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Kolumne
BrandStifter, 23.12.2009
Heldenimage
Aus der (amerikanische) Traum?
War Tiger Woods noch vor wenigen Wochen ein leuchtender Stern am Sportlerhimmel, will heute keiner mehr etwas mit ihm zu tun haben. Die tragische Geschichte eines Helden, der den amerikanischen Traum lebt – und auf dem besten Weg ist, daran zu scheitern.

Er wollte alles sein: der beste Golfer aller Zeiten, treusorgener Ehemann, Wohltter fr benachteiligte Kinder, Vorbild. Ein Saubermann in allen Lebenslagen. Und nun das: Tiger Woods als sexbesessener Weiberheld, mit einem Doppelleben, in dem er seine Frau seit Jahren betrgt. Das passt nicht zum blitzblanken Image, das Tiger bisher pflegte.

Tiger Woods ist das lebendige Beispiel des amerikanischen Traums: Jedermann kann es ganz nach oben schaffen und berhmt werden. Der schwarze Junge, der in einem klassisch weissen und reichen Sport Karriere machte und als erster Sportler berhaupt zum Milliardr wurde; das sind die Geschichten, die Geschichte schreiben. Umso dramatischer und aufsehenerregender dann der Zerfall dieses perfekten Bildes, der nicht schleichend, sondern mit Pauken und Trompeten einsetzte.

Tiger Woods hat bei der Vermarktung seiner Person und Leistungen bewusst und zielstrebig auf ein sauberes Image gesetzt und seinen Brand auf Integritt und Vertrauenswrdigkeit aufgebaut. Er hat eine bestimmte ethische Qualitt versprochen – ist diesem Versprechen dann aber untreu geworden. Ein Vertrauensmissbrauch, der die Welt schockiert und Tigers Glaubwrdigkeit ins Wanken bringt. Mit Folgen: Der Wert von Tiger Woods als Werbetrger ist im Sturzflug. Profiteure sind die Medien, die ihren Absatz seit Tigergate gesteigert haben und auf weitere pikante, umsatztrchtige Enthllungen hoffen.

Verlorene Glaubwrdigkeit und verlorenes Vertrauen sind schwer zurck zu gewinnen. Dazu braucht es ein echtes Bemhen, es in Zukunft besser zu machen. Und es braucht Zeit. Tigers Strategie, sich aus der ffentlichkeit zurckzuziehen, bis Gras ber die Sache gewachsen ist, ist deshalb sicherlich klug. Denn das kollektive Gedchtnis vergisst Enttuschungen schnell – die Gewinne jedoch und der Stolz, der damit einhergeht, berdauern.

Es ist also zu erwarten, dass sich Tiger Woods von seinem Imageschaden erholen wird. Von grsstem Wert wre dabei die Untersttzung des Menschen, den er am meisten verletzt hat: seiner Frau. Die Geschichte zeigt: ist die Ehefrau bereit, ihrem untreuen Gatten zu vergeben und das Ganze zu vergessen, tut es auch das Volk. Denn wenn sie damit leben kann – warum sollten wir es nicht auch knnen? So geschehen beim untreuen Bill Clinton, dessen Frau Hillary wegen ihrer ffentlich zur Schau gestellten Ruhe nebst Bewunderung allgemeines Kopfschtteln und Unverstndnis geerntet, ihrem Mann dadurch jedoch den Rcken gestrkt hat. Und selbst wenn sich fr Tiger weiterhin alles zum Schlechten entwickelt, kann sich das Blatt wieder wenden. Denn wir lieben nicht nur strahlende, sondern auch gestrauchelte Helden. Sie machen uns Mut zur Unvollkommenheit und zeigen, dass doch alle gleich sind und niemand auf die Dauer herausragen kann. Fr Tiger Woods ist dieses Waterloo damit auch eine Chance, nicht auf die Heldenrolle reduziert zu werden, sondern mehr Herz und Menschlichkeit zu zeigen.

Der Traum von Aufstieg, Publicity und Glamour kann schnell zum Albtraum werden. Damit dies nicht geschieht, empfiehlt es sich, von Anfang an mit offenen Karten zu spielen. Wer ein Image knstlich aufbaut und etwas vorgibt, was er nicht ist oder etwas verspricht, was er nicht halten kann, wird frher oder spter entlarvt. Gesucht wird eine authentische Rolle, die uns entspricht und der wir gerecht werden knnen und wollen – und zwar langfristig. Und falls wir unsere Versprechen einmal doch nicht halten knnen? Dann sollten wir ehrlich sein und dazu stehen, statt zuerst zu versuchen, unseren Fehler zu vertuschen. Ehrlichkeit ist eine seltene Tugend und wir bewundern Menschen, die den Mut haben, ehrlich zu sein und Fehler einzugestehen. Entwaffnende Offenheit ist auch ein Weg, Herzen zu gewinnen.

ZUM KOLUMNIST
ber Dr. Petra Wüst
Petra Wüst ist Expertin für Self Branding und Selbst-PR. Sie leitet das Beratungsunternehmen Wüst Consulting in Basel und ist international als Referentin, Trainerin und Coach tätig. Zudem unterrichtet die Ökonomin und Psychologin an mehreren Hochschulen. Ihre ... mehr
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