität zu kompensieren, womit durch die Bekanntmachung des Leistungsrankings die Gesamtproduktivität des Unternehmens demnach verringert werde. Als Fazit stellt die IZA fest: „Auch wenn sich die unter ‚Laborbedingungen’ erzielten Ergebnisse nicht unmittelbar in die betriebliche Praxis übertragen lassen, liefern sie doch klare Hinweise darauf, dass offene Leistungsvergleiche innerhalb von Unternehmen als Anreizstrategie nur bedingt geeignet sind.“

Die Komplettfassung der englischsprachigen IZA-Studie „Feedback and Incentives: Experimental Eveidence.“ steht kostenfrei zum Download zu verfügen.

Quelle: Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA)

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