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News, 17.10.2014
Studie zu Rentensystemen
Deutsches Altersvorsorge- und Rentensystem hinkt weltweit hinterher
Maschinenbau, Abfallwirtschaft, Gesundheitsversorgung – in vielen Bereichen ist Deutschland weltweit spitze. Nicht so beim Rentensystem: hier ist Deutschland international nur Mittelmaß. Hauptkritikpunkt in einer aktuellen Studie: mangelnde Nachhaltigkeit.
Trotz des drohenden massiven Anstiegs der Altersarmut in Deutschland, hat sich die Lage in Deutschland laut Studie gegenüber dem Vorjahr nicht verbessert.
Trotz des drohenden massiven Anstiegs der Altersarmut in Deutschland, hat sich die Lage in Deutschland laut Studie gegenüber dem Vorjahr nicht verbessert.
Das in Deutschland praktizierte System der Altersvorsorge, bestehend aus gesetzlichem Rentensystem, betrieblicher Altersvorsorge und privater Vorsorge, hat Reformbedarf: In einem Vergleich von weltweit 25 Altersversorgungssystemen liegt Deutschland aktuell nur auf Platz 11. Spitzenreiter und damit Vorbild, was das System der Altersvorsorge angeht, ist zum wiederholten Male Dänemark, vor Australien und den Niederlanden. Auf dem vierten Platz folgt Neueinsteiger Finnland, die Schweiz belegt Rang 5.  Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Mercer Global Pension Index 2014“, die das Beratungsunternehmens Mercer  zum sechsten Mal in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies durchgeführt hat. Am schlechtesten bei der Altersvorsorge aufgestellt im 25-Länder-Vergleich ist derzeit Indien, das nach Korea und dem davor platzierten Japan das Schlusslicht bildet. Gründe für das gute Abschneiden Dänemarks, das aktuell auf 82,4 von 100 möglichen Punkten kommt, sind vor allem die solide Finanzierung und die gute Versorgung auf Basis eines hohen Vermögens- und Beitragsniveaus, ergänzt durch ein gut reguliertes privates System der Altersvorsorge.

Reformbedarf in Deutschland


Zwar schneidet das gegenwärtige System der Altersvorsorge in Deutschland in allen drei bewerteten Teilbereichen (Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität) etwas besser als im Vorjahr ab, was sich entsprechend auch in einer etwas höheren Durchschnittspunktzahl niederschlägt (plus 3,7 auf 62,2). Allerdings ist die Verbesserung nicht objektiv verbesserten Bedingungen geschuldet, sondern lediglich die Folge einer neuen, gegenüber dem Vorjahr veränderten Bewertung von Einzelpunkten.“ So wurde beispielsweise dem Umstand Rechnung getragen, dass in der deutschen betrieblichen Altersversorgung auch ohne gesetzliche Verpflichtung überwiegend laufende Renten gezahlt werden“, so Mercer. Aufgrund der guten Platzierung des Neueinsteigers Finnland sei Deutschland dennoch um einen Platz im Ranking abgerutscht.

So macht die Studie denn auch deutlich, dass für das deutsche System, um den demografischen Herausforderungen gerecht zu werden und im weltweiten Vergleich bestehen zu können, weitere Reformen nötig sind. Laut Mercer diese auf die folgenden Ziele ausgerichtet sein:
  • Erhöhung des Renteneintrittsalters
  • Anhebung der Mindestrenten für Niedriglohn-Rentner
  • Weitere Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer
  • Verbesserung der Kommunikation an die Leistungsempfänger
  • Erhöhung der Teilnahmequoten in der betrieblichen Altersversorgung.
„Platz 11 von 25 ist sicherlich kein schlechtes Ergebnis für Deutschland. Der relativ hohe Punkteabstand zur Spitze, z. B. zu den skandinavischen Systemen, zeigt allerdings, dass es noch viel zu tun gibt“, so Achim Lüder, Geschäftsführer von Mercer Deutschland. „Vor allem die Nachhaltigkeit des deutschen Modells ist weit entfernt vom Bestwert und liegt auch deutlich unter dem Durchschnitt.“

Wie Lüder einräumt, sei in Deutschland aktuell zwar einiges in Bewegung, nicht alles davon gehe aber in die richtige Richtung. So würden beispielsweise einige Vorstöße aus Berlin sowie EU-Vorgaben mittel- und langfristig den Verwaltungsaufwand steigern und zu weiteren Kosten für die Arbeitgeber führen. „So werden Unternehmen dauerhaft davon abgeschreckt, ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung anzubieten. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen kommt aber noch hinzu, dass die zusätzliche Vorsorge überhaupt nicht als notwendig angesehen wird und die Arbeitnehmer sie nicht einfordern“, so der Mercer Deutschland-Chef. „Solange die Politik mit Neuerungen in der gesetzlichen Rente wie der „Rente mit 63“ falsche Signale setzt, wird sich daran auch nichts ändern“

„Momentan sehen wir einiges an Bewegung in Deutschland – nur geht diese nicht unbedingt immer in die richtige Richtung. Hierzulande werden im Bereich der so wichtigen betrieblichen Altersversorgung einige Vorstöße aus Berlin und Vorgaben aus Brüssel mittel- und langfristig zu höherem Verwaltungsaufwand und auch weiteren Kosten für die Arbeitgeber führen. So werden Unternehmen dauerhaft davon abgeschreckt, ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung anzubieten. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen kommt aber noch hinzu, dass die zusätzliche Vorsorge überhaupt nicht als notwendig angesehen wird und die Arbeitnehmer sie nicht einfordern. Solange die Politik mit Neuerungen in der gesetzlichen Rente wie der „Rente mit 63“ falsche Signale setzt, wird sich daran auch nichts ändern“, so Achim Lüder.

Weltweit ähnliche Herausforderungen


Wie aus der Studie hervorgeht, ist Deutschland allerdings bei weitem nicht das einzige Land, dass sich mit einer alternden Gesellschaft und den daraus entspringenden sozialen und ökonomischen Effekten konfrontiert sieht.  „Obwohl jedes Rentensystem aus der einzigartigen Geschichte seines Landes hervorgegangen ist, gibt es doch globale Herausforderungen, die sich heute und auch in Zukunft zeigen“, so Prof. Deborah Ralston, Executive Director des Australian Centre for Financial Studies.

Der Studie nach geht es in vielen Volkswirtschaften auf dem Weg zu einer nachhaltigen Altersvorsorge allerdings voran. So haben sich die durchschnittlichen Bewertungen im Index Ralston zufolge in den letzten Jahren stetig verbessert. Lag der Durchschnittswert im Jahr 2010 bei der damals noch auf 14 Länder beschränkten Untersuchung bei 61,7 Indexpunkten, ergibt sich bei den gleichen Ländern in diesem Jahr im Median ein Indikatorwert von 64,3 Punkten „Dies deutet darauf hin, dass die verschiedenen Rentenreformen weltweit einen positiven Effekt haben“, so Ralston.

„In vielen Ländern sehen wir eine Verschiebung der Verantwortung für die finanzielle Absicherung im Alter weg vom Staat und den Arbeitgebern und hin zum Bürger“, so Lüder. „Dieser Trend wird sich angesichts der steigenden Lebenserwartung noch verschärfen, während die staatlichen Ausgaben für die Rente pro Kopf weltweit sinken. Vor diesem Hintergrund wird eine transparente Kommunikation zwischen Versorger und Empfänger immer wichtiger.“
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