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News, 03.07.2007
Arbeitgeber-Umfrage
Arbeitsverträge werden für neue Mitarbeiter fast nie geändert
Arbeitnehmer, die bei einem neuen Arbeitsvertrag Änderungswünsche vorbringen, haben in der Regel schlechte Karten. Geht es um Arbeitsverträge, bevorzugen deutschen Arbeitgeber nämlich in der Regel das Diktat, wie eine Umfrage belegt.
„Friss oder stirb“, so scheint das Motto in den meisten deutschen Unternehmen, wenn es um einen Arbeitsvertrag mit einem neuen Mitarbeiter geht. Wie eine Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung unter deutschen Personalverantwortlichen belegt, werden von Stellenbewerbern gewünschte Änderungen inhaltlicher Art bei Arbeitsverträgen von deutschen Unternehmen nur in wenigen Fällen vorgenommen.

Lediglich in jedem vierten der befragten Unternehmen, das in vergangenen drei Jahren Nicht-Akademiker eingestellt habe, seien Arbeitsverträge immer, meistens oder in etwa der Hälfte der Fälle geändert worden. Weitere 12 Prozent der Betriebe gaben an, dass es innerhalb der letzten drei Jahre nur in wenige Fällen Änderungen gegeben habe. In 60 Prozent der insgesamt 1000 befragten Unternehmen hingegen gaben die Personalverantwortlichen an, dass Arbeitsverträge bei der Einstellung grundsätzlich nicht geändert würden.

Doch herrscht den Umfrageergebnissen zufolge in vielen Fällen nicht nur das Diktat, sondern auch eine Zweiklassengesellschaft. Bei Fachhochschul- oder Hochschulabsolventen ist die Bereitschaft deutscher Arbeitgeber, zu verhandeln, deutlich höher. So gaben 43 Prozent der Personalverantwortlichen an, die Arbeitsverträge immer, meistens oder in etwa der Hälfte der Fälle zu ändern, wenn es sich bei dem Bewerber um einen Akademiker handelt. Ein Privileg, das jedoch nur ein geringer Teil der abhängig Erwerbstätigen genießt, da dem Bericht des WSI zufolge, die Gruppe der höher Qualifizierten nur etwa 14 Prozent der Gesamtzahl der Beschäftigten umfasse.

Auch würden Kleinbetriebe mit 1 bis 19 Beschäftigten häufiger über Vertragsinhalte verhandeln als große Unternehmen, so das WSI. Demnach verhandeln 96 Prozent aller Unternehmen mit mindestens 200 Beschäftigten über die Inhalte von Arbeitsverträgen bei Nicht-Akademikern nie oder so gut wie nie. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Akademikern: Bei Großbetrieben haben diese auch nur in rund jedem vierten der befragten Unternehmen eine Chance (27%), den offerierten Arbeitsvertrag zu diskutieren beziehungsweise eigene Wünsche einzubringen.

Nach Einschätzung von Prof. Dr. Heide Pfarr, Arbeitsrechtlerin und Wissenschaftliche Direktorin des WSI, seien Bewerberinnen und Bewerber zumeist gezwungen, die ihnen im Vertrag vorgelegten Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. "Die These, dass sich im Einstellungsgespräch zwei gleichwertige Verhandlungspartner gegenübersitzen“, so Pfarr, sei damit widerlegt. Auch gingen die Vorschläge, arbeitsrechtliche Schutzvorschriften wie den Kündigungsschutz zu Gunsten "freiwilliger Vereinbarungen" zu schwächen, offensichtlich von unrealistischen Voraussetzungen aus. So dürften, wie die Professorin konstatiert, die meisten Beschäftigten „wenig Chancen haben, sich frei zu entscheiden".

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