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Kolumne
Beraten und verkauft, 29.06.2010
Beratermarkt
Wenn Steuer- und Unternehmensberatung Hand in Hand gehen
Auch die Gilde der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer steht unter (Preis-)Druck. Deshalb sucht sie nach neuen Geschäftsfeldern und sieht diese häufig in der Managementberatung. Dadurch erwachsen für die klassischen Unternehmensberater neue Mitbewerber – mit denen es sich lohnen könnte zu kooperieren.
„Sinkende Preise, der Zwang zu mehr Internationalisierung, neue Wettbewerber: Der Beraterzunft droht ein harter Ausleseprozess“ – das schreibt das ManagerMagazin in seiner Juli-Ausgabe. Berichtet wird, dass die großen Beratungskonzerne – von McKinsey bis Roland Berger – aktuell ihre Strategien überdenken und zwar nicht nur, weil ihre Kunden zunehmend den Nutzen ihrer Leistung und ihre Preise hinterfragen. Hinzu kommt: Sie spüren laut ManagerMagazin, dass neue Wettbewerber in ihren Markt drängen  – und zwar solche Wirtschaftsprüfungsgiganten wie Pricewaterhouse-Coopers (PwC ) und Ernst & Young. Denn diese stehen in ihrem Kerngeschäftsfeld, der Bilanzierung von Unternehmen, unter einem hohen Konkurrenz- und Margendruck. Deshalb wollen sie sich im Bereich Managementberatung neue Märkte erschließen. Und hierfür werben sie unter anderem den klassischen Beratern gezielt Spitzenkräfte ab.

Dass dies die Beratungskonzerne beunruhigt, ist verständlich. Denn die Chancen, dass die Wirtschaftsprüfungskonzerne mit ihrer Strategie erfolgreich sind, stehen nicht schlecht. Aus folgendem Grund: Da die Wirtschaftsprüfer die Bilanzen ihrer Kunden testieren, kennen sie auch deren Zahlen. Also wissen sie auch, wo deren Schwachstellen liegen und wo Handlungsbedarf besteht. Was liegt da näher als den Kunden, sei es selbst oder über Tochterfirmen oder Kooperationspartner zu offerieren: Wir helfen Euch beim Lösen des Problems.

„Was geht das mich an?“ Das mag manch Managementberater denken, der mit seinem Unternehmen nicht in der Champions League der Consulting-Unternehmen spielt. Doch Vorsicht! Nicht nur die Wirtschaftsprüfungskonzerne sind auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern, sondern auch deren mittelständische Berufskollegen. Wer die Webseite einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder Steuerberatungskanzlei aufsucht, wird heute bereits in der Rubrik „Leistungen“ zumeist auch das Angebot „Unternehmensberatung“ finden (ähnlich ist dies bei fast allen Rechtsanwaltskanzleien, die sich auf das Themenfeld Wirtschaftsrecht spezialisiert haben). Das heißt: Auch die kleinen und mittleren Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerberatungskanzleien sehen in der Unternehmensberatung für sich einen Zukunftsmarkt. Zwar beschränkt sich ihr Beratungsangebot heute noch weitgehend auf die kaufmännische und (finanz-)strategische Beratung. Doch was spricht dagegen, dass sie auch andere Leistungen ihren Klienten anbieten?

Das heißt, auch den kleinen und mittleren Unternehmensberatungen erwächst hier Konkurrenz – und zwar eine ernstzunehmende Konkurrenz. Denn der Vorteil der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist: Sie haben, da sie oft schon seit Jahren nicht nur die Jahresabschlüsse für ihre Klienten erstellen, sondern diese auch bei der Buchhaltung und Lohnabrechung unterstützen, eine gewachsene Vertrauensbeziehung zu ihren Kunden. Zudem kennen sie deren betriebswirtschaftliche Zahlen. Und ein weiterer Faktor sollte nicht übersehen werden: Die meisten Wirtschaftsprüfer sowie Steuerberater sind wie die Geschäftsführer und Inhaber der Unternehmen „Zahlenmenschen“. Sie sprechen also viel stärker als manch Managementberater deren Sprache.

Das ändert nichts daran, dass den meisten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerberatungskanzleien gewiss aktuell noch die Kompetenz fehlt, um zum Beispiel (kulturelle) Change Management-Projekte zu planen und zu steuern; des Weiteren, um die Mitarbeiter ihrer Klienten zu schulen. Doch noch fehlende Kompetenzen kann eine Organisation auch aufbauen. Deshalb sollten kleine und mittlere Unternehmensberatungen eventuell einmal darüber nachzudenken, ob es nicht sinnvoll wäre, mit entsprechenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerberatungskanzleien Kooperationen aufzubauen – nicht nur, weil die einen anderen Zugang zu ihren Zielkunden haben.
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Über Bernhard Kuntz
Bernhard Kuntz ist ein ausgewiesener Kenner des Bildungs- und Beratungsmarkts aufgrund seiner Tätigkeit als Redakteur des Fachmagazins 'management & seminar' (1989 bis 1992) und seiner über 15-jährigen Arbeit als Fachjournalist für Personal- und ... mehr
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