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Pressemitteilung

Federn und federn lassen

(PM) , 08.06.2009 - Optimal justiert sind Federungen am Fahrrad eine feine Sache. Der pressedienst-fahrrad erklrt, was es dabei zu beachten gibt und wie die Einstellung funktioniert.

Komfort beim Radfahren steht hoch im Kurs: Die meisten Trekking-, Alltags- und Reiserder werden mit einer Federung verkauft – Mountainbikes sowieso. Sei es, um bei schneller Gelndefahrt optimale Bodenhaftung und Traktion zu erreichen; sei es, um im Stadtverkehr auch mal ein Schlagloch oder eine Bordsteinkante mitnehmen zu knnen. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass die Federung nicht den gewnschten Effekt hat – man sprt die Federung gar nicht oder berfordert sie schon bei kleinsten Unebenheiten. Was ist da blo passiert?
„Wer ein Fahrrad erwirbt, kann optimale Funktion der Federung nur erwarten, wenn Gabel und Hinterbaudmpfer von vornherein professionell auf Fahrer und Einsatzzweck abgestimmt wurden“, erklrt Dirk Belling vom Federungs-Spezialisten RockShox (www.rockshox.de). Das beginnt bei der Wahl des Federwegs: Einfache Gabeln frs Tourenrad weisen teilweise nur drei Zentimeter Einfederung auf, am Downhill-Bike knnen es schon mal 25 cm sein. Whrend mancher beim Brtchenholen schon fr die Minimal-Federung auf den Bordstein dankbar ist, stellen Profi-Biker hohe Ansprche ans Ein- und Ausfederungsverhalten ihrer Dmpfungselemente.

Kleine Kinder federn schlecht
„Wichtig ist erst einmal das Krpergewicht“, erlutert Mario Moeschler vom Mountainbike-Hersteller Haibike (www.haibike.de). „Die Federung darf natrlich nicht so hart sein, dass die Kraft, die zu ihrer Aktivierung notwendig ist, grer ist als die Gewichtskraft des Fahrers.“ Beispiel Kinderrad: Hier kommen oft genug extrem einfache Federgabeln zum Einsatz, deren innere Reibung so gro ist, dass sie kein bisschen nachgeben – es sei denn, Papa setzt sich drauf. „Deshalb verbauen wir berhaupt keine Federgabeln“, erklrt Ralf Puslat vom Kinderradhersteller Puky (www.puky.de).

Negativfederweg
Als Indikator dafr, dass die Federung richtig eingestellt ist, dient der Negativfederweg (englisch: „Sag“). Das Fahrergewicht muss die Federung um einen bestimmten Prozentsatz zusammendrcken, der je nach Fahrradtyp variiert – beim Cross-Country-Rennmountainbike sind es zehn bis 15 Prozent, beim langhubigen Downhillbike ber 30 Prozent. Der Negativfederweg hat verschiedene Aufgaben: Beim Fahren durch Schlaglcher sorgt er dafr, dass die Gabel binnen Bruchteilen einer Sekunde durch Ausfedern das Schlagloch ausgleicht, der Fahrer gleitet mit einem seichten Absacken ber das Loch hinweg. Je mehr Federweg und Negativfederweg eine Gabel ausweist, desto besser wirkt dieser Effekt.
Zum anderen sorgt der „Sag“ dafr, dass der Gesamtfederweg berhaupt ausgenutzt werden kann – „auf schweren Strecken durchaus so weit, dass die Federelemente auch mal durchschlagen“, so Haibike-Teamfahrerin Elisabeth Brandau.

Einfache Einstellung
Um den Negativfederweg einzustellen, braucht es nur einen Zollstock und einen Kabelbinder. Am hinteren Dmpfer eines vollgefederten Fahrrades bernimmt ein auf dem Dmpferkolben sitzender O-Ring die Aufgabe des Kabelbinders. Und so wird’s gemacht: Man schiebt Kabelbinder beziehungsweise O-Ring im ausgefederten Zustand ganz nach unten, also dahin, wo das Standrohr der Gabel ins Tauchrohr beziehungsweise der Dmpferkolben in den Dmpfer gleitet. Setzt man sich nun aufs Rad, werden Kabelbinder bzw. Ring durch das Eintauchen verschoben. Steigt man ab, federt das Element wieder aus; der Weg, um den sich unsere Messfhler nach oben geschoben haben, ist der Negativfederweg. Nun muss man nur noch den Gesamtfederweg kennen, den man der Produktbeschreibung entnimmt, oder auf die oben beschriebene Weise ermitteln kann – indem man Gabel oder Dmpfer mehrfach mit vollem Gewicht einfedert. Mit Kenntnis dieser beiden Werte lsst sich der Federdruck mittels einer Dmpferpumpe jetzt passend einstellen.
Bike-Profis wie die Haibike-Teamfahrer erwarten von ihrer Federung deutlich mehr Einstellungsmglichkeiten; fr sie ist zustzlich die Zugstufe wichtig, mit der das Ausfederungsverhalten kontrolliert wird. Von hier an wird’s dann richtig kompliziert: Bei manchen Gabeln und Dmpfern lassen sich auch die Progression (die Vernderung der Federhrte whrend des Einfederns) und das Losbrechmoment einstellen. Doch um hier Unterschiede wahrzunehmen, muss man schon sehr erfahren sein.

