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News, 21.12.2012
Energiewende
Geringverdiener von EEG-Umlage besonders belastet
Die Energiewende hat in den vergangenen Jahren immer höhere Kosten verursacht. Entsprechend ist auch die Umlage für den Strom aus erneuerbaren Energien kräftig gestiegen. Die Zeche zahlen die Stromverbraucher – allen voran die einkommensschwachen Haushalte.
Die Verteilungswirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erzeugen eine soziale Schieflage, zeigt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).
Die Verteilungswirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erzeugen eine soziale Schieflage, zeigt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).
Vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln

Spätestens  seit  der  Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 sind sich  die  Politiker  in  Deutschland grundsätzlich einig, dass die Energieversorgung weitgehend auf kohlendioxidarme und insbesondere auf erneuerbare  Energien  umgestellt werden soll.

Würde  die  Energiewende  nur nach dem Kriterium „viel Ökostrom gleich großer Erfolg“ bewertet, gäbe es  Anlass  zum  Jubeln.  Denn  rund ein Viertel des Stroms stammt inzwischen  aus  erneuerbaren  Energien. Auch  die  Technik  der  Windkraft-, Solar- und Biomasseanlagen hat sich weiterentwickelt, sodass deren Preise gesunken sind. Das gilt vor allem für die Photovoltaik:

Solaranlagen waren Mitte 2012 bei gleicher Leistung zwei Drittel billiger zu haben als Anfang 2006.


Gemessen an diesem Preisverfall hat die Bundesregierung die Fördersätze für neue Photovoltaikanlagen gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz  (EEG)  in  den  vergangenen Jahren zu zögerlich reduziert. Betrachtet man für alle erneuerbaren Energien die durchschnittliche Förderung der bestehenden  Anlagen,  so  sind  die Sätze bis zuletzt sogar stetig gestiegen:

Die nach den Vorgaben des EEG durchschnittlich gezahlte Vergütung je Kilowattstunde Strom hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt – auf gut 18 Cent.

Das lag unter anderem am starken Zuwachs bei der Photovoltaik sowie am  kräftigen  Ausbau  der  kleinen, hoch  subventionierten  Biomasseanlagen. Damit sind die aus dem EEG resultierenden zusätzlichen Kosten für die Energieerzeugung von knapp 1 Milliarde Euro im Jahr 2000 auf fast 13 Milliarden Euro 2011 gestiegen. Im Jahr 2012 dürften sie noch deutlich höher ausfallen. Demzufolge wurde auch die Umlage, die die Stromverbraucher zur Finanzierung der Energiewende zahlen müssen, drastisch erhöht – von 0,2 Cent je Kilowattstunde auf 5,3 Cent ab Jahresanfang 2013.

Dass  die  EEG-Umlage  von  den Stromkunden  und  nicht  aus  dem allgemeinen  Staatshaushalt  finanziert  wird,  führt  zudem  zu  einer deutlichen Umverteilung von Arm zu Reich. Zwar verbrauchen wohlhabende Haushalte im Schnitt etwas mehr Strom als ärmere. Im Vergleich zu  den  Einkommen  ist  der  Unterschied jedoch gering. So ist das mittlere Nettoeinkommen der reichsten 10  Prozent  der  Bevölkerung  über sechsmal so hoch wie das Einkommen  der  ärmsten  10  Prozent.  Die Stromrechnung des oberen Einkommenszehntels ist aber nur um rund ein Viertel höher.

Entsprechend verhält es sich auch mit der EEG-Umlage. Derzeit zahlt jede Person in den ärmsten 10 Prozent  der  deutschen  Haushalte  pro Monat knapp 6 Euro, in den wohlhabendsten Haushalten sind es 7,20 Euro. Im Jahr 2013 werden monatlich 8,75 Euro bei den Armen und 10,75 Euro bei den Reichen fällig. Damit ist die relative Belastung für Geringverdiener besonders hoch:

Im  kommenden  Jahr  müssen  die ärmsten 10 Prozent der Haushalte im Schnitt gut 1,3 Prozent ihres Einkommens für die EEG-Finanzierung aufwenden, bei den reichsten Haushalten sind es nur rund 0,2 Prozent.

Dieses  Gefälle  zeigt  sich  auch beim Blick auf verschiedene Haushaltstypen. So werden Alleinerziehende,  die  oft  nur  ein  geringes Einkommen erzielen, von der EEG-Umlage besonders stark belastet. Verstärkt wird diese Umverteilung noch dadurch, dass die privaten Betreiber von Solaranlagen meist zu den wohlhabenden Haushalten gehören – und die bekommen das Gros der Fördermittel.

Hintergrundinformationen zur EEG-Förderpolitik

Seit dem Jahr 2000 fördert die Bundesregierung mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen wie Sonne, Wind und Biomasse. Für jede Kilowattstunde Ökostrom erhalten die Produzenten in der Regel 20 Jahre lang eine feste Einspeisevergütung, die meist über dem Marktpreis liegt und deren Höhe von der eingesetzten Technologie und Anlagengröße abhängt. Die Netzbetreiber wiederum verkaufen diesen Strom an der Strombörse zu – niedrigeren – Marktpreisen. Die Differenz zwischen der EEG-Vergütung und dem Marktpreis wird per Umlage auf die Verbraucher überwälzt, lediglich energieintensive Unternehmen sind befreit.

*) IW-Positionen Nr. 56 - Hubertus Bardt, Judith Niehues,  Holger Techert: Die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland – Wirkungen und Herausforderungen des EEG, Köln 2012, 54 Seiten, 11,80 Euro. Versandkostenfreie Bestellung unter: www.iwmedien.de/bookshop

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