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Fachartikel, 19.02.2009
IT Services aus Deutschland
Ladenhüter oder Exportschlager?
Häufig werden der IT-Services-Standort Deutschland und die hier ansässigen IT-Dienstleister mit den Attributen belegt:"Zu teuer, zu langsam, zu wenig innovationsfreudig." Für die so dringend benötigten Talente ist diese Beschreibung wenig einladend – zumal die Diskussion um die Zukunft der Branche während der letzten Jahre durch eine oft emotionale und einseitig geführte Offshoring-Debatte bestimmt wurde.
Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass der IT-Services-Standort Deutschland weitaus attraktiver ist, als die Stimmen der Standortskeptiker vermuten lassen. So kommt es nicht von ungefähr, dass Deutschland laut Zahlungsbilanz der Bundesbank bei EDV-Diensten seit 2006 einen Exportüberschuss aufweist. Immerhin ein Drittel der deutschen IT-Dienstleister befasste sich bereits im Jahr 2007 mit dem Auf- und Ausbau des Auslandsabsatzes (Marktanalyse IT Services 2007/2008).

Der aktuelle Berlecon-Report "IT Services made in Germany – Perspektiven deutscher IT-Dienstleister im internationalen Wettbewerb" , untermauert dieses Bild. Im Fokus der Analyse stehen 26 Fallstudien, die illustrieren, wie und mit welchen Angeboten sich deutsche IT-Dienstleister im internationalen Wettbewerb erfolgreich behaupten. Dabei zeigt sich, dass die vielzitierten "Hidden Champions" – mittelständische Anbieter, die sich auf spezielle Themen fokussieren und damit einen weltweiten Markt erfolgreich adressieren – nicht nur in der deutschen Industrie, sondern auch unter einheimischen IT-Dienstleistern zu finden sind. Auch sind deutsche ITK-Konzernstandorte nicht nur Anhängsel zur Vertriebsunterstützung und für den Vor-Ort-Support, sondern durchaus auch als Innovationstreiber und Lieferanten innerhalb der Konzerngefüge tätig.

Denn der IT-Services-Standort Deutschland – so bestätigten die im Rahmen der Studie befragten Vertreter auslandserfahrener IT-Dienstleister – steht nicht nur für hohe Löhne und eine rigide Arbeitsgesetzgebung. Er zeichnet sich auch durch eine moderne Infrastruktur, hohe Standards bei Datenschutz und Sicherheit sowie eine reife, auslandsaktive Industrie aus. Darüber hinaus können IT-Dienstleister hierzulande – Pisa hin oder her – auch auf ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau der Belegschaft zählen. Unterstützend kommt hinzu, dass "made in Germany" auch heute noch mit Ingenieursgeist, hoher Qualität und Zuverlässigkeit assoziiert wird – allesamt Eigenschaften, die auch im IT-Services-Umfeld von großer Bedeutung sind.

Und schließlich sollte nicht vergessen werden, dass Deutschland SAP-Land ist. Das heißt nicht nur, dass einer der weltweit führenden Softwareanbieter den Hauptsitz in Walldorf hat und der Erfolg von SAP neuerdings auch für Turbulenzen in der Bundesliga sorgt. Viel wichtiger ist, dass aufgrund der hohen Verbreitung von SAP in deutschen Unternehmen einheimische IT-Dienstleister über eine langjährige und umfangreiche Erfahrung mit SAP-Themen verfügen – und damit im Ausland durchaus gefragte Kompetenzen in die Waagschale legen können.
Aus diesen Stärken des Standortes Deutschland erwachsen die in den Erfolgsbeispielen illustrierten Chancen deutscher IT-Dienstleister im Auslandsgeschäft. Besonders interessant ist, dass sich auch in vermeintlichen Offshore-Domänen wie Softwareentwicklung und IT-Support zahlreiche Beispiele für international erfolgreiche IT-Dienste "made in Germany" finden. So werden IT-Support-Dienste – der Offshore-Debatte zum Trotz – auch heute noch aus Berlin, Erfurt und sogar aus München geliefert – und dies nicht nur für deutsche User, sondern weltweit. Die Fallbeispiele belegen weiter, dass IT-Lösungen "made in Germany", gepaart mit der Branchen- und Prozesskompetenz der einheimischen Dienstleister, in Bulgarien, Russland und Abu Dhabi gefragt sind. Und selbst im Bereich der Softwarepaketierung – einer Domäne großer Anbietern aus Offshore-Regionen – gelang es einem der porträtierten Anbieter, sich auf internationalem Parkett zu behaupten und das Geschäft sukzessive auszubauen.

Worin begründet sich aber der Erfolg der in der Studie vorgestellten Anbieter? Erstens beweisen sie Mut – Mut, sich auf spezifische Themen, Branchen und Wertschöpfungssegmente zu konzentrieren und dabei in Kauf zu nehmen, auf Umsatzchancen in anderen Segmenten und manche "Quick Wins" zu verzichten. Zweitens zeigen sie sich besonders aufgeschlossen, herkömmliche Liefermodelle zu hinterfragen und bei der Konzeption ihrer Angebote auch moderne Methoden des Service Engineering und Innovationsmanagement einzusetzen. Dies ist nicht verwunderlich, gelingt die Etablierung als Spezialist doch nur, wenn man innovativer, schneller und qualitativ hochwertiger liefern kann als die Wettbewerber.

Und drittens zeichnen die Unternehmen sich dadurch aus, dass sie das Thema "Internationalisierung" frühzeitig aufgegriffen und systematisch weiterentwickelt haben. Dies betrifft zum einen natürlich die Absatzseite. Denn ein nachhaltiges Wachstum der Spezialisten bedingt geradezu die Erschließung von Umsatzquellen im Ausland. Zum anderen haben sie aber auch frühzeitig die Möglichkeiten des Global Sourcing erkannt und eigene Wege beim Aufbau einer globalen Wertschöpfung gefunden. Dies gilt sowohl für große ITK-Konzerne als auch für mittelständische ITK-Anbieter. Hier decken sich die Ergebnisse der aktuellen Studie mit denen des Ende 2008 veröffentlichten Berlecon-Fallstudienreports: "Nearshoring als Managed Service".

Für junge Talente, die nach interessanten Perspektiven im internationalen IT-Services-Umfeld suchen, lohnt es also durchaus, sich hierzulande umzuschauen. Die Studie bietet dafür eine erste Orientierung. IT-Dienstleister aus Deutschland hingegen sollten die Ergebnisse zum Anlass nehmen, ihre Strategien – auch oder gerade angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute – zu überdenken. Die Studie belegt: Der Mut zu Spezialisierung, Internationalisierung und Angebotskonzeption nach industriellen Normen zahlt sich aus.

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