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Kolumne
Hamsterrad, 13.04.2010
Entrepreneurship
Karriere als Chef in der eigenen Firma
Gleich ob IT-Ass oder Marketing-Experte, Einzelhandel, Handwerk oder Gastgewerbe - Entrepreneurship (Unternehmertum) hat wenig zu tun mit Studieren von Ratgebern oder Besuchen kostspieliger Coaching-Seminare. Es kommt darauf an, seinen Job konkret als Berufung zu begreifen. Beim Unternehmer steckt das in den Genen, bei Angestellten ist es eine Frage der Sicht.

Die Gallup-Umfrage an der Princeton University besttigt, dass Glck in der Regel nichts mit Geld zu tun habe. „Im Gegenteil sind hufig solche Menschen am glcklichsten, die wenig im Portemonnaie haben“, sagt der konom Angus Deaton. Dafr sind ihnen andere Werte wichtig, die Gemeinschaft mit Familie und Freunden zum Beispiel. In Deutschland wurde zu Weihnachten das erste „Glcks-BIP“ verffentlicht. Im Auftrag der Initiative fr Soziale Marktwirtschaft fragten Forscher der Universitt Mnster nach neuen Variablen. Welche Faktoren beeinflussen die Lebenszufriedenheit von Menschen in der Wirtschaft 2010?

Gregor Landwehr arbeitet viel fr seine Karriere. Pfiffig genug ist er, die vielen Ups and Downs im Job zu meistern. Der Unternehmergeist war Landwehr nicht von Geburt mitgegeben. „Not macht erfinderisch“, sagt er stellvertretend fr seine Generation Praktikum. Mit Online-Marketing fr Sportvereine auf schwbischen Drfern hat sich der drahtige Typ selbststndig gemacht. Durch sein Magazin fr Golfsport kam auch der Spa an der Sache. „Auf einem Bein kann man ja schlecht stehen“, sagt Landwehr. Deswegen hat er sich gleich drei Standbeine aufgebaut und schafft nebenher als Rhetorik-Trainer. In seiner Tasche hat er alle drei Visitenkarten, je nachdem was grade gefragt ist. Meist zieht er die richtige Karte. Sieg und Niederlage liegen fr den Job-Akrobaten nah beieinander. „Manchmal muss ich immer noch um Auftrge kmpfen wie am ersten Tag“, erzhlt der junge Mann mit der markanten Brille. Der gelernte Bankkaufmann bringt viele Voraussetzungen fr eine Karriere mit. Ein Stipendium frs Studium, Auslandserfahrung und unternehmerische Erfolge.

Auch Christian Laase ist einer der sogenannten High Potentials. Als Absolvent der European Business School bei Frankfurt hatte er mehrere Jobangebote, vor der Wirtschaftskrise. Zwar schnitt er sich fr seine Karriere die Dreadlocks ab, doch die Piercings hngen trotzdem noch an seinem Ohr - gelegentlich. Er entschied sich gleich fr das Grnden einer Firma, verwirklichte damit seinen Traum. Statt einem Pinguin-Look im Dreiteiler luft er auch mal gerne barfu durchs Berliner Bro, dank der eigenen Firma. Individualitt, Verantwortung und Macher-Mentalitt sind ihm wichtiger als Kleidungsvorschriften. Durchstarten bedeutet fr ihn, weniger Kompromisse zwischen seiner Person und seinem Beruf machen. Privates und Berufliches will er nicht trennen, deswegen fhrt er nach Feierabend auch mal gerne mit einem Dutzend Kollegen Go-Kart oder spielt Paint-Ball.

Sorgen um den Arbeitsplatz oder finanzielle Sicherheit wrden die Laune verderben, sagen die konomen. Umgekehrt knnten diese auch Freude machen, in der Betriebswirtschaft ein beachtlicher Hebel um mit wenig Aufwand mehr Gewinn zu erreichen. Sie fragten reprsentativ nach, ob man mit seinem Arbeitsplatz zufrieden sei oder nicht. Auf einer Skala von 1-10, zwischen komplett unzufrieden und zufrieden, haben Unternehmer die letzten Jahre durchschnittlich eine 7 angegeben. Dieses Ergebnis berrascht, weil Deutschen im Ausland hufig eine griesgrmige Arbeits-Mentalitt nachgesagt wird. Hinzu kommen Nachwehen der geplatzten New Economy. Der Mensch lebt demnach nicht vom Brot, dem Bruttoinlandsprodukt allein. Die Erkenntnis der Arbeitskonomen erscheint auch fr Bibel-Leser plausibel.

In Bernhard Niesners vorherigem Job war es Alltag, frh auf der Matte zu stehen, im Dunkeln wieder nach Hause zu fahren, wenig Zeit fr Hobbies. Heute geht das Internetgeschft des zielstrebigen Wieners los, wann er will. Perfekt fr einen langen Arbeitstag. Aber nur, weil er seinen frheren Job gekndigt hat und nach Madrid gezogen ist. Durchstarten bedeutet eben auch rumliche Vernderung - und Weiterbildung. Niesner lernte nicht nur Spanisch sondern paukte weitere zwei Jahre fr einen MBA-Abschluss, der speziell fr Unternehmer, nicht Manager zugeschnitten ist. Mit seinem Internet-Startup verfolgt er auch soziale Ziele: Mitarbeitern einstellen.

Menschen wie Landwehr, Laase oder Niesner gelingt es, nah an sich selber zu sein. „Spa oder Freude kann ich im Arbeitsumfeld nur dann haben, wenn ich mit mir selber im Reinen bin“, sagt ein erfolgreicher Personaler. Frher hat er die Personalstrategie fr den Telekom-Konzern entwickelt. Heute wei er besser, was er will und was nicht: „Verantwortung fr mich selber bernehmen, meine Entscheidungen zwischen Leben und gelebt werden“. Seitdem arbeitet er im Mittelstand. Menschen wie er sind Risiken eingegangen, machen ihr eigenes Ding. Mainstream? Fr diese Menschen ist das ein Fremdwort.

ZUM KOLUMNIST
ber Jan Thomas Otte
Ob die einfache Putzfrau mit drei bis vier Nebenjobs, der Kleinunternehmer im Großstadt-Dschungel oder Banker an der Wall Street. Jan Thomas Otte begleitet Menschen in der Wirtschaft. Und das auf vielen Ebenen. Mit Reportagen vor Ort gelingt dem Journalisten ... mehr
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