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In Mannheim entsteht eine Ölquelle

(PM) Bremen, 08.12.2009 - Erstmals Umwandlung von Kunststoffabfall in Öl in industrieller Form möglich

18 Millionen Tonnen Kunststoffe werden jedes Jahr in Deutschland produziert. Ein gigantischer Berg, würde man ihn einmal zusammentragen. Dabei geht ohne Kunststoffverarbeitung in Deutschland nichts mehr. „Plastik“ ist leicht zu verarbeiten, individuell einsetzbar und meist günstiger als „natürliche“ Rohstoffe. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch die Entsorgung. Zwar trennen die Deutschen wie kaum ein anderes europäisches Land Plastik von Papier, Glas und Restabfall – aber ein nicht unerheblicher Teil des mühsam getrennten Mülls wird in den Verbrennungsanlagen mit dem restlichen Müll wieder zusammengeworfen und verbrannt. Immerhin 4,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfall gelangen in das Recycling, wozu eben auch die thermische Verwendung, sprich die Verbrennung der auf Öl basierenden Joghurtbecher, Kinderspielzeuge und Gartenstühle zählt - um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Dabei sind die Müllverbrennungsanlagen mit einem Wirkungsgrad von nur 20 Prozent aus ökologischen Gründen nicht wirklich ein sinnvoller Weg, mit dem Kunststoffabfall umzugehen. Zudem werden hierdurch kaum vertretbare Kohlendioxidmengen frei gesetzt. „Bislang fehlte es indes an Lösungen, wie wirklich sinnvoll mit Kunststoffabfall umgegangen werden kann“, erklärt Dipl.-Ing. Norbert Dinter, der sich dem Thema seit vielen Jahren widmet. Die Antwort sehen viele Experten in der thermolytischen Umwandlung des Kunststoffs in das, was er mal war – und das ist hochwertiges Produktöl, nicht zu verwechseln mit Diesel – dem müssen zur Qualitätssteigerung chemische Zusatzstoffe beigemischt werden.

Letztendlich haben Anfragen deutscher Kommunen, die mit hohen Müllbergen kämpfen, den Anstoß dafür gegeben, dass eine seit 2005 in der Schweiz in Betrieb befindliche Pilotanlage nun auch in Deutschland umgesetzt werden soll. Diese Anlage funktioniert nach der mit Markenzeichen eingetragenen so genannten SYNTROL-Thermolyse. Aus 100 Gramm Kunststoff entstehen so 102 Milliliter Produktöl, mit einem Wirkungsgrad als Brennstoff von dann 90 Prozent. Diese Umwandlung gilt als eine der effektivsten der Welt. Das Patent wurde unter der Leitung von Wolf Eberhard Nill, der seit mehr als einem halben Jahrhundert im Anlagenbau (u.a. Wasseraufbereitung) tätig ist und Unternehmen wie beispielsweise BMW betreut, umgesetzt. Geht es nach ihm, sind bald alle Müllprobleme im Kunststoffbereich durch die sinnvollste Form der Rückgewinnung beseitigt.

In der konkreten Umsetzung soll im nächsten Jahr in Mannheim (Rheinau-Hafen) ein Rückgewinnungs-Kraftwerk entstehen, welches mindestens 5.000 Tonnen pro Jahr pro Produktionseinheit verarbeiten kann. Insgesamt sollen vier Produktionseinheiten zusätzlich zu den Vorsortiereinheiten entstehen. Dies entspricht bei normaler Auslastung dem Output von 17.142.000 Litern Produktöl pro Jahr. „In Mannheim entstände so faktisch eine Ölquelle“, meint Dinter.

Eine weitere Besonderheit zeichnet diese interessante und zukunftsweisende Investition aus. Denn das immerhin 26,8 Millionen Euro teure Projekt soll durch einen Fonds finanziert werden, an dem sich Anleger ab nur 10.000 Euro beteiligen können. Für den Grundertrag steht die Firma Nill-Tech gerade. Doch geht es nach dem Willen der verantwortlichen Fondsbetreiber, soll der Ertrag der Anlagen deutlich höher liegen, alle Voraussetzungen dafür sind da, sind die Anlagen doch für einen Durchsatz von bis zu 7.500 Tonne je Linie ausgelegt. Für einen Mehrertrag sprechen auch steigende Rohölpreise und die Tatsache, dass mehr Kunststoffabfall kostenfrei zur Verfügung steht, als derzeit überhaupt verarbeitet werden kann. „Für diesen Fall läge die Rendite dieses ökologisch vertretbaren Investments im deutlich zweistelligen Bereich – Rendite und ökologisches Bewusstsein hätten damit zusammengefunden“, erklärt Oskar Edler von Schickh von Ventafonds in Bremen, dem Fondshaus welches die Finanzierung des Gesamtprojektes leitet.

Weitere Informationen: www.oekoenergie-umweltfonds.de oder www.ventafonds.de
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