Der Komfort zhlt
„Am Alltags- und Reiserad ist der Negativfederweg ebenso wie die Federvorspannung vor allem eine Sache des individuellen Komfortbedrfnisses“, erklrt Heiko Mller von riese und mller, einem fhrenden Hersteller voll gefederter Alltags- und Reiserder (www.r-m.de). „Um die 25 Prozent liegt hier der Richtwert fr den Negativfederweg“, so der Ingenieur. „Besonders wichtig ist natrlich, ein Reiserad nach dem Beladen an das hhere Gesamtgewicht anzupassen“, erklrt Mller. Kritisch sieht er die Verwendung einfachster Federgabeln an vielen Trekkingrdern. „Bei vielen Modellen gibt es nicht einmal eine funktionierende Federvorspannung, gleichzeitig ist der tatschliche Federweg minimal und das Losbrechmoment hoch.“ Solche Gabeln federn mit ihren drei bis fnf Zentimetern allenfalls grbste Ste ab. Da sie keine Zugstufendmpfung besitzen, die das Ausfedern kontrolliert, knallen sie dabei hufig mit lautem Klacken in ihren Anschlag. Das Darmstdter Unternehmen bietet Reise- und Stadtrder ausschlielich voll gefedert und mit 26-Zoll-Laufrdern an. „Ein Hauptgrund dafr ist, dass mit dieser Rad-Gre der optimale Querschnitt aus Fahrdynamik, Geometrie und Ergonomie erreicht werden kann“, erklrt Mller. Besonders durch die Produktvielfalt bei den
Mountainbikes sind Federgabeln fr 26-Zoll-Rder in grerer Auswahl und besserer Qualitt zu erhalten.“

Sttzen, die federn
Vor mehreren Jahren lagen voll gefederte Trekkingrder noch voll im Trend, doch inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur Spezialhersteller wie riese und mller mit durchaus hochpreisigen Produkten auf dem Markt bestehen knnen. Das Standard-Trekkingrad der Gegenwart weist keinen gefederten Hinterbau mehr auf, sondern ist zwecks Komfortgewinn mit einer Federsattelsttze ausgerstet. „Wer eine Federsttze nachrstet, sollte auf Qualitt achten“, rt Rolf Hcker, Entwickler beim Komponentenhersteller Humpert (www.humpert.com). Einfache Modelle wrden aufgrund der hohen inneren Reibung und oftmals schlechten Lagerfhrung oft nicht sinnvoll funktionieren, erklrt Hcker. „Oder das Spiel der Gleitlagerung ist so gro, dass die Sttze bei jedem Pedaltritt hin und her wackelt und irgendwann verkantet.“ Er empfiehlt 20 Prozent Negativfederweg fr die Federsttze; ideal sind Exemplare mit austauschbaren Elastomer-Einstzen, die durch unterschiedliche Hrtegrade genau aufs Krpergewicht des Nutzers abgestimmt werden knnen. „Ein Modell wie die X-Act SP 9.0 stellt ihre 40 mm Federweg dann wirklich allen Nutzern zur Verfgung“, so Hcker.

Zu viel Technik, das alles?
Wer dem Thema Federtechnik skeptisch gegenbersteht, kann natrlich auch auf simplere Weise Komfort gewinnen. Eine Luftfederung der besonderen Art bietet Reifenproduzent Schwalbe (www.schwalbe.com) mit dem Big Apple an, einem leicht laufenden Ballonreifen in 50 oder 60 mm Breite. „Der passt zwar nicht in jedes Rad, doch bieten zahlreiche Hersteller auf die dicken Reifen hin optimierte Modelle“, erklrt Carsten Zahn von Schwalbe.
Aus gutem Grunde lege man beispielsweise beim Fahrradhersteller Utopia (www.utopia-fahrrad.de) alle Rahmen fr die fetten Reifen aus, erklrt Geschftsfhrer Ralf Klagges. „Kombiniert man die flexiblen Eigenschaften von hochwertigen Stahlrahmen mit den dicken Reifen, erreicht man einen Fahrkomfort, der durch geringes Systemgewicht, wenig Wartungsbedarf und hoch dynamisches Ansprechverhalten punktet.“ So bewege sich eine gute starre Stahlgabel horizontal bis zu vier Zentimeter, erklrt Klagges, dmpfe also frontale Schlge und solche von schrg unten, wie sie etwa durch kleine Stufen verursacht werden. „Gerade fr unsere Klasse der Genuss-Reise- und -Stadtrder halte ich den Ballonreifen fr die ideale Federung“, so Klagges weiter – „und eine einfache Luftpumpe reicht, um sie einzustellen.“
Dem entgegnet Heiko Mller, dass neben dem Komfort auch fahrdynamische Aspekte beachtet werden mssten und „nur eine Vollfederung maximale Fahrsicherheit bietet. Schlielich sind Formel 1 Autos nicht gefedert, um es dem Fahrer bequem zu machen, sondern um sicher hohes Tempo zu fahren.“
Fr den Fachjournalisten Caspar Gebel schliet sich hier der Kreis: „Auch bei technischen Themen wie der Federung gibt es keine fr alle Radler verbindliche Empfehlung. Federung und Fahrrad kann man durchaus philosophisch betrachten. Fakt bleibt aber: Ohne richtige Einstellung bleibt die beste Federung unter ihren Mglichkeiten!“
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