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Fachartikel, 28.01.2010
IT-Kompetenz
Generalisten, Spezialisten und T-Shaped Professionals
Generalist oder Spezialist – das war lange Zeit die meistgestellte Frage, wenn es um die Aus- und Weiterbildung sowie Karriereplanung nicht nur von IT-Fachkräften ging. Zunehmend gewinnt jedoch der „T-Shaped Professional“ an Bedeutung, der die Stärken des Generalisten und des Spezialisten in sich vereint.
Stellen Sie sich vor, Sie htten einen groen Garten. Vielleicht haben Sie den sogar. Umso besser! Stellen Sie sich zudem vor, Ihr Grtner wre beraus kompetent – sozusagen mit Ihren Pflanzen auf „Du und Du“. Und nun stellen Sie sich noch vor, Sie wrden gerne einen Koi-Teich anlegen. Wre Ihr Grtner dann der richtige Partner? Vermutlich nicht! Denn (nicht nur) bei Grtnern trifft man zumeist auf folgende beiden Spezies:

  1. Generalisten: Sie haben „auch schon mal etwas mit Teichen gemacht“. In punkto Wasserpflanzen glnzen sie aber mit Halbwissen. Und selbstverstndlich kennen sie die beliebtesten Teichbewohner nebst solch edlen Fischen wie Kois. Doch wie Teiche angelegt sein sollten, damit diese schwimmenden „Maybach“ darin gedeihen und sich vermehren, das wissen sie leider nicht. Trotzdem geben sie Ihnen gerne Rat.

  2. Spezialisten: Sie kennen alle Gartenblumen und jede Rosenart, nebst deren Merkmalen und Besonderheiten. Doch „rechts und links davon“ haben sie keine Ahnung. Wenn es um Teiche und deren Bewohner geht, sagen sie daher: „Davon habe ich keine Ahnung. Ich kann nicht fr alles Experte sein.“
Sowohl mit einem Generalisten als auch Spezialisten kommen Sie beim Anlegen eines Koi-Teichs nicht weit – zumindest dann nicht, wenn dieser auch gut in die Gartenlandschaft eingepasst sein soll. Hierfr brauchen Sie einen Grtner, der nicht nur das Grtner-Handwerk beherrscht. Er muss sich auch gut mit Gartenteichen und der Haltung von Kois auskennen.

Der Grtner sollte also ein Spezialist sein. Zugleich sollte er aber ber den Tellerrand „Fischteich ...“ oder „Garten anlegen“ hinausschauen knnen. Er  sollte also das erforderliche fachliche Tiefenwissen mit dem fr die Aufgabe ntigen Breitenwissen vereinen. „T-shaped“ nennen Bildungsexperten ein solches Qualifikationsprofil.

Wie viel Spezialwissen darf es sein?

Auch in der Informationstechnologie (IT) sind zunehmend Mitarbeiter mit einem entsprechenden Kompetenz- oder Qualifikationsprofil gefragt. Spricht man mit Personalverantwortlichen von Unternehmen, hrt man oft folgende Klage:  „Mit den Informatikstudium-Absolventen ist es stets dasselbe. Wenn die bei uns anfangen, sind sie zwar fit, was die Technik angeht. Aber von den Strukturen und Ablufen in Unternehmen haben sie null Ahnung. Auerdem bringen sie kaum Ideen ein. Und strategisches Denken? Fehlanzeige. Fr die reine Netzwerkadministration brauchen wir aber keine Akademiker. Ein gelernter Fachinformatiker liefert uns da dieselben Ergebnisse und kostet deutlich weniger.“

Die Unternehmen klagen also darber, dass die Kompetenz- und Qualifikationsprofile ihrer (jungen) IT-Fachleute oft eben nicht T-shaped sind. Sie sind entweder Generalisten, die salopp formuliert von allem ein bisschen Ahnung haben, oder Spezialisten – also streng fokussiert auf ein Gebiet wie zum Beispiel die Netzwerkadministration.

Das ist an sich nicht schlimm. Denn auch Generalisten und Spezialisten werden gebraucht – aber im Service-Zeitalter immer weniger. Unternehmen bentigen zunehmend Mitarbeiter, die die Vorzge beider Spezies in sich vereinen: sogenannte T-Shaped Professionals.

 Die Sache mit dem „T“

Dass knftig mehr (IT-)Mitarbeiter mit einem solchen Kompetenzprofil bentigt werden, erkannten einige Bildungs- und Personalverantwortliche schon vor fast 20 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt tauchte der Begriff „T-Shaped“ erstmals in der Fachliteratur auf. Und IBM legte bereits Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts seiner Mitarbeiterfrderung und -entwicklung das Modell einer „T-Shaped Career“ zugrunde.

Das Unternehmen IBM war es auch, das 2007 auf einer Konferenz Anwender fragte, was aus ihrer Warte fr das erfolgreiche Einfhren einer Service-orientierten IT-Architektur, kurz SOA, unabdingbar sei. Das Ergebnis: 68 Prozent der Befragten erachteten die Kombination von breiter Geschftserfahrung und umfassendem IT-Know-how als Schlssel zum Erfolg. Das heit, die mit der SOA-Einfhrung betrauten Mitarbeiter drfen keine reinen „IT-Cracks“ sein. Sie mssen auch Geschftsprozesse und technische Konzepte verstehen und – an einem Leitmotiv ausgerichtet - miteinander in Einklang bringen knnen.

