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Pressemitteilung

Sinn und Unsinn von Phytoöstrogenen

(PM) , 15.03.2007 - (fet) - Häufig berichten Studien über die positiven Auswirkungen von Phytoöstrogenen in Sojabohnen in Hinsicht auf verschiedene Erkrankungen. Doch welchen Beitrag leisten sie wirklich dazu? Ein kritischer Bericht der Nutrition Society betrachtet aktuell die große Anzahl der Veröffentlichungen über die möglichen positiven Effekte der Sojabohneninhaltsstoffe. Chemisch betrachtet gehören die Phytoöstrogene zu den Polyphenolen. Sie besitzen jedoch eine den Östrogenen ähnliche molekulare Struktur und sind daher in der Lage an die für Östrogene speziellen Rezeptoren zu binden. Dies befähigt die bioaktiven Substanzen zu einer, in geringem Maße, hormonellen Aktivität. Studien konnten einen Zusammenhang zwischen Sojainhaltsstoffen und hormonabhängigen Krebserkrankungen wie Brust- und Prostatakrebs aufweisen. Dabei korrelieren hohe Phytoöstrogen-Konzentrationen im Plasma mit einem verringertem Brustkrebsrisiko, jedoch ließ sich im Großteil der Untersuchungen keine Auswirkung von Phytoöstrogenen hinsichtlich der Brustkrebsentstehung beobachten (2). In asiatischen Ländern, in denen Soja Bestandteil einer traditionellen Ernährung ist, treten Krebserkrankungen weitaus seltener auf, als in westlichen Industrieländern (1, 5). Neben den möglichen Auswirkungen auf das Krebsrisiko soll der regelmäßige Verzehr von Sojaprodukten auch einen positiven Effekt auf die Lipidwerte im Blutplasma besitzen. Den Studienergebnissen zufolge scheint jedoch lediglich der Konsum der gesamten Sojabohne beziehungsweise daraus hergestellte Lebensmittel sich positiv auf die Lipidkonzentration und damit auf ein mögliches kardiovaskuläres Risiko auszuwirken. Isolierte Sojainhaltsstoffe oder Sojaextrakte zeigen diese Wirkung nicht (6). Weiter deuten erste Hinweise darauf hin, dass bei südostasiatischen Frauen ein selteneres Auftreten von Osteoporose vorliegt. Demzufolge können Sojabohnen unterstützend im Rahmen einer Osteoporoseprävention wirken. Auch für Sojabohnenextrakte, die bei Frauen nach der Menopause die typischen Symptomen lindern sollen, gibt es laut Aussage der Nutrition Society bisher nur begrenzt Hinweise für deren Bedeutung (2). Lediglich die Reduzierung von Hitzeschüben scheint bei einer regelmäßigen Aufnahme von Sojaprodukten gesichert zu sein (3, 4). Insgesamt kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass mögliche positive Wirkungen allenfalls beim Verzehr der gesamte Sojabohne bzw. den daraus hergestellten Produkten auftreten. Bei der Aufnahme von isolierten Sojabohneninhaltsstoffen und -extrakten zeigte sich meist keine Wirkung. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es zwar zahlreiche Studien, die über mögliche gesundheitliche Auswirkungen berichten, aber keine aussagekräftigen Nachweise liefern. 2.788 Zeichen Redaktion: Marco Wenning Literatur: 1) Kulling E., Watzl B: Phytoöstrogene. Ernährungsumschau. 2003; 03, S 234 2) Cassidy A, et al.: A critical review of health effects of soybean phyto-oestrogens in post-menopausal women. Proceedings of the Nutrition Society. 2006; 65, S 72-92 3) Albertazzi P, Pansini F, Bonaccorsi G, et al.: The effect of dietary soy supplementation on hot flushes. Obstetrics and Gynecology. 1998; 91, S 6-11 4) Baber RJ, Templeman C, Morton T, et al.: Randomized placebo-controlled trial of an isoflavone supplement and menopausal symptoms in women. Climateric. 1999; 2, S 85-92 5) Herman C, et al.: Soybean Phytoestrogen Intake and Cancer Risk. J. Nutr. 1995; 125, S 757-770 6) Puska P, Korpelainen V, Hoie LH, et al.: Soy in hypercholesterolaemia: a double-blind, placebo-controlled trial. European Journal of Clinical Nutrition. 2002; 56, S352-357
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