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Was moderne Fahrradbeleuchtung hell macht

(PM) , 26.03.2008 - Begriffe, Technologie und Konstruktion

Die Beleuchtungstechnik am Fahrrad hat in den letzten zehn Jahren eine atemberaubende Entwicklung durchlaufen. Die Zeit funzeliger Blechscheinwerfer, trber Rcklichter und leiernder Dynamos ist lange vorbei
– und nicht nur an neuen Fahrrdern.

[pd-f] An Millionen nicht totzukriegender Drahtesel der vergangenen 40 Jahre, die immer noch treu ihren Dienst als Studenten- oder Einkaufsrad leisten, blinken kleine Diodenlichter, die zwar nicht erlaubt sind, aber immerhin eine der zwei Grundfunktionen einer Fahrrad-Lichtanlage bernehmen: gesehen werden.
Und schon sind wir beim Thema. Jeder Verkehrsteilnehmer muss im Dunklen fr die anderen erkennbar sein, gleichzeitig muss er in der Lage sein, auch unbeleuchtete Objekte wahrzunehmen. „Auf Sicht fahren“ heit das und wird immer wieder mal in Gerichtsprozessen angefhrt, wenn ein Radler nachts auf einem schlecht ausgeleuchteten Radweg gestrzt ist – Pech gehabt, da htten Sie halt einen StVZO-konformen Scheinwerfer am Rad haben mssen. Sehen und gesehen werden also – doch „die Crux dabei ist, dass das, was die StVZO als Mindeststandard verlangt, vielfach gar nicht ausreicht“, erklrte der Fachjournalist Peter Barzel auf dem Recherche-Kongress Fahrrad des pressedienst-fahrrad.
Das will der Gesetzgeber: eine Lichtanlage mit sechs Volt/drei Watt Leistung, verteilt auf Frontleuchte und Rckstrahler mit Prfzeichen (die so genannte K-Nummer), beides in einer bestimmten Mindesthhe angebracht. Dazu einen zweiten roten Rckstrahler hinten, einen weien Rckstrahler vorne und gelbe Pedalreflektoren – die guten alten Katzenaugen – sowie Speichenrckstrahler beziehungsweise Reflexstreifen, wie ihn verschiedene Reifenhersteller (z. B. Schwalbe, www.schwalbe.de) direkt in den Reifen eingelassen haben. Zudem: Der Scheinwerfer muss mindestens zehn Lux leisten, gemessen in zehn Meter Entfernung.
Batteriebetriebene Leuchten sind nur an Fahrrdern unter elf Kilo Gewicht zugelassen, ansonsten aber als Zusatzbeleuchtung erlaubt. Und auch ein Fahrradanhnger muss natrlich beleuchtet sein – vom Beleuchtungshersteller Busch und Mller gibt es dafr sogar eine „Trailermatic“ genannte Einrichtung, die den Strom vom Rcklicht auf das Positionslicht des Hngers umleitet (www.bumm.de, 21 Euro).
Die Maeinheit „Lux“ bezeichnet die Helligkeit in einer bestimmten Entfernung und ist in der letzten Zeit in aller Munde. Denn die Zubehrindustrie arbeitet mit Volldampf daran, das Erlaubte mit dem Machbaren in Einklang zu bringen und die Fahrradbeleuchtung immer leistungsfhiger zu machen.
„Lange Zeit war eine bessere Straenausleuchtung nur durch mehr Leistung mglich“, erlutert Guido Mller von Busch und Mller. „Und das lie sich natrlich nicht mit der StVZO vereinbaren.“ Die leistungsstarke Zwlf-VoltLichtanlage, die Busch und Mller vor mehreren Jahren auf den Markt brachte, war das Ergebnis zher Verhandlungen mit den Zulassungsbehrden – und aufgrund der hohen Kosten von 300 Euro alles andere als ein Verkaufsschlager.
Immerhin: Die Verbreitung der Halogenleuchten in den 90er Jahren war schon einmal ein groer Fortschritt. „Whrend die normalen ,Fahrradbirnchen‘ vier bis zehn Lux bringen, leuchten Halogenglhlampen etwa doppelt so hell“, erklrt Mller, warum dieses Leuchtmittel nach wie vor an gnstigeren Scheinwerfern eingesetzt wird.

