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News, 17.10.2012
Hartz-IV-Diskriminierung
Bild der Deutschen von Hartz-IV-Empfängern falsch
Eine Allensbach-Umfrage zeigt, dass Vorurteile gegenüber Hartz IV-Empfängern in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet sind. Nach Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) geht allerdings das Bild, das viele Bundesbürger von Hartz IV-Empfängern haben, an der Realität vorbei. Was die Deutschen von Hartz IV-Empfängern glauben – und was Fakt ist.
Brandmal "Hartz IV":  Die weit verbreiteten Vorurteile stellen Langzeitarbeitslose gesellschaftlich ins Abseits.
Brandmal "Hartz IV": Die weit verbreiteten Vorurteile stellen Langzeitarbeitslose gesellschaftlich ins Abseits.
Arbeitsscheu, zu faul sich zu bewerben, geringes Bildungsniveau – diese und weitere Vorurteile gegenüber Hartz IV-Empfängern, also Beziehern des Arbeitslosengeldes (ALG) II, hegen viele Bundesbürger. Das belegt jetzt eine unter dem Titel „Das Bild der Bevölkerung von Hartz IV-Empfängern“ durchgeführte Erhebung im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit (BA), für die das Institut für Demoskopie Allensbach 1.558 Bundesbürger ab 16 Jahren zu ihren Einstellungen gegenüber Langzeitarbeitslosen befragt hat.  So glauben beispielsweise mehr als die Hälfte aller Deutschen, Hartz IV-Empfänger seien bei der Arbeitssuche zu wählerisch. Fast ebenso viele Bundesbürger halten sie für schlecht qualifiziert. Wie aktuelle Analysen der BA jedoch belegen, haben diese Vorbehalte mit der Realität kaum etwas zu tun.

Besonders schwer, weil diskriminierend, wiegt unter anderem der Irrtum, dass Hartz IV-Empfänger erst gar nicht an Arbeit interessiert seien. Laut BA-Umfrage glauben dies fast vier von zehn befragten Bundesbürgern (37%). Tatsächlich ist jedoch beim Gros der Langzeitarbeitslosen genau das Gegenteil der Fall. So geht aus einer Studie des Forschungsinstituts der Bundesagentur hervor, dass für 75 Prozent der Hartz IV-Empfänger Arbeit das Wichtigste im Leben ist. „Für 89 Prozent der Leistungsbezieher ist Arbeit wichtig, weil sie ihnen das Gefühl gibt, dazuzugehören“, so die BA. Der Studie zufolge würden 74 Prozent von ihnen einer Arbeit sogar selbst dann nachgehen, wenn sie auf das Geld nicht erwiesen wären.

Auch das Vorurteil, dass Langzeitarbeitslose bei Arbeitswahl zu wählerisch seien, wie 57 Prozent der Deutschen der Umfrage zufolge glauben, wird durch die Untersuchung widerlegt. Fakt sei nach Auskunft der BA vielmehr, dass fast drei Viertel der Hartz IV-Empfänger (75%), die in den letzten Wochen Arbeit suchten, auch bereit wären, eine Arbeitsstelle anzunehmen, die unter ihrem Qualifizierungsniveau liegt.  Gut zwei Drittel (68%) von ihnen wären, nur um wieder Arbeit zu erhalten, hierfür auch bereit, erhöhte  Belastungen am Arbeitsplatz in Kauf zu nehmen (bspw. erhöhte körperliche Anstrengungen oder hohen Lärm). Auch ungünstige Arbeitszeiten stellten für die Mehrheit der BA zufolge keine Hürde dar (57%).

Die von 55 Prozent der Deutschen vertretene These, Hartz IV- bzw. ALG II-Empfänger hätten nichts Sinnvolles zu tun, trifft ebenfalls nicht zu. So zeigt die Analyse, dass knapp zwei Drittel der Hartz-IV-Empfänger (62%) einer gesellschaftlich relevanten Tätigkeit nachgehen:  Der BA zufolge hatte zum Erhebungszeitpunkt rund ein Viertel der Hartz IV-Empfänger einen Job und stockte auf (26%), da ihr Lohn zum Lebensunterhalt nicht ausreicht,  ebenso viele betreuen ihre Kinder (27%), weitere 13 Prozent absolvieren derzeit eine Aus- bzw. Weiterbildung, und acht Prozent von ihnen pflegen ein Familienmitglied.

Auch die mit einem Anteil von 57 Prozent  von einer Mehrheit der Deutschen gehegte Vermutung, dass Hartz IV-Empfänger nur ein geringes Bildungsniveau aufweisen bzw. schlecht qualifiziert sind, trifft der BA zufolge nur bedingt zu: Nach aktuellen Zahlen verfügt fast jeder zweite Leistungsempfänger über eine abgeschlossene Berufsausbildung (44%). Auch haben knapp drei Viertel einen Schulabschluss (73%), davon hat gut ein Fünftel mittlere Reife (21%) und jeder Zehnte Abitur (10%).
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