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Fachartikel, 15.12.2015
Fördern, motivieren, binden
Maximen individueller Führung
Mitarbeiterführung ist eine hohe Kunst, die gerade im Mittelstand zum Erfolgsmotor werden kann. Aber nur, wer seine Mitarbeiter kennt und ihre Leistungsbereitschaft und -fähigkeit richtig einschätzt, kann zielführend auf sie eingehen und mit ihnen die besten Ergebnisse erreichen.
„Ich wollte eigentlich immer nur zwei Hnde, bekommen habe ich aber immer ganze Menschen.“ Wie Henry Ford richtig erkannte, mssen Fhrungskrfte bei ihren Mitarbeiter immer den ganzen Menschen im Blick haben, der von verschiedenen Motiven angetrieben wird.

Sicher haben Sie selbst schon lngst erkannt, dass Ihre Mitarbeiter nicht alle gleich stark sind. Manche sind sehr motiviert, arbeiten schnell und schrecken auch vor kniffeligen Aufgabenstellungen nicht zurck. Andere lassen zwar das kreative Potenzial vermissen, leisten aber verlssliche Arbeit und bilden so die soliden Sttzen des Unternehmens. Sie erfllen die Anforderungen an ihre Position meistens gut, manchmal weniger gut. Was glauben Sie, wie sich die Leistungsfhigkeit Ihrer Mitarbeiter verteilt? Statistiken belegen, dass die Verteilung der Gau‘schen Normalverteilung folgt. Demnach haben es Fhrungskrfte meist mit drei verschiedenen Arten von Mitarbeitern zu tun. An der Spitze stehen die Stars, die selbststndig arbeiten und keine intensive Anleitung bentigen. Sie machen nur 10% des gesamten Teams aus, stellen jedoch das geistige und kreative Potenzial des Unternehmens dar. Zahlenmig in der Mehrheit sind die sogenannten Workhorses – sie sind motiviert und erfllen zuverlssig die ihnen bertragenen Aufgaben. Hinsichtlich ihres Potenzials stoen sie jedoch an Grenzen. Zu ihnen gehren rund 70% Ihrer Belegschaft. Das Schlusslicht bilden mit 20% die sogenannten Deadwoods, die Sie in erster Linie nur Geld kosten. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter, die ihre Aufgaben weder in guter Qualitt erfllen knnen noch wollen. Sie haben im Grunde genommen lngst innerlich gekndigt.

Wahrscheinlich haben Sie den Anteil Ihrer Topleute hher eingeschtzt, whrend Sie von viel weniger Minderleistern ausgegangen sind, oder? Die Tatsache, dass in den meisten Unternehmen 20% Deadwoods zu finden sind, wirkt erst einmal erschreckend. Jedoch sind in der Regel auch kleinere Unternehmen in der Lage, einen gewissen Anteil an nicht wirklich wertschpfenden und produktiv arbeitenden Menschen zu verkraften. Kritisch wird es, sobald die Anforderungen steigen. Das kann etwa der Fall sein, wenn technologische Innovationen auftreten, Wettbewerber agiler oder offensiver vorgehen oder wenn es zu Vernderungen im Markt kommt. Um dann entsprechend gegenhalten zu knnen, ist es entscheidend, dass Sie die unterschiedlichen Bedrfnisse Ihrer Mitarbeitertypen erkennen und in der Lage sind, diese individuell zu fhren und zu frdern.

Hochleister richtig fhren

Einen Star richtig zu fhren ist nur auf den ersten Blick einfach. Viele Unternehmer begehen den Fehler, dass sie Ihre Topkrfte „einfach laufen lassen“ und ihrer Leistung viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Hand aufs Herz – sicher ist Ihnen das auch schon passiert. Stellen Sie sich einmal vor, Sie htten zwei Kinder. Eines schreibt nur gute Noten – das andere tut sich schwer und luft Gefahr, eine Klasse wiederholen zu mssen. Welchem Kind wrden Sie wohl fter ber die Schulter sehen und es fr seinen Einsatz loben? Stars werden oft vernachlssigt, weil sie sehr selbststndig sind, man sich auf sie verlassen kann und sie anscheinend gar keine Frderung bentigen. Dabei brauchen auch sie Anreize, um bestndig auf diesem hohen Level weiterzuarbeiten.

