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Interview, 17.09.2013
Profilieren durch Profil
FDP muss sich auf ihren Markenkern besinnen
Ein Interview mit Bernhard Kuntz, Die ProfilBerater GmbH
Die FDP muss ihr freiheitliches Profil wieder schärfen. Davon ist der Profilberater Bernhard Kuntz überzeugt. Er schlägt den Freien Demokraten vor, sich für ein Abschaffen des staatlich garantierten Mindestlohns für Abgeordnete zu engagieren; außerdem für ein Beschäftigen der Minister auf Leiharbeiter-Basis.

Herr Kuntz, Sie plädieren als Geschäftsführer der PRofilBerater GmbH, nicht ganz ernst gemeint, für eine Initiative „Wählt die Freiheit, wählt liberal“. Warum?

Bernhard Kuntz: Weil sich unter der Klientel meines Unternehmens – primär Freiberufler wie Unternehmens- und Steuerberater – sehr viele Menschen befinden, die wie die FDP der Auffassung sind: Leistung muss sich wieder lohnen. Für sie war das miserable Abschneiden der FDP bei der bayrischen Landtagswahl ein Weckruf.

Was ist Ihrer Meinung nach das zentrale Problem der FDP?

Kuntz: Sie ließ sich in den letzten Jahren von Mama Merkel einlullen …

.. weshalb aus den FDP-Ministerien, sieht man von der Hotelier-Steuer ab, auch keine ernstzunehmenden Gesetzesinitiativen kamen.

Kuntz: Richtig. Die FDP hat ihr Profil verloren. Sie traut sich nicht mehr, den liberalen Freiheitsgedanken zu verkünden.

Und dem wollen Sie mit Ihrer Initiative entgegenwirken. Wie?

Kuntz: Indem ich für die FDP Ideen generiere, wie sie ihr liberales Profil wieder schärfen kann.

Haben Sie hierfür ein Beispiel?

Kuntz: Selbstverständlich. Vieles spräche zum Beispiel dafür, die Bundesminister und die Bundestagsabgeordneten nicht nur der FDP künftig auf Leiharbeiter-Basis zu beschäftigen. Das würde die Kosten senken und dem Staat mehr Handlungsspielräume eröffnen. Und die FDP könnte ihre Mandatsträger bei Bedarf schneller austauschen. Dadurch würde sie dynamischer und flexibler werden.

Wäre das nicht nur eine kosmetische Operation?

Kuntz: Nein, denn parallel dazu sollte man den aktuell staatlich garantierten Mindestlohn für Abgeordnete und Minister abschaffen und diese stattdessen nach Leistung bezahlen.

Würden dann nicht viele FDP-Abgeordnete am Hungertuch nagen?

Kuntz: Nein, denn die meisten haben Nebeneinkünfte – sei es als Wirtschaftsanwälte oder Unternehmensberater. Und wenn nicht? Dann können sie ja wie Mini-Jobber oder Hartz IV-Empfänger entlohnt werden – mit der Möglichkeit aufzustocken. Das würde ihren Unternehmergeist fördern.

Haben Sie weitere Ideen, wie die FDP wieder mehr Profil gewinnt?

Kuntz: Ja. Seit Hans-Olaf Henkel und andere Vertreter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft seltener in Talkshows sitzen, ist leider die alte Erfolgsmaxime der FDP in Vergessenheit geraten.

Und die lautet?

Kuntz: Abschaffen, abschaffen, abschaffen.

Was könnte abgeschafft werden?

Kuntz: Zum Beispiel der Verbraucherschutz. Er behindert nur unsere Wirtschaft. Würde er abgeschafft, entstünden viele neue Arbeitsplätze.

Was könnte noch abgeschafft werden?

Kuntz: Der Datenschutz. Die NSA hat uns gezeigt, was heute technisch möglich ist. Warum sollte unsere Wirtschaft diese Chancen nicht für ihre freie Entfaltung nutzen. Und stellen Sie sich nur mal vor, Assad hätte diese technischen Möglichkeiten gehabt. Dann hätte er kein Giftgas gegen die syrische Bevölkerung einsetzen müssen. Er hätte schon präventiv aktiv werden können.

Hörte man deshalb in den letzten Monaten so wenig von der FDP über das Prism-Abhörprogramm, obwohl sie den Außen-, Justiz- und Wirtschaftsminister stellt?

Kuntz: Ja, denn die klugen Köpfe in der FDP ahnen, welche Chancen die Überwachungstechnologie der deutschen Industrie bietet. Man muss diese Chancen nur für die Freiheit nutzen. Das ist auch für das Überleben der FDP wichtig.

Warum?

Aktuell stellt sich die FDP als extremistische Splitterpartei dar, die die soziale Marktwirtschaft gefährdet. Deshalb könnte sie irgendwann selbst ins Visier der Staatsschützer geraten. Also sollte sie den Gedanken der Freiheit wieder stärker ins Zentrum ihres Programms rücken. Denn gefährlich wurde es in den letzten Jahren für die FDP stets, wenn sie versuchte, politische Konzepte zu entwerfen.

Haben Sie hierfür ein Beispiel?

Kuntz: Denken Sie an die Kopfpauschale. Das war doch ein kompromisslerischer Murks. Hätte die FDP stattdessen klipp und klar gesagt „Die gesetzliche Gesundheitsvorsorge abschaffen. Jeder soll sich selbst darum kümmern“, dann wäre ihr freiheitliches Profil klarer geworden und sie hätte mehr Zustimmung gefunden. Dasselbe gilt für die gesetzliche Altersvorsorge: Abschaffen statt ewig daran herumdoktern.

Glauben Sie, die FDP könnte mit Ihren Ideen den Wiedereinzug in den deutschen Bundestag schaffen?

Kuntz: Mit einem so klaren Profil würde ihr Ergebnis zweistellig ausfallen. Ich erachte auch die aktuelle Zweitstimmenkampagne der FDP für falsch.

Warum?

Kuntz: Die FDP ist eine stolze Partei. Sie kann und darf nicht wie ein Hartz IV-Empfänger um Almosen betteln. „Wir schaffen es aus eigener Kraft“ – dieses Credo muss die Parteispitze ebenso wie ihre Anhängerschaft ausstrahlen.

ZUM AUTOR
Über Bernhard Kuntz
Die PRofilBerater GmbH
Bernhard Kuntz ist Inhaber der Marketing- und PR-Agentur Die ProfilBerater GmbH, Darmstadt, die Dienstleister und ähnliche Spezialisten bei ihrer Selbstvermarktung und beim Vermarkten ihrer Leistungen unterstützt. Er ist unter anderem Autor ...
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64285 Darmstadt

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