VOLLTEXTSUCHE
Fachartikel, 11.11.2010
T-Shaped Professionals
Die IT-Fachkraft der Zukunft
Wer im IT-Bereich Karriere machen respektive weiterkommen möchte, muss über sein IT-Spezialgebiet hinaus in Zukunft mehr denn je auch ein solides Breitenwissen haben und ein Set an Zusatzskills aufweisen.

Personalverantwortliche in Unternehmen beklagen oft: „Wenn Informatikstudium-Absolventen bei uns anfangen, sind sie zwar fachlich fit. Von unserer Branche und den Ablufen in den Unternehmen haben sie aber keine Ahnung.“ Und dann fgen sie zuweilen nach einer Pause hinzu: „Fr die reine Netzwerkadministration brauchen wir aber keine Akademiker. Ein gelernter Fachinformatiker liefert uns da dieselben Ergebnisse und kostet weniger.“

Die Unternehmen beklagen also, dass Hochschul-Absolventen, die sich bei ihnen bewerben, oft folgendes Qualifikationsprofil haben: Sie sind entweder absolute Spezialisten, die von Programmiersprachen wie Java oder Spezialthemen wie Mikrocontrollern ein sehr fundiertes Wissen haben. Oder sind sie Generalisten, die – salopp formuliert – von allen mglichen IT-relevanten Themen ein bisschen was wissen, aber in keinem Themengebiet „Cracks“ sind.
Dass viele ITler ein solches Qualifikationsprofil haben, ist an sich nicht schlimm. Denn die Unternehmen bentigen auch knftig Generalisten und Spezialisten – aber weniger. Denn die IT hat nicht nur in den Firmen stets eine die Fachabteilungen untersttzende Funktion. Wenn Unternehmen zum Beispiel ein neues IT-System einfhren, dann verfolgen sie damit stets ein Ziel – beispielsweise, dass die Kunden besser und kostengnstiger betreut werden knnen.

Entsprechendes gilt, wenn Unternehmen in die von ihnen produzierten Maschinen immer mehr Software integrieren. Auch dann steckt dahinter stets ein Ziel. Zum Beispiel, dass deren Kufer damit schneller oder fehlerfreier arbeiten knnen.
Deshalb bentigen die Unternehmen zunehmend sogenannte T-Shaped Professionals. So werden Mitarbeiter genannt, die die Vorzge eines Spezialisten und Generalisten in sich vereinen, weil sie einerseits in einem Wissensgebiet ein sehr solides Fachwissen haben, andererseits aber auch das erforderliche Breitenwissen, um ihr Fachwissen im Betriebsalltag und Kundenkontakt effektiv einzusetzen.
Die Sache mit dem „T“

Dass knftig mehr (IT-)Mitarbeiter mit einem solchen Profil bentigt werden, erkannten Bildungsverantwortliche schon vor 20 Jahren. Damals tauchte der Begriff „T-Shaped“ erstmals in der Fachliteratur auf. Und IBM legte bereits Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts seiner Mitarbeiterentwicklung das Modell einer „T-Shaped Career“ zugrunde.

Ein T-Shaped Professional bentigt eine Aus- und Weiterbildung, die einerseits in die Breite und andererseits in die Tiefe geht. Welche Fcher hierbei die Breite darstellen und welche in die Tiefe gehend vermittelt werden sollten, hngt von der Schwerpunktsetzung des Einzelnen ab.

Hierfr ein Beispiel. Ein Unternehmen sucht einen Workflowmanagement-Experten. Dann sollte der knftige Stelleninhaber ein Expertenwissen (Tiefenwissen) darber haben, wie man mit der IT Arbeitsprozesse so gestalten kann, dass diese zum Beispiel schneller, kundenorientierter oder fehlerresistenter sind. Darber hinaus sollte er aber ein Verstndnis (Breitenwissen) fr die Spezifika der jeweiligen Branche und die heutigen Organisationsstrukturen von Unternehmen haben. Denn erst dieses Breitenwissen ermglicht es ihm, sein Spezialwissen effizient und effektiv einzusetzen. Das erhht auch den Wert seiner Arbeitskraft. Denn das Breitenwissen macht aus Unternehmenssicht sein Kompetenzprofil sozusagen „rund“. Das haben inzwischen auch viele Hochschulen erkannt, weshalb sie neben dem Klassiker „Wirtschaftsinformatik“ zunehmend auch solche Hybrid-Studiengnge wie „Versicherungs-Informatik“ und „Mechatronik“ anbieten.

