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News, 13.11.2007
Studie
Arbeitsmarkt in Osteuropa am Scheideweg
­Der Fachkräftemangel hat nun auch Osteuropa eingeholt. Insbesondere in der Slowakei sind Fach- und Führungskräfte nur noch schwer zu finden. Die Löhne bzw. Arbeitskosten steigen. Und auch die Mitarbeiterproduktivität lässt vielerorts zu wünschen übrig. Der Standort Osteuropa verliert an Attraktivität, wie nun aus einer Kienbaum-Studie hervorgeht.
In Osteuropa fehlt der Nachwuchs, die Arbeitskosten steigen, der Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel. Den östlichen EU-Ländern gehen die Fach- und Führungskräfte aus. Besonders problematisch ist die Lage in der Slowakei: Fast alle Firmen (96%) beklagen einen Mangel an Bewerbern für Führungspositionen in Forschung und Entwicklung (FuE). Auch Führungskräfte für Controlling (82%) und Mitarbeiter für Organisation und EDV (90%) sind für die meisten Unternehmen nur noch schwer zu finden. Selbst Angestellte für FuE sowie Controlling sind in der Slowakei für rund die Hälfte aller Unternehmen kaum verfügbar. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Kienbaum-Studie zum Arbeitsmarkt in Osteuropa, im Rahmen derer Kienbaum 187 überwiegend deutsche Unternehmen in Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei befragt hat.

In Ungarn und in Polen ist der Fach- und Führungskräftemangel zwar weniger prekär, doch auch in diesen Ländern mittlerweile deutlich spürbar: In Polen haben knapp die Hälfte aller Unternehmen, so der Bericht von Kienbaum, Schwierigkeiten, Führungspositionen in Forschung und Entwicklung zu besetzen. Ungarn gehen demnach sogar bereits die ungelernten Arbeitskräfte bzw. Vor- und Facharbeiter aus. Auch in Tschechien, wo die Lage bisher relativ entspannt war, wird das Angebot an Fach- und Führungskräften, aufgrund der wirtschaftlichen Dynamik in den Nachbarländern, mittlerweile immer knapper. Nach Meinung von Petr Hruska, Geschäftsführer bei Kienbaum Tschechien, droht sich die Lage sogar weiter zu verschlechtern.

Die wichtigsten Faktoren im Hinblick auf die Bewertung eines Arbeitgebers sind für Bewerber in diesen Ländern die Solidität und die Bekanntheit eines Unternehmens. Geht es konkret dann um die letztendliche Entscheidung, fallen der Studie zufolge für junge Menschen vor allem das Arbeitsklima, Karrierechancen und das Gehalt besonders ins Gewicht. Auch das Thema „Work-Life-Balance“ spielt bei jungen Führungskräfte eine große Rolle. „Wer im Wettbewerb um die besten Köpfe erfolgreich sein will, muss diese Anforderungen und Präferenzen seiner potentiellen Mitarbeiter berücksichtigen“, so Petr Hruska. Um Mitarbeiter langfristig zu binden, so Kienbaum, sollten Unternehmen jungen Menschen möglichst früh Verantwortung für eigene Projekte übertragen und Gehaltssteigerungen in Aussicht stellen.

Im Hinblick auf die Arbeitskosten in Osteuropa sehen viele Unternehmen die Entwicklung kritisch: Die Arbeitskosten, einst einer der Hauptgründe für ausländische Firmen ihren Standort dorthin zu verlagern, steigen. Am größten ist die Unzufriedenheit der Arbeitgeber in der Slowakei, in der sich rund drei Viertel (74%) der befragten Unternehmen mit den Arbeitskosten weniger zufrieden bzw. unzufrieden zeigen, gefolgt von Tschechien (71 Prozent), Polen (63 Prozent) und Ungarn (59 Prozent). Die Löhne werden auch in Zukunft weiter steigen, so die Prognose von mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen in Tschechien, Ungarn und der Slowakei. In Polen sind die Prognosen dahingehend eher noch gespalten: Die eine Hälfte rechnet mit stagnierenden Gehältern, die andere damit, dass sie steigen.

Auch bei der Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter zeigt sich das Gros der Unternehmen nicht zufrieden, vor allem in Ungarn, Polen und der Slowakei. Am schwierigsten scheint die Lage demnach für die Unternehmen in der Slowakei: Mehr als drei Viertel (80%) der Befragten sind dort mit der Produktivität der Mitarbeiter nicht zufrieden. In Ungarn und in Polen sind es rund die Hälfte, in Tschechien hingegen nur ein Drittel. Angesichts der steigenden Arbeitskosten und Arbeitsleistung zieht manches Unternehmen denn auch Konsequenzen und plant den Sitz oder zumindest einzelne Geschäftsteile ins Ausland zu verlagern. In Tschechien und in Polen planen solche Schritte rund ein Drittel der befragten Unternehmen, in der Slowakei ein Viertel und in Ungarn rund ein Zehntel (8%).

Dennoch wird der Personalbedarf in diesen Ländern weiter steigen: Laut Studie planen rund 80 Prozent der Unternehmen bis zum Jahr 2010, den eigenen Personalstamm auszubauen. Ein Umstand, auf den vor allem internationale Unternehmen reagieren, in dem sie ihr Bemühen um junge Arbeitskräfte intensivieren. Als Folge dessen werden Mitarbeiter immer häufiger von Unternehmen direkt abgeworben. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen in Polen, Ungarn und in Tschechien sieht dies als Problem, in der Slowakei sogar die Hälfte. „Unternehmen, die meinen, allein mit Geld locken zu können, werden das Nachsehen haben. Professionelles Recruiting und eine strategisch geplante Personalentwicklung sind wichtige Bausteine für dauerhaften Geschäftserfolg“, meint Petr Hruska.

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