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Kolumne
Hamsterrad, 29.12.2009
Beziehungen
Weihnachten kracht es am meisten
Wer sich anderen Menschen öffnen will, muss wissen wo er herkommt. Dazu braucht es Kraft, deren Quelle für viele Menschen auch 2000 Jahre nach Jesu Geburt im christlichen Glauben liegt. Lieben kann man, wenn man ein Ja zu sich selbst findet. Trotz Leistungsdruck und überzogenen Erwartungen Anderer. Vom Beten und Arbeiten mitten im Alltag…
Das Schreiben scheint dem vollbrtigen Mnch zwischen Klosterladen, Klausur und Kirche leicht zu fallen. Jeder Mensch sei ein Buch, solange er mit dem Herzen dabei ist, sagt er und lchelt. Anselm Grn schrieb 20 Jahre lang in seiner Abtei Mnsterschwarzach. Jede Woche motiviert und diszipliniert dienstags und donnerstags von sechs bis acht  in den Morgenstunden. Es war nicht das schnelle Feuerwerk. Spter wurde er mit seinen Bchern zum Bestseller-Autor, weit ber den christlichen Tellerrand hinaus.

Ein Kurs fr Manager bei Daimler schaffte den Durchbruch als Coach jenseits der Klostermauern. An seinem 65. Geburtstag, Anfang 2010, wird der Benediktiner-Pater auf 431 lieferbare Buchtitel zurck blicken. Seine Hauptbegriffe dabei? „Demut, Weisheit und Lebensmitte“ sagt er schchtern. Doch das nicht wegen katholischer Dogmatik, sondern „aus einer tiefen Gottesfurcht heraus“, schiebt der Alt-68er nach. Diese Begriffe klingen fremd, verstaubt in unserer skularisierten Gesellschaft. Laut Studien wie dem Religionsmonitor von Bertelsmann, Shell-Jugend oder Sinus-Milieus entdecken wir wieder unsere religisen Wurzeln.

Damals rangen die Mnche um einen neuen Fhrungsstil. Pater Anselm versuchte das mit dem Studieren von C.G. Jung zu verstehen, beschftigte sich mit dessen Psychologie. „Wollte dann aber schnell zurck zu den christlichen Wurzeln“, sagt Grn. Sein Ordensbruder Willigis Jger, ebenfalls Bestseller-Autor, vertritt nach eigenen Angaben eine „transkonfessionelle“ Spiritualitt. Anselm Grn dagegen kommt es auf Jesus Christus, die persnliche Seite Gottes an. Von einem Verschmelzen der Kulturen hlt er nichts. Grn erreicht vor allem kirchenfernes Publikum. Konservative Christen kritisieren ihn dagegen fters fr seine warmen Worte, einen Kuschel-Kurs. Pater Dr. Mauritius Wilde, Verleger vom 4 Trme Verlag war berrascht als der Mnch whrend des letzten Besuchs des Dalai Lahmas vor Bankern in Frankfurt seinen Zuhrern klar machte, dass niemand um Jesus Christus herumkomme. Er kann also auch anders, klar und deutlich – und eben auch mal provokativ.

In seinen Bchern zitiert er Worte der Bibel und des Heiligen Benedikts, aber auch Weisheiten der Wstenvter mit schnen Fotos. Das kommt gut an: Menschen einladen zum Weg, einer Beziehung mit Gott. Die Themen Angst, Depression und Emotion werden die nchsten Jahre immer mehr die Bcherregale fllen. Warum? Ganz gleich ob die Beziehung zwischen Kindern und Eltern, Eheleuten, Angestellten und Vorgesetzen. In der Bibel (1. Korinther 13) steht bereits geschrieben, dass die Liebe erkalten wird. Statt aber schwarz zu malen steht auch drin, wie wir uns liebenswrdiger verhalten knnen. Jesus Christus hat uns vorgelebt, dass Liebe kein frommer Kitsch ist. Frmmigkeit knne eine Beziehungs-Unfhigkeit sogar berspielen, mahnt der Benediktiner-Pater.

Menschen scheinen sich nach Seelsorge und Lebenshilfe zu sehnen, sonst wrden sich seine Bcher nicht wie warme Semmeln verkaufen. Wie verhalten sich Psychologie und Theologie? Die Begegnung mit dem persnlichen und bernatrlichen Gott ist durch nichts zu ersetzen. Im Gebet schpfen die Mnche in Klstern wie Mnsterschwarzach nicht nur Ruhe und Zufriedenheit. Auch ngste und Sorgen kommen zur Sprache. „Depression ist ein innerer Hilfeschrei“, sagt der Pater. Ihre Wurzeln wrden meist pathologisiert, nur auf krperliche Ursachen zurckgefhrt. Dabei geht es darum, eine echte Work-Life-Balance zu finden.

Wir mssen aufpassen, dass dieses Mode-Wort seinen Sinn erfllt. Nmlich ein Abschalten-Knnen von dem Druck der Erwartungen anderer, der Leistung. Nur durch Nein-Sagen knnen wir langfristig Beziehungen aufbauen, sich auch mal abgrenzen knnen. So machen das die Mnche seit ihrer Grndung. Ihr Motto lautet „Ora et Labora“, Bete und Arbeite. Die Sehnsucht nach Gott, Philosophen nannten es auch die Idee des Guten, sie steckt in jedem von uns. Doch bin ich emotional auch durchlssig? Oder tue ich nur so?
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ber Jan Thomas Otte
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