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Was zähmt die scheinbar Unzähmbaren? Die EU und die Spekulanten

Kommentar von Oliver W. Schwarzmann Die freie Evolution des Finanzmarktes bringt nach dem Vorbild der Natur ausschließlich überlebensfähige, sprich: vermarktungsfähige Produkte hervor. Aus Sicht des Marktes verdient sich also jedes Produkt ...
(PM) Waiblingen, 21.05.2010 - Die freie Evolution des Finanzmarktes bringt nach dem Vorbild der Natur ausschließlich überlebensfähige, sprich: vermarktungsfähige Produkte hervor. Aus Sicht des Marktes verdient sich also jedes Produkt letztlich durch seine Akzeptanz bei Kunden die notwendige Daseinsberechtigung. Nicht die Produkte sind das Problem, sondern die Haltung der Investoren. Ein Produktverbot verändert die Spielsteine, nicht jedoch das Spiel selbst.
Der effektive Weg, um gefährliche Produkte vom Markt fernzuhalten, liegt nicht darin, sie zu verbieten, sondern sie unattraktiv zu machen. Belegte man also Hochrisikoprodukte mit einer Hochrisikoabgabe, würden sie schnell vom Markt verschwinden, quasi wie von selbst. Man denke dabei nur einmal an den Boom ostdeutscher Immobilien in den 1990er Jahren, der ebenfalls zweifelhafte Triebe trug – nach dem Ende der Sonderabschreibung brach der Markt wegen eingetretener Unattraktivität in sich zusammen. Die Immobilienspekulanten zogen sich so schnell zurück, wie sie am Markt aufgetaucht waren.

Es gibt nichts Schlimmeres für Spekulanten als unattraktive Märkte. Um dem heißen Spiel auf dem Finanzmarkt die Attraktivität zu rauben, gibt es aus meiner Sicht vier Optionen:

Erstens - die Verteuerung: Die geht auf Kosten der Rendite und wird daher von Spekulanten gemieden. Selbst eine zunächst nicht im globalen Stil, aber auf europäischer Ebene eingeführte Hochrisikoabgabe für Hochrisikoprodukte würde früher oder später Nachahmer finden – schon aus Selbstschutzgründen. Und sie hätte aus meiner Sicht keine Nachteile für den europäischen Finanzmarkt – den Verlust an nachhaltigen, internationalen Investoren aus Gründen verteuerter Finanzrisikoprodukte bezweifle ich, denn diese folgen letztlich nur zukunftsweisenden Wachstumschancen. Auch dem Fernbleiben von Risikoproduktanbietern können wir gelassen entgegen sehen – sie werden schnell mit verbesserten Produkten auf den europäischen Markt kommen, weil sie auf dessen Kapitalmacht und Anlagepotenzial nicht verzichten wollen. Die Entscheidung, welche Produkte mit hohem Risiko behaftet sind und welche nicht, müsste die bereits andiskutierte EU-Ratingagentur übernehmen, welche nicht nur mit den europäischen Strukturen besser vertraut wäre, sondern auch ein notwendiges Gegengewicht zu den US-Ratingfirmen bilden würde.

Zweitens – Eigenkapital fordern: Hinter den meisten Spekulationen stecken
Absichten, aber kein wirkliches Geld. Viele Spekulanten würden sich vom „Spiel mit eigenem Einsatz“ fernhalten.

Drittens – das drohende Aus: Gläubiger, die die Finanzierung von Unternehmen oder die von Ländern mit hohen Zinsen belasten, müssen im Risiko stehen, eigenes Geld zu verlieren. Das erhöht die Sensibilität und Verantwortung. Angeschlagene Länder über eine Insolvenz abzuwickeln, kann ein gangbarer Weg aus der Schuldenmisere sein – sofern der Insolvenzverwalter etwas taugt. Eine Insolvenz ist, richtig genutzt, die Chance auf einen produktiven Neubeginn. Ein Ausschluss aus der Eurozone wäre allerdings ein solidarisches Fehlsignal.

Viertens – die Unabhängigkeit: Nur diejenigen Unternehmen und Länder, die auf Kredite vom Finanzmarkt angewiesen sind, werden zu dessen Spielball. Bereits das „Angewiesensein“ ist schon ein Handicap – wie jeder weiß, der ausgerechnet im Augenblick finanzieller Not bei seiner Bank um Kredit nachfragt.
Gäbe es für EU-Staaten eine finanzmarktunabhängige Finanzierungsmöglichkeit wären die Spekulanten bei ihren Griechenland-Wetten ins Leere gelaufen.
Und der Euro wäre unangetastet geblieben – denn er hätte sich auf den Zusammenhalt der EU-Länder gestützt, deren gigantische, gemeinschaftliche Wirtschaftskraft und auf die damit verbundene Unabhängigkeit von Spekulantengeld. Deshalb halte ich die Idee eines EU-Währungsfonds für richtig, der die EU-weite, gegenseitige Länderfinanzierung unabhängig von Markt und nationalen Interessen koordiniert. Die dadurch geschaffene Finanzierungsstabilität stellte eine EU-Bonität dar, die nicht so schnell zu erschüttern wäre. Rettungspakete und –schirme, die wiederum schlechte Zeichen für den Markt sind, bräuchte es nicht.
Nicht nur das: Dieser Institution würde auch die Aufgabe der von mir zuvor angesprochenen, produktiven Insolvenzverwaltung zufallen.
Und: Diese Einrichtung und ihre Leistungsfähigkeit müssten Ausdruck sein für die europaweite Solidarität inklusive einer gemeinschaftlichen Identitätsbildung, was sich in einem von mir immer wieder beschworenen, starken EU-Selbstbewusstsein kulminieren würde.

weiter auf www.oliver-schwarzmann.de
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ÜBER OLIVER SCHWARZMANN

Oliver W. Schwarzmann ist Publizist und Kommentator für internationale Zukunftsentwicklungen in Wirtschaft, Finanzmärkten und Unternehmen. Der ehemalige Banker und heutige Vorstand der Bley und Schwarzmann AG beschäftigt sich mit der ...
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