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Pressemitteilung

Stromverbrauch im Haushalt bleibt trotz immer effizienterer Geräte gleich

Warum die versprochene Energieeinsparung von sparsamen Geräten häufig nicht auf der Stromrechnung auftaucht – und wie man das Stromsparpotenzial wirklich ausschöpft.
(PM) München, 29.09.2015 - Obwohl die einzelnen Elektrogeräte immer energieeffizienter werden, sinkt der Stromverbrauch zu Hause nicht. Florian Henle vom Ökoenergieversorger Polarstern kennt die Gründe: Zum einen frisst die steigende Anzahl an Informations-, Telekommunikations- und Unterhaltungsgeräten einen Teil der Stromersparnisse auf, die durch effiziente Geräte erzielt wurden. Zum anderen ersetzen Verbraucher ihre Geräte immer schneller, ohne die alten abzugeben. So kommt es zur Mehrfachausstattung etwa bei Fernsehern. Auch gebe es bei sparsamen Elektrogeräten einen so genannten Rebound- oder Rückpralleffekt. Das heißt, das Nutzungsverhalten verändert sich: Das neue Gerät wird – weil es sparsamer ist – beispielsweise häufiger genutzt oder mehr im Standby-Modus gelassen als das alte. Die vom Hersteller angegebene, theoretisch mögliche Stromersparnis, wird selten erreicht.

Professor Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung schätzt den Reboundeffekt bei Elektrogeräten mit rund fünf Prozent ähnlich hoch wie im Fall der Beleuchtung mit energieeffizienten Leuchtmitteln. Die Krux ist: Mit zunehmender Effizienz steigt der Reboundeffekt. Untersuchungen zeigten ferner, dass Haushalte selten ihr Stromsparpotenzial* ausschöpften, erklärt Manuel Frondel. „Das ist aber nicht unbedingt schlecht.“ Oftmals sei es sogar vernünftig, nicht immer gleich das neueste, effizienteste Gerät zu kaufen, sobald es auf den Markt komme.

Ist Energie Sparen mit effizienten Geräten ein Wunschdenken?

Jeder Haushalt senkt seinen Stromverbrauch, wenn er ein effizienteres Gerät nutzt. „Die Höhe der Ersparnis wird jedoch oft überschätzt. Professor Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung ist überzeugt: „Hier wird oft eine Milchmädchenrechnung angestellt.“ Zudem fehle auch aus ökologischer Sicht eine ehrliche Gesamtkostenrechnung. Oft würden zur Herstellung der Geräte mehr Energie und Ressourcen verbraucht, als sie in der Nutzung einsparten.

Sich allein auf die Energieeffizienz von Geräten zu verlassen, um Energie, Kosten und CO2 zu sparen, reicht nicht. „Wer sparen will, der muss sich zuallererst fragen, ob er wirklich jedes Gerät braucht“, betont Florian Henle von Polarstern. Ein Smartphone übernehme heute immer mehr Funktionen. Es werde nicht nur zum Telefonieren, sondern auch zum Fotografieren, Filmen und Musik Hören genutzt. „Das macht andere Geräte überflüssig.“

Leichter Stromsparen mit energieeffizienten Geräten

Drei Entwicklungen helfen laut Dr. Dietlinde Quack, Projektleiterin der Verbraucherplattform EcoTopTen des Öko-Instituts, die Effizienzpotenziale von neuen Elektrogeräten besser zu nutzen:

1) Feedbackfunktionen: Immer häufiger zeigen Elektrogeräte ihren aktuellen Energieverbrauch an. „So sehen die Verbraucher direkt, dass ein Eco-Programm deutlich weniger Strom verbraucht als ein Schnell-Waschprogramm.“ Über einen solchen spielerischen Umgang ein energiebewusstes Verhalten zu erlernen, sei sehr wichtig, um die Stromsparpotenziale auszuschöpfen.

2) Diffusion in Modellreihen: Was Hersteller einst für ihre Top-Geräte entwickelt haben, durchdringt jetzt zunehmend mehr Modellreihen. „Effizienz erreicht die Masse“, sagt Dietlinde Quack. Wichtig sei aber, dass die Hersteller nicht nur die Label-Programme optimieren, sondern das gesamte Gerät mit all seinen Funktionen energieeffizient gestalten. Nur so schöpfen die Geräte im alltäglichen Gebrauch Einsparpotenziale tatsächlich aus.

3) Vernetzung: Durch Smart Home und die Anbindung an die eigene Energieerzeugung daheim können weitere Effizienzpotenziale gehoben werden. Noch steckt das Stromsparen mit Smart-Home-Lösungen in den Kinderschuhen. Die Effekte sind gering. Weil Smart Home aber automatisch gewisse Handlungen abnimmt und die Geräte dazu regelt, können sich hier künftig zunehmend Sparpotenziale ergeben.

Die nächsten Jahre werden sicherlich noch weitere Innovationen in den Geräten selbst bringen, die mit Effizienzgewinnen verbunden sind. „Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Auch wenn es dieses Jahr auf der IFA keine großen Neuheiten in Sachen Energieeffizienz gab“, ist Dr. Dietlinde Quack überzeugt. Wer sich ein neues Elektrogerät anschaffen will, dem empfiehlt die Energie-Expertin, Geräte einer Energieeffizienzklasse miteinander zu vergleichen.

Die Gespräche mit Dr. Dietlinde Quack, Projektleiterin der Verbraucherplattform EcoTopTen des Öko-Instituts, und Professor Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung wurden im September geführt.

* Verglichen wurden in der Untersuchung durchschnittliche Verbrauchswerte neuer Geräte mit den tatsächlichen Verbrauchswerten in den Haushalten, Details s. www.rwi-essen.de/publikationen/rwi-materialien/358/ sowie Rebound-Projekt, finanziert vom BMBF: www.zew.de/rebound

Nähere Informationen zum Thema unter www.polarstern-energie.de/blog/-/stromsparende-geraete-so-schoepfst-du-das-potenzial-aus/
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