Was Sie tun knnen, um Ihre Stars zu motivieren:

  • bertragen Sie ihnen die Verantwortung fr komplexe Aufgabenprozesse. Damit signalisieren Sie, dass Sie ihnen vertrauen und von ihren Fhigkeiten berzeugt sind. Je kniffeliger die Aufgaben sind und je mehr eigenstndiges Denken gefordert ist, umso besser.
  • Stellen Sie es Ihren Stars frei, wie sie das Ziel erreichen. Lassen Sie ihnen daher viel Handlungsspielraum, sodass sie eigenstndige verantwortungsvolle Entscheidungen treffen knnen.
  • Signalisieren Sie, dass Sie Interesse am Fortschritt der Aufgaben haben. Daher sollten Sie regelmige Rckmeldegesprche vereinbaren, in denen der Star seine Vorgehensweise und den Zwischenstand des Projektes schildern kann. So haben Sie den berblick und gleichzeitig auch die Mglichkeit, dem Star die ntige Aufmerksamkeit zu geben.
  • Um Ihre Stars langfristig an Ihr Unternehmen zu binden, sollten Sie ihnen entsprechende Perspektiven aufzeigen. Besteht die Mglichkeit, eine neue Position anzustreben, die eine Erweiterung des Kompetenzspektrums und der Verantwortlichkeiten mit sich bringt? Solche Ziele sind langfristige Motivatoren fr Ihre Leistungstrger.
Vorsicht Fhrungsfalle: Die hohe Leistungsbereitschaft und -fhigkeit von Stars kann dazu verleiten, ihnen zu viele Aufgaben zu bertragen. Hier ist Vorsicht geboten, denn berlastung erzeugt auf Dauer Demotivation.

Workhorses richtig fhren

Die Workhorses sind Ihre fleiigen und zuverlssigen Arbeiter. Sie bilden die Mehrheit Ihres Teams und sind gewissermaen das Rckgrat Ihres Unternehmens. Sie sind ebenfalls hoch motiviert und haben keine Schwierigkeiten, die ihnen bertragenen Aufgaben zu erledigen. Sie mchten jedoch keinen Sprung ins kalte Wasser machen, sondern lieber ihren bekannten Pfaden folgen. Sie haben durchaus das Potenzial, sich und ihre Fhigkeiten weiterzuentwickeln – hier braucht es nur die richtige Herangehensweise, um sie Schritt fr Schritt an eine komplexere Aufgabe heranzufhren.

So erhalten Sie sich die Treue Ihrer Workhorses:

  • Workhorses brauchen klar definierte Vorgaben und wollen nicht auf gut Glck vor sich hinarbeiten. Geben Sie ihnen genau vor, mit welchen Ressourcen, mit wessen Untersttzung und bis wann das gesetzte Ziel erreicht werden soll.
  • Lassen Sie Ihre „Durchschnittsleister“ nicht mit ihren Aufgaben alleine, sondern vereinbaren Sie regelmige Feedbackschleifen. So fhlen sie sich bei der Ausfhrung sicher und bauen nach und nach greres Vertrauen in die eigenen Fhigkeiten auf.
  • ben Sie konstruktive Kritik: Wenn Sie dem Mitarbeiter ein klares Bild davon geben, wo er steht, wo Sie seine Schwchen, aber auch seine Strken sehen, geben Sie ihm die Mglichkeit, ein realistisches Selbstbild zu entwickeln. So kann er seinen eigenen Lernbedarf erkennen und gleichzeitig seine Chancen entdecken.
Vorsicht Fhrungsfalle: Ihre Workhorses bringen konstante und zuverlssige Arbeitsleistung im beruflichen Alltag. Nicken Sie diese nicht einfach ab und nehmen Sie die Leistung nicht fr selbstverstndlich. Loben Sie und frdern Sie den Ehrgeiz Ihrer Mitarbeiter, um sie bestndig zu motivieren und ihre Kompetenzen zu festigen und auszubauen.

