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News, 07.08.2005
Bildung und Beruf
Mit Stärken und Schwächen bewusst umgehen
Unzufriedene Mitarbeiter weisen auf Führungsmängel hin. Interview mit Dr. Cay von Fournier, Inhaber des SchmidtColleg.)
Im letzten Jahrhundert waren in der Unternehmensfhrung Technik und Kapital entscheidend - in diesem wird es der Mensch sein. War in den 80er Jahren Strategie das dominierende Thema, in den 90ern Qualittsmanagement, so wird dies in den nchsten Jahren Fhrung sein, denn nur durch gute Fhrung wird Vernderung bewirkt. Es ist offensichtlich, dass in vielen Unternehmen diese wichtige Fhigkeit fehlt. Es wird sehr viel ber die Notwendigkeit der Vernderung geschrieben, jedoch wenig ber das „Wie“. Wer fhren will, sollte erkennen knnen, wo die Strken und Schwchen der Mitarbeiter liegen. Vor allem aber sollte er um die eigenen Mglichkeiten und Defizite wissen.

Welche Rolle spielt die Unternehmerpersnlichkeit heute?

Dr. Cay von Fournier: In einer Zeit des extremen Umbruchs und der zunehmenden Unstetigkeit nimmt der Mensch als Erfolgsfak-tor eine alles entscheidende Rolle ein. Das gilt erst recht fr die Fhigkeit, Menschen auch wirklich fhren zu knnen. Fhrung basiert auf gelebten Werten. Ich bin fest davon berzeugt, dass ethisch, also werteorientiert handelnde Unternehmen langfristig das Rennen um den entscheidenden „Erfolgsfaktor Mensch“ gewinnen und daher Erfolg haben werden. Unethisch handelnde Unternehmen machen vielleicht den schnelleren Profit, verlieren dabei aber die Menschen als Mitarbeiter und als Kunden.

Der „Erfolgsfaktor Mensch“ erfordert zufriedene Mitarbeiter. Und doch – es gibt sie auch, die unzufriedenen. Liegt da ein Fhrungsfehler vor?

Dr. Cay von Fournier: Oft, denn es gibt viele Chefs, gerade in kleineren und mittleren Unternehmen, die nicht zielstrebig fordern und frdern. Sie machen dabei vor allem den Fehler, sich nicht ausreichend mit den Strken der Mitarbeiter vertraut zu machen und sie auch nicht in berlegungs- und Entschei-dungsprozesse einzubeziehen. Am Ende wird dann etwa eine Vertriebsassistentin aufgrund ihres herzlichen Umgangs mit Menschen mit Presse- und ffentlichkeitsarbeit betraut und vielleicht sogar hierfr zu einem Seminar geschickt. Dabei ist sie mit dieser Entwicklung unglcklich und wre viel lieber im persnlichen Kundenkontakt geblieben, weil sie gern mit Menschen umgeht. Die Mitarbeiterin hat nun vielleicht mehr Verantwortung und Bedeutung – aber auf einem Gebiet, das weder ihrem Wunsch, noch ihren Strken entspricht. Unzufriedenheit zieht meist mangelnde Motivation, Lustlosigkeit oder gar die innere Kndigung nach sich. Wem ist damit gedient? Diese Fehlentscheidung lsst auf Mngel in der Fhrungsarbeit schlieen: Der Chef hat sich zu wenig oder die falschen Gedanken um die Mitarbeiterin gemacht. Bleiben die Fragen: Wie kam es zu dieser Entscheidung? Welche Instrumente zur richtigen Beurteilung der Mitarbeiter werden genutzt?

Liegt nicht die Frage nahe, ob der Chef vielleicht auch selbst zu wenig ber die eigenen Strken und Schwchen wei?

Dr. Cay von Fournier: Richtig ist, dass man bei der Vernderung eines Unternehmens am besten mit der Persnlichkeit des Chefs anfngt. Wie sehe ich mich? Wie sehen mich andere? Woraus ergeben sich Diskrepanzen? Wir machen die Erfahrung, dass sich viele ber sich selbst nicht allzu viele Gedanken machen. Aber es ist wichtig zu wissen, wie man „funktioniert“, welchen Denk- und Entscheidungsstil man bevorzugt. Ein sachlicher Managementstil ist gut, aber er berhrt und bewegt die Menschen nicht. Das „Herrmann Dominanz Instrument“, das wir in unseren Seminaren einsetzen, macht unter anderem deutlich, ob man eher der rationale oder der emotionale Typ ist. Ob man eher mathematisch, detailliert sinnesbetont oder ganzheitlich an Probleme herangeht. Nur wer sich kennt, bewusst mit Strken umgeht und an seinen Schwchen arbeitet, kann die Wirksam-keit der eigenen Fhrung optimieren. Einer unserer Kunden etwa bat um Beratung zur Erhhung der Mitarbeitermotivation – schon die ersten Gesprche zeigten den engen Zusammenhang zwischen Unternehmerpersnlichkeit und fehlender Be-geisterung im Team. Ein persnliches Coaching fr den Unter-nehmer war der erste Schritt zur Verbesserung der Situation.

Man kann also lernen, sich und andere richtig einzuschtzen?

Dr. Cay von Fournier: Selbstverstndlich. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich seinen eigenen Defiziten stellt und bereit ist, an diesen zu arbeiten. In unseren Seminaren sensibilisieren wir immer wieder dafr, wie sehr der Unternehmer selbst mit seinem Fhrungsstil und seinem Auftreten fr das Verhalten der Mitarbeiter mitverantwortlich ist. Seine Vorbildwirkung – positiv oder negativ – ist sehr gro. Ist die Bereitschaft da, an sich zu arbeiten, beginnt ein Prozess der Weiterentwicklung – auch des Unternehmens. Dabei geht es vor allem darum, die Wahrnehmungen des Unternehmers zu strken. Wie reagieren die Mitarbeiter auf mich und wie kommt das an, was ich sage? Man lernt auf Ton, Wortwahl und Krpersprache zu achten, bei sich und anderen. Man braucht ein wenig Geduld, wie immer, wenn sich etwas ndern soll – aber es lohnt sich. Bei diesem Training geht es aber nicht darum, sich zu verstellen, sondern sich authentisch weiterzuentwickeln. Fhrung basiert auf Charakter und eine Aufgabe fr jeden Menschen ist es, am eigenen Charakter zu arbeiten. Dies gilt umso mehr fr Menschen, die andere Menschen fhren wollen. Ein Unternehmer, der an sich arbeitet und am Ende selbstbewusst und doch feinfhliger mit den Mitarbeitern umgeht, gewinnt viel. Wem bewusst ist, dass man selbst Strken und Schwchen hat, besitzt auch eine feinere Antenne fr die Mglichkeiten der Mitarbeiter. Genau diese Bandbreite sollte beherrschen, wer verschiedene Persnlichkeiten eines Teams motivieren oder gar begeistern mchte.
ZUM AUTOR
ber SchmidtColleg GmbH & Co. KG
SchmidtColleg GmbH & Co. KG
Bückower Damm 114
12349 Berlin

+49-30-8478810
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