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News, 18.09.2014
Phänomen Media Equation
Wenn das Smartphone zum besten Freund wird
Ein Leben ohne Smartphone, Tablet & Co. – für viele ist das nicht mehr vorstellbar. Dabei greift einer Studie nach verstärkt das Phänomen der sogenannte Media Equation um sich: die Vermenschlichung der digitalen Wegbegleiter.
Mehr als drei Viertel aller US-amerikanischen Smartphone-Nutzern haben ihr Endgerät rund um die Uhr in Griffnähe.
Mehr als drei Viertel aller US-amerikanischen Smartphone-Nutzern haben ihr Endgerät rund um die Uhr in Griffnähe.
Die zunehmende Abhängigkeit von Smartphone, Tablet & Co. lässt immer private Endanwender eine starke emotionale Bindung zu ihren mobilen digitalen Allerkönnern aufbauen. Das gilt vor allem für das Smartphone, das in den USA nach einer Studie von IDC bereits der wichtigste Begleiter im Alltag geworden ist, wie der Antivirus-Spezialist Kaspersky Labs berichtet. Danach haben mittlerweile 80 Prozent der US-Amerikaner ihr Mobilgeräte von morgens bis abends durchweg griffbereit, wobei das Smartphone alle 15 Minuten auf neue Meldungen hin überprüft wird. Kaspersky Labs zufolge geht das sogar soweit, dass viele Endanwender zuweilen meinen, ihr Smartphone klingeln gehört zu haben, obwohl das nicht der Fall war.

Das Phänomen des sogenannten Phantomklingelns zeigt sich jedoch nicht nur in den USA, sondern greift inzwischen auch in Deutschland immer stärker um sich. So ergab eine Studie des Hightech-Verbands BITKOM aus dem letzten Jahr, dass sich der Anteil der Smartphone-Nutzer in Deutschland, die ihr Smartphone ab und an irrtümlich klingeln hören, binnen von zwei Jahren von 25 Prozent auf 39 Prozent erhöht hat. „Hinter allem steckt die Erkenntnis, dass das Smartphone den eigenen sozialen Raum erweitert, zu Freunden und Bekannten, die nicht physisch in der Nähe sind“, so Kasperksy Lab. Die Folge: Bleibt das Smartphone stumm, stellt sich nicht selten schnell Nervosität ein, demnach rund drei von zehn Befragten (30 %), sobald mal einen Tag kein Anruf oder keine SMS eintrifft, unruhig werden.

Der Computer – geliebter Freund und Wutobjekt zugleich


Was sich bei Tieren, aber auch bei Pflanzen und Dingen wie zum Beispiel Autos beobachten lässt, ist auch im Umgang mit Computern, Smartphones & Co. sehr weit verbreitet: nämlich die Neigung, Objekte zu vermenschlichen. So wird denn auch schon mal der heimische Computer bei einem Absturz laut beschimpft.

„Wir Forscher nennen das Media Equation“, erklärt dazu Frank Schwab, Professor für Medienpsychologie an der Universität Würzburg. „Sobald etwas – wie ein Computer – mit einem Menschen scheinbar interagiert, laufen in unserem Hirn uralte Programme ab. Nahezu instinktiv behandeln wir das Gegenüber wie ein absichtlich handelndes Wesen, obwohl das –
objektiv betrachtet – keinen Sinn macht. Diese Gleichsetzung zwischen einem medialen Objekt und dem wirklichen Leben nennen wir deshalb Media Equation“, erläutert Schwab. Deshalb könne man Computer hassen, auch wenn im Grunde jeder weiß, dass es sich nur um eine Maschine handelt.

„Das Gerät muss nicht einmal besonders cool sein, damit dieser Effekt eintritt“, so Schwab weiter. „Interessant daran ist, dass wir den Effekt kaum kontrollieren können. Besonders Menschen, die im Umgang mit Computern sehr kompetent sind, neigen zu Media Equation.“

Beziehungskiller Schadprogramm

Deutlich sichtbar wird das Phänomen der Media Equation insbesondere immer dann, wenn Probleme die Beziehung zum geliebten Notebook, Smartphone oder Tablet überschatten. „„Für normale Anwender ist ein Laptop oder ein Smartphone eine Blackbox. Effekte, die sie an ihrem digitalen Begleiter beobachten, sind nicht immer leicht zu unterscheiden“, so Holger Suhl, General Manager DACH bei Kaspersky Lab. „Weshalb stürzt er ab? Wieso ist der Rechner auf einmal so langsam? Ist es nur eine zu stark fragmentierte Festplatte, zu wenig Arbeitsspeicher? Verlangsamt eine halblegale Adware den Rechner oder ist der PC gar schon von Cyberkriminellen gekidnappt und als Teil eines Botnetzes mit fremden Aufgaben beschäftigt?“, listet Suhl als Beispiel für die Vielzahl möglicher und für den Nutzer meist nicht identifizierbarer Ursachen auf.

Wie Kaspersky-Studien belegen, sind es immer häufiger vor allem Cyberkriminelle, die das allgemein meist sehr harmonische Verhältnis zum geliebten Endgerät belasten. Beim PC ist es nach Auskunft des Security-Anbieters insbesondere die riesige Zahl von Viren, Würmern und Trojanern, die den heutigen Geräten zu schaffen macht. „Kaspersky Lab entdeckt derzeit täglich 315.000 einzelne Schadprogramme“, so der Antivirus-Spezialist. Bei Macs beziehungsweise Apple-Endgeräten sei es dagegen eher die Gefahr, Teil eines sogenannten Botnet zu werden, der es vorzubeugen gilt. Als Beispiel nennt Kaspersky Lab das Zombie-Netzwerk Flashfake, das nach Auskunft des IT-Security-Anbieters insgesamt rund 670.000 Rechner ohne Wissen der betroffenen Endanwender steuerte und kontrollierte – die meisten davon Macs.

„In der Zwischenzeit kämpfen auch Smartphones und Tablets gegen die zunehmende Masse und Qualität mobiler Schädlinge“, so der Antivirus-Spezialist. „Kaspersky Lab kennt aktuell an die 350.000 einzigartige mobile Schädlinge und über 840 Schädlingsfamilien. Davon haben es 99 Prozent auf Android abgesehen.“
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