Wie Sie mit Deadwoods richtig umgehen

Nicht knnen ist nicht schlimm – nicht wollen jedoch inakzeptabel: Deadwoods sind jene Mitarbeiter, die ihre Aufgaben weder in guter Qualitt erfllen knnen, noch wollen. In der Regel werden sie nicht als solche eingestellt, sondern haben meist im Laufe der Zeit ihr Wollen immer mehr eingeschrnkt und sind nicht mehr motiviert, dazuzulernen. Sie haben innerlich gekndigt und schaden Ihnen mehr, als sie nutzen.

So werden Sie Herr ber Ihre Mitarbeiter wider Willen:
  • Totschweigen hilft hier niemandem. Geben Sie klares Feedback zu ungengender Leistung oder unpassendem Verhalten und dokumentieren Sie alle Gesprche. Um sich rechtlich abzusichern, sollten Sie sich die Protokolle von dem betreffenden Mitarbeiter unterzeichnen lassen.
  • Falsche Aufgaben, bestndige Unter- oder berforderung, der falsche Chef, die falschen Kollegen – die Ursachen fr die negative Entwicklung knnen vielfltig sein, suchen Sie daher das Gesprch und bieten Sie aktiv Ihre Hilfe an. Vielleicht lsst sich die Situation bereits mit geringem Aufwand merklich verbessern.
  • Geben Sie den betreffenden Angestellten einfache Aufgaben, bei denen sie nichts verkehrt machen knnen und vor allem keinen weiteren Schaden mehr anrichten. Geben Sie ihnen auerdem einen festgelegten Bearbeitungsweg an die Hand und kontrollieren Sie, ob sich Ihr Deadwood an die vorgegebenen Spielregeln hlt.
  • Sprechen Sie Ermahnungen aus, auch wenn es Ihnen menschlich schwerfllt. Wenn Termine und Fristen nicht eingehalten werden, hilft nur eine harte Hand.
Vorsicht Fhrungsfalle: Augen zu und durch? Das ist bei den Deadwoods der fatalste Ansatz. Ist ein Mitarbeiter erst einmal am unteren Ende der Spirale angekommen, ist es am besten, wenn Sie sich von ihm trennen. Wenn Sie das nicht knnen oder wollen, sollten Sie gezielt darauf setzen, dem Deadwood sein unerwnschtes Verhalten durch Sanktionen unbequem zu machen. Entweder wird er dann von selbst kndigen – oder auf Grund des steigenden Drucks fter den Weg des geringsten Widerstandes whlen und eine Aufgabe gem der Anweisung erfllen.

Alle fr einen, einer fr alle: Die richtige Mischung aus Individualitt und Teamgeist


Als Fhrungskraft ist es Ihre Aufgabe ein Team zu leiten, das an einem Strang zieht. Dafr mssen Sie erreichen, dass alle Individuen als ein groes Ganzes zusammenwirken. Das soll allerdings nicht heien, dass Sie alle Mitarbeiter ber einen Kamm scheren sollen. Erfolgsentscheidend ist vielmehr, dass Sie Ihren Mitarbeitern das richtige Ma an individueller Frderung angedeihen lassen, gleichzeitig jedoch das angepeilte Unternehmensziel nicht aus den Augen verlieren. Ihre Stars brauchen Aufmerksamkeit und neue Anreize, sonst fhlen sie sich schnell nicht mehr gefordert und schauen sich nach einer neuen Herausforderung in einem anderen Unternehmen um. Wenn Sie Ihre Workhorses kontinuierlich berlasten, werden sie irgendwann resignieren und so schlimmstenfalls Deadwoods. Machen Sie sich auerdem klar, dass jede Ihrer Handlungen nicht nur den Mitarbeiter betrifft, dem sie gerade gilt. Jede Maregelung, aber auch jede Belohnung werden von Ihrer gesamten Belegschaft wahrgenommen und wirken so regulierend als auch motivierend auf alle Mitarbeiter.
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Michael Lorenz ist Geschäftsführer der grow.up. Managementberatung GmbH. Die grow.up. Managementberatung GmbH aus Gummersbach unterstützt seit 1997 nationale und internationale Kunden in allen Fragen der Human Resources-Strategie. In ...
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