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Wissenschaft aktuell: Selen als multifunktionelles Spurenelement

(PM) , 10.01.2007 - Als essentielles Spurenelement spielt Selen eine wichtige Rolle in der Immunabwehr, fungiert bei enzymatischen Reaktionen als Cofaktor und ist in die Abwehr zellschdigender Radikale involviert. Jedoch lst Selen bei einer zu hohen Aufnahme auch Vergiftungssymptome aus und beeinflusst den Verlauf verschiedener Erkrankungen sowohl positiv als auch negativ, berichtet heute die Ernhrungswissenschaftlerin Irina Baumbach von der Gesellschaft fr Ernhrungsmedizin und Ditetik e.V. aus Aachen. Selen zhlt zu den Halbmetallen und kommt in elementarer Form in der Natur nur sehr selten vor. Jns Jakob Berzelius entdeckte 1817 das Element und benannte es nach dem griechischen Wort „selene“ fr Mond. Im menschlichen Krper ist es vorwiegend in Zhnen, Knochen sowie Enzymen lokalisiert. Frher kam selenige Sure in geringen Mengen als Oxidationsmittel zur Gewichtszunahme zum Einsatz. Andere Selenverbindungen, wie beispielsweise im Tabakrauch, sind dagegen hochgiftig und stehen im Verdacht, Krebs auszulsen. Die physiologischen Selenverbindungen bernehmen im menschlichen Krper wichtige Entgiftungsfunktionen. Als Bestandteil des Glutathions verstoffwechselt Selen so genannte Radikale, die Schden des Erbmaterials sowie Mutationen auslsen, zu harmlosen Substanzen (1). In Verbindung mit giftigen Schwermetallen entstehen stabile Metallselenide, die im Magen-Darm-Trakt nicht resorbierbar sind und somit ausgeschieden werden knnen. Als Selenocystein ist das Spurenelement an der Aktivierung der Schilddrsenhormone beteiligt und bernimmt damit eine wichtige Funktion im Wrmestoffwechsel. Die Empfehlungen fr den tglichen Bedarf liegen bei 30 bis 70 Mikrogramm Selen. Vor allem Seewasserfische, Eigelb, Nsse, Fleisch und Leber enthalten den wertvollen Mineralstoff in hheren Mengen. Welche Konsequenzen ein Selenmangel mit sich bringt, ist derzeit noch nicht genau belegt. Studien lassen einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Bluthochdruck und Herzkrankheiten vermuten (2). Des Weiteren berichten wissenschaftliche Untersuchungen ber den Einfluss einer unzureichenden Selenzufuhr und dem Auftreten von Lungen-, Leber- und Darmkrebs sowie einem steigenden Risiko der Unfruchtbarkeit bei Mnnern. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass hochdosiertes Selen die Sterblichkeit bei Patienten mit akuter Sepsis verringert. Anorganisches Selen strkt demnach das Immunsystem und aktiviert verschiedene Stoffwechselprozesse (3). Dagegen fanden Wissenschaftler der Harvard School of Public Health in Boston heraus, dass bei erhhten Selen-Plasma-Konzentrationen das Risiko von Genitalerkrankungen bei HIV-Patienten steigt (4). Diese Erkenntnisse erfordern jedoch weitere Untersuchungen, um einen genauen Zusammenhang belegen zu knnen. Aufgrund der Toxizitt und Unterschiedlichkeit der einzelnen Selenverbindungen sowie durch die verschiedenen Aufnahmewege, beispielsweise ber Lunge, Haut und Magen-Darm-Trakt, ist von einer Supplementierung mit Selen abzuraten. Empfehlenswert ist eine zustzliche Einnahme unter rztlicher Aufsicht lediglich bei verschiedenen Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einiger Arthritis-Formen. Eine uerliche Anwendung ist bei Schuppenflechte und Pilzbefall angebracht. Hufig treten bei einer Selenvergiftung unangenehmer Knoblauchgeruch, Strungen des Verdauungstrakts, Kopfschmerzen und Haarausfall sowie weie Flecken auf den Fingerngeln auf. Selen zhlt somit zu den lebenswichtigen Spurenelementen und ist tglich mit der Nahrung aufzunehmen. Bei einer abwechslungsreichen, ausgewogenen Kost sind Mangelerscheinungen nicht zu erwarten, dennoch ist zur Strkung und Untersttzung des Immunsystems, vor allem bei Krebserkrankungen, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch-entzndlichen Darmerkrankungen sowie Erkltungskrankheiten besonders auf gengend Selen in der Nahrung zu achten. 3.953 Zeichen Literatur: (1) Forcewille X: Seleno-enzymes and seleno-compounds: the two faces of selenium.Crit Care. 2006 Dec 13;10(6):180 (2) Zagrodzki P, Laszczyk P: Selenium and cardiovascular disease: selected issues] Postepy Hig Med Dosw (Online). 2006;60:624-631 (3) Forceville X, Aouizerate P, Guizard M: Septic shock and selenium administration. Therapie. 2001 Nov-Dec;56(6):653-661 (4) Kupka R, Msamanga GI, Xu C, Anderson D, Hunter D, Fawzi WW: Relationship between plasma selenium concentrations and lower genital tract levels of HIV-1 RNA and interleukin type 1beta. Eur J Clin Nutr. 2006 Dec 6;(Epub ahead of print)
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