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Kolumne
Fhrungsanspruch, 12.01.2012
Führungskompetenz
Die Causa Wulff – was Führungskräfte daraus lernen können
(Noch-)Bundespräsident Christian Wulff hat in den letzten Wochen für viel Gesprächsstoff gesorgt. Und das Ende der Affäre ist noch nicht in Sicht. Gerade Führungskräfte können jedoch aus der Causa Wulff schon heute nützliche Erkenntnisse gewinnen.

Nicht jeder von uns ist in einer solch’ herausragenden Stellung wie Christian Wulff als Bundesprsident. Doch lassen sich bei der Causa Wulff Aspekte ausmachen, die fr alle Fhrenden gleichermaen relevant sind. Beispielsweise die Frage: ndert die Rolle als Fhrender den sozialen Bezug zu den Menschen, fr die jemand Verantwortung trgt? Oder gilt fr Fhrende ein anderer Anspruch als fr die Mitwirkenden?

Zunchst die Fakten: Herr Wulff hat zu seiner Zeit als Ministerprsident von Niedersachsen einen privaten Kredit von einer befreundeten Unternehmerfamilie zur Finanzierung seines Eigenheims erhalten. Er hat privat als Politiker mehrere Male im Hause befreundeter Unternehmer Urlaube verbracht. In seinem Fernsehinterview am 5. Januar 2012 teilte er diesbezglich mit: „… ich mchte nicht Prsident in einem Land sein, wo sich jemand von Freunden kein Geld mehr leihen kann…“ und „Wenn man als Ministerprsident keine Freunde mehr haben darf und wenn alle Politikerinnen und Politiker in Deutschland nicht mehr bei Freunden bernachten drfen… dann verndert sich die Republik zum Negativen.“

Das klingt menschlich, nah, vertraut. Der Bundesprsident fhrt die Freundschaft, ein hoher sozialer Wert, ins Feld. Allein, dies geht jedoch am Kernpunkt der Debatte  vorbei. Die ungenannte Prmisse in diesem Argument lautet: Das, was fr alle Brger gilt, gilt auch fr die, die im Gemeinwesen hchste politische Verantwortung tragen. Und diese Prmisse ist falsch. Der Bundesprsident ist nicht „jemand“.

Mit der bernahme der Verantwortung der Rolle eines Fhrenden tritt ein fundamentaler Wandel im sozialen Bezug zu den Gefhrten ein. Der Fhrende trgt fr alle Verantwortung – fr alle in gleichem Ma. Bei einem Projektleiter betrifft das alle Mitglieder des Projektteams, bei einem Geschftsfhrer alle Mitarbeiter im Unternehmen und bei einem Ministerprsidenten alle Brger in einem Bundesland. Einzelne -  jenseits ihres Beitrags zum gemeinsamen Ziel - bevorzugt zu behandeln, vertrgt sich nicht mit dem Prinzip der Gleichwertigkeit aller und produziert Konflikte in einer Gemeinschaft.

Von einem Fhrenden ist zu erwarten, dass er in der jeweiligen Sache unabhngig entscheidet. Die „Sache“ ist je nach Organisation unterschiedlich. Universitten sind in der Welt um Bildung und Forschung zu frdern, Telefongesellschaften um Kommunikationsbedrfnisse zu befriedigen, etc. Regierungen sind dazu da, das Gemeinwohl zu sichern und zu mehren. Dem stehen immer wieder partikulre Interessen entgegen. Insofern hat ein politisch Fhrender unbedingten Abstand – sowohl im Handeln als auch in der Wirkung – zu partikulren Interessen zu halten. Ansonsten gert sein Urteil in der Sache – in diesem Fall dem Staat als Ganzes zu dienen – in Zweifel.

Der Fhrende steht immerwhrend unter Beobachtung. Er ist in seiner Gruppe kein Gleicher, denn die Gefhrten orientieren sich an ihm. Er setzt durch sein Handeln, was in der Gruppe gilt. Wir Menschen als soziale Wesen imitieren das Verhalten der Fhrenden, seien es die Eltern, Erzieher, Lehrer, Chefs, etc.  Diese Psycho-Logik hilft uns, Komplexitt zu reduzieren und uns in der jeweiligen Welt zu orientieren. Der Fhrende muss in der Lage sein, sich selbst zu fhren und zu reflektieren, welches Vorbild er durch sein Handeln bietet, also fr welche Werte und Normen er stehen will.

Wer jedoch neben der Wrde, die mit der Rolle des Fhrenden sicherlich auch einhergeht, nicht die Brde anerkennt und tragen kann, ist nur bedingt fr eine solche Aufgabe geeignet.

ZUM KOLUMNIST
ber John Kayser
John Kayser ist Vorstand der evercom AG und Leiter der Akademie ForumFührung in Düsseldorf. Nach seinen Studien an der Universität Georgetown, USA, sowie an der London School of Economics, UK, war Kayser über 15 Jahre in den Bereichen Finanzen und Medien, u.a. ... mehr
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