Das erfordert eine Aus- und Weiterbildung, die ebenso in die Breite wie in die Tiefe geht. Welche Fcher hierbei die Breite darstellen und welche in die Tiefe gehend vermittelt werden sollten, hngt von der Schwerpunktsetzung des Einzelnen ab.

Hierfr ein Beispiel: Ein Workflow-Management-Experte verfgt ber ein vertieftes Expertenwissen (Tiefenwissen) in seinem informatischen Teilbereich. Darber hinaus sollte er ein breites Verstndnis (Breitenwissen) beispielsweise von Geschftsprozessen und Organisationsstrukturen haben. Erst hierdurch gewinnt er die Kompetenz, sein Spezialwissen mglichst effizient und effektiv einzusetzen. Das erhht auch den Wert seiner Arbeitskraft, denn dann erst ist sein Kompetenzprofil „rund“.

Sie sind dran: Ihr persnliches T-Shaping


In der „digitalen Welt“ gibt es nicht die IT-Fachkraft. Vielmehr tummeln sich dort Software-Entwickler und -Architekten, Netzwerkadministratoren, Analysten und zahlreiche andere. Die „IT-Welt“ ist also – bezogen auf die Berufe – fast eine Art Paralleluniversum zum Rest der Welt. Daraus ergibt sich, dass in der IT-Welt fr die verschiedenen Berufe ebenso unterschiedliche Anforderungen gelten wie in der Nicht-IT-Welt. Dennoch haben alle IT-Profile eines gemeinsam: Eine Spezialisierung ohne flankierende Interdisziplinaritt schafft weder dauerhafte Befriedigung, noch lsst sich hierauf eine (solide) berufliche Perspektive aufbauen. Hierfr vollziehen sich die Technologiesprnge im IT-Bereich zu schnell.

Doch wie knnen Sie Ihr Kompetenz-Profil entsprechend schrfen? Ein erster Schritt ist, dass Sie sich folgende Fragen stellen:
  1. Was ist mein persnliches „T“, also bezogen auf welche IT- Disziplin kann ich sagen, dass ich Experte darin bin? Und:
  2. Welches interdisziplinre Wissen und Knnen braucht es, um diese Fachkompetenz noch wirkungsvoller und erfolgreicher einsetzen zu knnen?
Ein Tipp: Tauschen Sie sich hierber auch mit (Nicht-)Kollegen aus. Denn manchmal sieht man aufgrund seiner fachlichen Fixierung den Wald vor lauter Bumen nicht.

Notieren Sie die Antworten auf einem Blatt Papier, und markieren Sie dann bitte von den bei Frage 2 aufgelisteten Kompetenzen diejenigen, die bei Ihnen (stark) optimierungsbedrftig sind. Und schon haben den ersten Schritt in Richtung T-Shaping getan – zumindest wenn Sie morgen damit anfangen, in den markierten Bereichen Expertise zu erwerben.

Elemente des Querbalkens, die fast immer passen

Beim T-Shaping, also bei dem Sich-Aneignen der Kompetenzen, die zu Ihrem Expertenwissen orthogonal stehen, sollten Sie beachten: Es gibt nicht den universellen Querbalken fr jedes mgliche T. Der passende Querbalken ergibt sich stets aus dem aktuellen und (angestrebten) knftigen Ttigkeitsfeld. Also sollten Sie aus dem vielen Qualifizierungsmglichkeiten, diejenigen auswhlen, die Ihnen den grten Nutzen bieten.

Die Erfahrung zeigt: Viele IT-ler messen, wenn es um das Entwickeln ihrer Kompetenz geht, dem Fach- und Faktenwissen eine sehr hohe Bedeutung bei. Sie unterschtzen jedoch, wie wichtig beispielsweise Kommunikation und Teamfhigkeit, also Teilbereiche der sogenannten Soft-Skills fr ihren beruflichen Erfolg sind. Auch die Bedeutung des Wissens ber Geschftsprozesse und Organisationsstrukturen wird vielfach unterschtzt; ebenso die Bedeutung eines fundierten Projektmanagement-Know-hows. Und noch ein Aspekt fllt oft „hinten runter“: die Branchenkenntnis und Felderfahrung. Dabei erwchst hieraus in der Regel erst das Gespr dafr, was in gewissen Anwendungsgebieten nicht nur IT-seitig gebraucht wird und was nicht.

Schenken Sie also den vorgenannten Kompetenzbereichen Ihr besonderes Augenmerk. Dann sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem richtigen Weg.
ZUM AUTOR
ber Prof. Dr. Elisabeth Heinemann
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Frau Prof. Dr. Elisabeth Heinemann hat seit 2007 an der Fachhochschule Worms einen Lehrstuhl für Schlüsselqualifikationen. Die promovierte Diplom-Wirtschaftsinformatikerin ist zudem Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmen ...
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Wilhelminenplatz 5
64283 Darmstadt

+49-6151-105876
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