Darin spiegelt sich die Erkenntnis wider: Den ITler gibt es heute nicht mehr. Denn die „IT-Welt“ hat sich so ausdifferenziert, dass sie eine Art Paralleluniversum zum Rest der Welt darstellt. Entsprechend vielfltig sind die Berufsbilder im IT-Bereich und entsprechend unterschiedlich sind die an ITler gestellten Anforderungen. Allen IT-Profilen ist jedoch gemeinsam: Eine Spezialisierung ohne flankierende Interdisziplinaritt schafft auf Dauer keine Befriedigung. Und: Darauf lsst sich keine solide berufliche Perspektive aufbauen. Hierfr vollziehen sich die Technologiesprnge im IT-Bereich zu schnell.

Ihr persnliches T-Shaping

Doch wie knnen Sie ein T-Shaped Professional werden? Stellen Sie sich folgende Fragen:

  1. Was ist die Sule meines „T“, also in welcher IT-Disziplin bin ich Experte? Und:
  2. Welchen Querbalken, also welches interdisziplinre Wissen und Knnen bentige ich, um diese Fachkompetenz noch wirkungsvoller einzusetzen?


Notieren Sie die Antworten auf einem Blatt Papier. Markieren Sie dann von den bei Frage 2 aufgelisteten Kompetenzen diejenigen, die bei Ihnen optimierungsbedrftig sind. Und schon haben Sie den ersten Schritt in Richtung T-Shaping getan – zumindest wenn Sie morgen damit anfangen, in den markierten Bereichen Expertise zu erwerben.

Beachten Sie beim T-Shaping, also beim Sich-Aneignen der Kompetenzen, die zu Ihrem Expertenwissen orthogonal stehen: Es gibt nicht den einen universellen Querbalken fr jedes mgliche T. Der passende Querbalken ergibt sich aus dem aktuellen und (angestrebten) knftigen Ttigkeitsfeld. Whlen Sie also aus den vielen Qualifizierungsmglichkeiten, diejenigen aus, die Ihnen den grten Nutzen bieten.

Die Praxis zeigt: Viele ITler messen bei ihrer Kompetenzentwicklung dem Fach- und Faktenwissen eine sehr hohe Bedeutung bei. Sie unterschtzen aber nicht selten, wie wichtig die Soft-Skills, also beispielsweise die Kommunikations- und Teamfhigkeit, fr ihren beruflichen Erfolg sind. Auch die Bedeutung des Wissens ber Geschftsprozesse und Organisationsstrukturen wird oft unterschtzt; ebenso die Bedeutung eines fundierten Projektmanagement-Know-hows. Und noch ein Aspekt fllt hufig „hinten runter“: die Branchenkenntnis und Felderfahrung. Dabei erwchst hieraus meist erst das Gespr dafr, was in bestimmten Anwendungsgebieten gebraucht wird und was nicht. Denn nicht alles, was technisch machbar ist, wird von den Anwendern auch tatschlich immer gebraucht.

QUERVERWEIS
Publikationshinweis
Jenseits der Programmierung: Mit T-Shaping erfolgreich in die IT-Karriere starten
Karriereratgeber, wie sich IT-Einsteiger fit für die IT-Karriere machen mit zahlreichen Selbsttests, Checklisten und Praxisempfehlungen.
weitere Informationen
ZUM AUTOR
ber Prof. Dr. Elisabeth Heinemann
effactory
Frau Prof. Dr. Elisabeth Heinemann hat seit 2007 an der Fachhochschule Worms einen Lehrstuhl für Schlüsselqualifikationen. Die promovierte Diplom-Wirtschaftsinformatikerin ist zudem Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmen ...
effactory
Wilhelminenplatz 5
64283 Darmstadt

+49-6151-105876
WEITERE ARTIKEL DIESES AUTORS
IT-Kompetenz
Generalist oder Spezialist – das war lange Zeit die meistgestellte Frage, wenn es um die Aus- und ... mehr

ANDERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
SUCHE
Volltextsuche





Profisuche
Anzeige
PRESSEFORUM MITTELSTAND
Pressedienst
LETZTE UNTERNEHMENSMELDUNGEN
Anzeige
BRANCHENVERZEICHNIS
Branchenverzeichnis
Kostenlose Corporate Showrooms inklusive Pressefach
Kostenloser Online-Dienst mit hochwertigen Corporate Showrooms (Microsites) - jetzt recherchieren und eintragen! Weitere Infos/kostenlos eintragen
EINTRGE
PR-DIENSTLEISTERVERZEICHNIS
PR-Dienstleisterverzeichnis
Kostenlos als PR-Agentur/-Dienstleister eintragen
Kostenfreies Verzeichnis fr PR-Agenturen und sonstige PR-Dienstleister mit umfangreichen Microsites (inkl. Kunden-Pressefchern). zum PR-Dienstleisterverzeichnis
BUSINESS-SERVICES
© novo per motio KG