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Pressemitteilung

Thomas Baumgärtel / 86–18: Retrospektive Bananensprayer in der Kölner 30works-Galerie

Zum Saisonauftakt lädt 30works zu einer großen Retrospektive und präsentiert ausgesuchte Werke von Thomas Baumgärtel aus nunmehr vier Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens.
(PM) Köln, 19.03.2018 - Bananensprayer, Aktionskünstler, klassischer Ateliermaler: Thomas Baumgärtel gehört zu den wohl vielseitigsten Künstlern Deutschlands. Und dank Aufsehen erregender Performances und Werken mit eindeutiger Botschaft auch zu den in deutschen Feuilletons meist diskutierten. Denn von Anbeginn seiner Karriere hat Thomas Baumgärtel Stellung bezogen, Haltung gezeigt und für die Freiheit der Kunst gekämpft. 30works widmet dem Wahlkölner mit 86-18 nun eine große Sonderausstellung.

Wirkung & Rezeption

Es war die Banane, die Baumgärtel Weltruhm und eine Story im amerikanischen TIME-Magazine bescheren sollte; aber seine erste große Werkreihe sollte noch ganz der klassischen Malerei verschrieben sein: 1986 debütierte Thomas Baumgärtel mit dem „Medizinischen Block“, einer Serie von expressiven Kopfdarstellungen, die von der Anatomie inspiriert scheinen. Baumgärtel verarbeitete hier seine Eindrücke und Erlebnisse während seines Zivildienstes Anfang der 1980er Jahre, als er auf einer chirurgischen Station tätig war, um im Anschluss Medizin zu studieren. Doch es kam anders: Baumgärtel entschied sich für die Kunst und nahm 1985 sein Studium der Freien Kunst an der Fachhochschule Köln auf. Die Faszination des Klinischen und Pathologischen ließ ihn jedoch nicht los, und so schrieb er sich parallel für Psychologie an der Universität Köln ein. Kunstpraxis und das Verstehen kognitiver Wirkungsprozesse: Die Dualität von Kunst auf der einen und Psychologie auf der anderen Seite sollte zur Triebfeder von Baumgärtels Schaffen werden. Denn von Anbeginn ging es ihm um die Wirkung von Kunst und die zentrale Frage: Was löst ein Werk im Betrachter aus?

Bananenkultivierung

1986 startete Baumgärtel seinen Bananen-Feldzug, in dessen Folge er Museen und Kunsteinrichtungen auf der ganzen Welt mit seiner Spraybanane verzierte. Was später als approbiertes Qualitätssiegel im Kunstzirkus firmieren sollte, war hier noch als psychologisches Experiment angelegt: Wie würden die Kulturschaffenden auf dieses „illegale“ Brandmal reagieren? Thomas Baumgärtel beginnt somit die Banane als Symbol für die Freiheit der Kunst zu positionieren. Ist sie hier noch als Zeichen von Wertschätzung gesetzt, wird Baumgärtel die Banane im Zuge der Zeit verstärkt politisieren und antipodisch besetzen.
So zum Beispiel bei der „Metamorphose der Kölnbanane“, einem Schlüsselwerk von 1987, oder dem „Bananenberg“ von 1989, das der Künstler als explizites Mahnmal für die freie Kunst setzt. Dabei bleibt der Künstler jedoch immer humorvoll und konstruktiv in seiner Kritik.

Ab 1994 startet Thomas Baumgärtel mit seinen „Übersprühungen Alter Meister“. Und ironisiert damit ganz im Geiste Marcel Duchamps die Kunstgeschichte, indem er tradierte, stereotype Motive rund um die deutsche Heimatmalerei durch zeitgenössische Stencils clasht und zu neuem Leben erweckt.

Gleichzeitig wird die Banane spielerischer: 1995 feiert der „Bananenpointillismus“ Premiere, wo Baumgärtel unzählige gesprühte Bananen als kleinste Elemente des Bildsujets zu einem übergeordneten Motiv aufbaut. Anfangs noch in schwarz-gelber Farbdramaturgie gehalten, wird diese Stilrichtung mit den Jahren bunter und variantenreicher. Als visionäre Weiterführung fungieren beispielsweise die „Früchtebilder“ ab 2000, in denen der gebürtige Rheinberger seine winzigen Spraybananen zu Früchte-Stillleben in der Tradition eines Pieter Claesz reifen lässt. Und so aus Bananen nicht nur Birnen und Pflaumen macht, sondern seinen eigenen Stil des Bananenpointillismus als Mittel der Transformation nutzt, um ein einst von ihm verhasstes Genres völlig neu zu interpretieren. Denn während seines Kunststudiums unter Prof. Franz Dank weigerte sich Baumgärtel Stillleben, die er als unzeitgemäß ansah, zu zeichnen. Nun, rund zehn jahre später, war diese Werkreihe gleichwohl persönliche Genugtuung als auch Wiedergutmachung an seinem damaligen Lehrer. Wenngleich – typisch Baumgärtel – mit seinen ganz eigenen Mitteln und Praktiken...

Nahbarkeit & Zivilcourage

Die Ausstellung 86-18 fokussiert neben Baumgärtels mal subversiver, mal fast poetisch anmutender Sprühkunst auch die Malerei. Hier besonders seine „Graue Serie“, die 2005 begann und 2016 ihren Höhepunkt bei den „Brückenbildern“ fand. Baumgärtel entscheidet sich hier ganz bewusst für die farbliche Reduktion und arbeitet im Stil des Fotorealismus, den er mittels Acryltechnik zu eindringlichen Werken voller Nahbarkeit und Erhabenheit verdichtet. Die gezielten Unschärfen verleihen den Bildern zudem etwas Mystisches, Unfertiges, Transitorisches.

Die Laudatio auf den anwesenden Künstler wird der Kabarettist Jürgen Becker halten.

86-18 – Thomas Baumgärtel @ 30works

Eröffnung: 23.03.2018, 19 Uhr
Ausstellung: 23.03.2018 bis 20.04.2018

Öffnungszeiten: Di - Fr 15-19 Uhr, Sa 12-17 Uhr
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