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Fachartikel, 18.04.2018
Unzufriedenheit ist heilbar
Wie Unternehmen die Mitarbeiterzufriedenheit steigern können
Unzufriedene Mitarbeiter schlagen für Unternehmen teuer zu Buche. Durch die Arbeit an aktuellen Problemstellungen lässt sich die Mitarbeiterzufriedenheit allerdings erheblich verbessern.

In Sachen Mitarbeiterzufriedenheit gilt allgemein die Regel: Je grer das Unternehmen, desto grer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter unzufrieden sind. Dabei uert sich dies oft nicht in konkreten Aussagen, sondern in schwer fassbaren Beschwerden.

Probleme mit der Unternehmenskultur

Dass erhhte Krankheitsraten und mangelnde Motivation in Unternehmen eine Ursache in beruflicher berlastung haben, wird jedes Jahr durch neue Studien belegt. Was diese Spirale oft hervorruft oder weiter nach oben treibt, ist die mangelnde Identifikation von Menschen mit ihrem Betrieb. Stress wird als viel strender empfunden, wenn die Unternehmenskultur scheinbar brach liegt. So motivierend ein gutes soziales Umfeld im Beruf ist, so demotivierend ist, wenn man mit Vorgesetzen, Kollegen oder Mitarbeitern nicht zurechtkommt. Probleme dieser Art sind jedoch schwer zu fassen, weil die Beschwerden oft diffus und nicht direkt greifbar sind.

Lsungsansatz Gemeinsamkeit


Ein Lsungsansatz ist, nicht fassbare Probleme mit fassbaren zu lsen. Dafr muss ein Ventil im Unternehmen geschaffen werden, in dem Mitarbeiter die Mglichkeit haben, ihre Beschwerden frei zu formulieren, ohne dafr kritisiert zu werden. Die international erprobte Managementmethode von Prof. Adizes schlgt hier z.B. einen Rahmen vor, bei dem in festgelegten Zeitabstnden solche Mglichkeiten geschaffen werden. Alle Mitarbeiter einer Organisationseinheit knnen dabei alles sagen, was sie strt, ohne dafr belangt oder kritisiert zu werden. Auch Diskussionen finden in der ersten Phase noch nicht statt, die Punkte werden gesammelt, priorisiert und zu einem spteren Zeitpunkt gelst. Alle genannten Punkte werden in 6 Kategorien aufgeteilt.

Sechs Stufen der Unzufriedenheit

Drei Kategorien befassen sich mit der Unternehmenskultur: Kategorie 1 betrifft Unstimmigkeiten mit dem Unternehmen, Nr. 2 Probleme mit Vorgesetzen und 3 Strungen im Verhltnis mit Kollegen und Mitarbeitern. Klassische Beispiele sind „Ich glaube nicht, dass ich morgen meinen Arbeitsplatz noch habe“ oder „Mein Chef bergeht mich“ oder „Die Kollegen schneiden mich“. Dies sind alles Aussagen, die keinen konkreten Bezugspunkt haben und deshalb schwer zu lsen sind. Die Kategorien 4, 5 und 6 dagegen befassen sich mit praktischen Verbesserungspotentialen.

Sie gehen von internen Beschwerden ber Schwierigkeiten mit Geschftspartnern bis hin zu Problemen im persnlichen Umfeld. Beispiele dafr sind „Unser Lager ist nicht aufgerumt“ „Wir liefern dauernd falsche Ware aus“ bis zu „Ich schaffe meine Arbeit nicht mehr“. Wenn bei einem Treffen der Mitarbeiter alle diese Punkte gesammelt und eingestuft sind, werden sie zusammengefasst und von allen in ihrer Bedeutung gewichtet und anschlieend geklastert.

Aufbau eines Verbesserungssystems


Die gesammelten Punkte sind nun die Basis fr den Aufbau eines Verbesserungssystems. Ausgewhlte Mitarbeiter aus allen Abteilungen arbeiten in regelmigen Treffs die Punkte ab. Man beginnt mit Kategorie 6, weil hier am schnellsten Verbesserungen wirksam werden und arbeitet sich systematisch vor. 80% der Lsungen sind dabei mit gesundem Menschenverstand machbar, nur bei wenigen Projekten braucht man externe Spezialisten.

Der Lsungsfortschritt wird so dokumentiert, dass alle Mitarbeiter jederzeit sehen knnen, wie sich das Verbesserungssystem entwickelt. Die Punkte werden solange bearbeitet, bis das nchste Treffen aller Mitarbeiter stattfindet. Dann entsteht durch Aussagen der Mitarbeiter eine neue Liste, die die Grundlage fr die zuknftige Arbeit bildet. Die alte Liste wird jetzt nicht mehr bentigt. Ist das Problem aus dem Vorjahr gelst, wird es nicht wiederauftauchen. Ist es nicht gelst, ist der Punkt wieder dabei oder er war nicht wichtig.

Jhrlich meckern

So ein System schafft ein Ventil fr Mitarbeiterbeschwerden. Durch die gemeinsame Arbeit an den „fassbaren“ Problemen steigt das Vertrauen in Kollegen, Chefs und das Unternehmen selbst und die Unternehmenskultur verbessert sich. Beschwerden in diesem Zusammenhang werden zurckgehen. Auch permanente Meckerei wird zurckgehen, weil es eine systematische Vorgehensweise gibt, um Probleme im Unternehmen zu besprechen.

Natrlich kostet eine solche Lsung Zeit, aber das wird durch eine zuknftig bessere Zusammenarbeit mehr als wieder hereingeholt. Das Resultat ist Vertrauen in Kollegen und Vorgesetzte, ein besseres Miteinander und mehr Zufriedenheit fr den einzelnen Mitarbeiter. Diese Zufriedenheit fhrt zu mehr Spa an der tglichen Arbeit, weniger Stress und damit verbundene Krankheiten und nicht zu vergessen zu mehr Effektivitt frs Unternehmen.

Bild: Arbeitgeberverband Gesamtmetall / flickr; Lizenz: CC BY 2.0

ZUM AUTOR
ber Helmut König
Königskonzept
Helmut König ist Geschäftsführer von Königskonzept. Königskonzept ist ein Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt Vertrieb und Organisation. Zu den Schwerpunkten werden zusätzlich entsprechende Seminare und Vorträge entwickelt und durchgeführt.
Königskonzept
Mittelstr. 19
35516 Münzenberg

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