LED auf dem Durchmarsch

Der letzte Schrei sind Frontscheinwerfer mit Leuchtdioden (LEDs). Die Licht ausstrahlenden Halbleiterelemente werden schon seit Jahren in Rckleuchten verwendet; bevor sie den Schritt in den Scheinwerfer machen konnten, musste jedoch erst einmal die weie LED erfunden werden. Hochleistungs-LEDs sind zwar unempfindlich gegen Erschtterungen und verfgen ber eine quasi unbegrenzte Lebensdauer (100.000 Betriebsstunden gleich elf Jahre, fnf Monate Dauerlicht), doch das Problem der Wrmeabfuhr macht eine ausgeklgelte und daher teurere Elektronik ntig.
Auch geeignete Reflektoren sind noch nicht allzu lange auf dem Markt. Die von Busch und Mller angebotenen Scheinwerfer mit Freiformflchen-Reflektor und Klarglasscheibe sind bereits beeindruckend hell; den endgltigen Durchbruch schaffte die Front-LED jedoch erst im letzten Jahr, als das Meinerzhagener Unternehmen mit dem IQ-Tec einen Scheinwerfer vorstellte, bei dem die LED in den Reflektor strahlt anstatt aus ihm hinaus. Sogar wenn er mit einem altmodischen Seitendynamo betrieben wird, leistet dieser Strahler 40 Lux. „Selbst bei absoluter Dunkelheit erlaubt es diese Technologie, auch bei gewohnter Radelgeschwindigkeit auf Sicht zu fahren“, beschreibt der Fachjournalist Peter Barzel seine Erfahrungen mit IQ-Tec. Dass der Fahrradhersteller Utopia-velo (www.utopia-velo.de) die Fahrradbeleuchtung ernster nimmt als andere Fahrradfirmen zeigte, sich seit Oktober 2007. Nur wenige Wochen nachdem Utopia die ersten IQ-Tec-Leuchten montiert hatte, stellten die Saarbrcker als erster Hersteller weltweit serienmig auf die IQ-Tec um - bei Utopia gibt es andere Leuchten nur noch auf expliziten Kundenwunsch!

Strom aus der Nabe

Besagter Seitendynamo ist schon lange nicht mehr das Ma aller Dinge. Nabendynamos wie der i-Light von Sram (www.sram.com, ab 45 Euro) sind in allen Belangen berlegen: Sie knnen bei Schnee oder Regen nicht durchrutschen wie ein „Seitenlufer“ und weisen einen deutlich hheren Wirkungsgrad von bis zu 65 Prozent auf. Das bedeutet: 65 Prozent der Energie, die zum Antreiben des Dynamos aufgewandt werden muss, wird in Strom umgewandelt. Die besten Seitendynamos bringen es auf gerade mal 40 Prozent, blich sind 15 bis 30. Kurz: Nabendynamos liefern den gleichen Strom bei geringerer Tretleistung!

Automatische Funktionen

Eine moderne Lichtanlage, bestehend aus Nabendynamo, LED-Scheinwerfer und LED-Rcklicht, ist nicht nur hell, sondern auch komfortabel und sicher. Komfortabel deshalb, weil hochwertige Scheinwerfer ber einen Schalter verfgen, mit dem der Dynamo aktiviert wird – ganz einfach whrend der Fahrt. Und es kommt noch besser: Per Sensorautomatik am Scheinwerfer schaltet sich der Nabendynamo sofort ein, wenn’s dunkel wird – etwa beim Durchfahren einer Unterfhrung.
Sicherheit gewinnen modern ausgestattete Radfahrer durch die Standlichtautomatik, welche zumindest beim Rcklicht inzwischen Standard ist. „Auch bei unseren gnstigsten Cityrdern wie dem Modell Jade fr 299 Euro ist ein Standrcklicht an Bord – die Kunden fragen danach“, berichtet Mario Moeschler vom Fahrradhersteller Winora (www.winora.de). Ein integrierter Kondensator speichert genug Energie, um die LED nach einem Stopp einige Minuten weiter leuchten zu lassen. „Dass man immer wieder hrt, ,Hallo, Sie haben das Licht angelassen zeigt, wie wenig die Leute ber den aktuellen Stand der Fahrradbeleuchtung informiert sind“, schmunzelt Barzel.
Beim Thema Sicherheit muss auch ber die Verkabelung gesprochen werden: Strom fliet bekanntlich nur in einem Kreislauf, und bei alten Fahrrdern war der Rahmen sowie diverse Anbauteile Teil dieses Stromkreises – nmlich als Masseleitung von der Leuchte zurck zum Dynamo. Doch die Leitfhigkeit von Rahmen und Schutzblechen wird durch Feuchtigkeit und Korrosion beeintrchtigt, weswegen die Lichtkabel bei modernen Fahrrdern zweiadrig verlegt sind. Dazu kommen haltbare Flachstecker an den Anschlssen, die ebenfalls ziemlich immun gegen Korrosion sind. Legendr: Die Verkabelung an den Rdern der Fahrradfirma Utopia-velo. „Wir betreiben viel Aufwand, damit die Beleuchtung auch nach einigen Jahren noch tadellos funktioniert“, sagt Ralf Klagges von Utopia. Alleine fr die Kleinteile und Montage der eigentlichen Lichtanlage beziffert er die Kosten auf etwa 50 Euro.
IQ-Tec-Strahler gibt es natrlich auch fr den Akkubetrieb. Das Topmodell von Busch und Mller leuchtet im 50-Lux-Modus ganze zehn Stunden. Zum Vergleich: Ein Halogenstrahler wrde den gleichen Akku innerhalb einer Stunde leersaugen. Allerdings ist der Beleuchtungshersteller in Sachen Helligkeit schon lngst weiter: Mit dem „Big Bang“ (699 Euro) hat das Unternehmen einen Strahler auf den Markt gebracht, dessen 150 Lux so hell leuchten wie ein Autoscheinwerfer. Mglich wird das durch moderne Gasentlastungstechnik, und legal ist es auch: Busch und Mller kann fr den Brenner eine K-Nummer prsentieren, whrend die Mitbewerber ihre Hightech-Lampen nur als „Zeltbeleuchtung“ verkaufen drfen ...
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