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Studie: Deutsche Firmen vergeuden ein Drittel der Arbeitszeit - Missmanagement beginnt in der Chefetage

(PM) , 16.08.2006 - Von Gunnar Sohn New York/Mnchen, www.ne-na.de - Sie hat nach Ansicht von Dagmar Deckstein von der Sddeutschen Zeitung www.sueddeutsche.de inzwischen schon fast so ein bisschen Kultstatus, die alljhrliche, weltweite Produktivittsstudie der amerikanischen Unternehmensberatung Proudfoot Consulting www.proudfoot.de: „Auch die neueste - inzwischen die sechste seit 2001 – drfen wieder alle diejenigen als Wasser auf ihre Mhlen betrachten, die schon lange heimlich die Fuste in den Taschen ballen, wenn sie auf ihre Chefs zu sprechen kommen“, kommentiert Deckstein. Das mache vielleicht auch den Charme der jhrlichen Proudfoot-Studien aus, dass sie mit schner Regelmigkeit zur immer wieder gleichen Quintessenz kommen: „Die Manager haben zu wenig Zeit, sich um die eigentlichen Fhrungsaufgaben zu kmmern. Sie erledigen zu viele Arbeiten selbst, anstatt sie zu delegieren." Auerdem gingen sie zu selten in den Betrieb, um mit ihren Mitarbeitern zu sprechen. „Wie viele von diesen Mitarbeitern klatschen da nicht begeistert Beifall, nach dem Motto: endlich gibt es denen da oben jemand schriftlich, dass die sich hier nie sehen lassen, aber alles besser wissen“, so Deckstein. Besser wissen knnte nicht nur das deutsche Management inzwischen, dass viel zu viel Zeit in den Unternehmen unproduktiv genutzt werde. Zwar bescheinige die Proudfoot-Expertise vom Juli 2006 leichte Zeichen der Besserung gegenber den Vorjahren, aber nach wie vor werden durch zu viel Verwaltung, Doppelarbeit und endlose Konferenzen Milliarden verschwendet. Nach Analysen von Proudfoot sei es allerdings verwunderlich, dass sich fast ein Viertel der Fhrungskrfte fr 2006 kein Ziel hinsichtlich der Steigerung der Arbeitsproduktivitt gesetzt habe. Am mangelnden Bedarf fr Vernderungen kann es nicht liegen. Danach werden weltweit 30 Prozent der geleisteten Arbeitzeit unproduktiv verwendet, in deutschen Betrieben verplempert jeder Mitarbeiter im Schnitt 32,5 Tage pro Jahr mit Ttigkeiten, die der Firma absolut nichts bringen. Daraus lasse sich ein Gesamtschaden von mehr als 170 Milliarden Euro pro Jahr fr die deutsche Wirtschaft ableiten - was knapp acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspreche. Die Eindmmung unproduktiver Arbeit sei aber nicht nur das Problem einer bestimmten Nation oder Branche, sondern eine Herausforderung fr alle. „Eines ist gewiss: die Unternehmensfhrung hat bei diesen Initiativen die Rolle der treibenden Kraft zu bernehmen“, fordert Proudfoot-Chef Luiz Carvalho. Investitionen, die zur Effizienzsteigerung beitragen knnten, seien Investitionen in der Informations- und Kommunikationstechnik, sofern solche Programme mit geeigneten Mitarbeitern sowie den gebotenen Verhaltens- und Organisationsvernderungen umgesetzt werden. „Die Ergebnisse des Conference Boards besttigen dies, aber aus unserer Umfrage wissen wir, dass viele Unternehmen diese Tatsache erst noch akzeptieren mssen. Ironischerweise steht in den Unternehmen mehr Kommunikationstechnik als je zuvor zur Verfgung, whrend interne Kommunikationsprobleme immer noch als grte aller Produktivittsbarrieren eingestuft werden. Vielleicht ist es an der Zeit, die Technik zuweilen zu Gunsten persnlicher Gesprch zu vernachlssigen“, empfiehlt Carvalho. Das wre nach Erfahrungen von Mehdi Schrder, Mehdi Schrder, Vice President Enterprise bei Ericsson Deutschland www.ericsson.com/de, hchst fahrlssig. „Das eine darf das andere nicht ausschlieen. Die Investition in moderne Kommunikationstechnik muss allerdings als Aufgabe des kompletten Managements gesehen werden. Da sollte man die IT-Abteilung nicht alleine im Regen stehen lassen“, so Schrder. Vor allem wegen der wachsenden Mobilitts-Anforderungen fr Unternehmen, fhre kein Weg an der Einfhrung von leistungsfhigen ortsunabhngigen Kommunikationssystemen vorbei. „Die Integration von Sprache und Daten, die Migration von Kommunikationssystemen ber das Internet Protokoll, die Verschmelzung von Nebenstellen der klassischen TK-Anlage und IP-Telefonie mit mobiler Kommunikation muss zur Chefsache erklrt werden“, fordert Schrder. Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business www.voicedays.de und Geschftsfhrer der Dsseldorfer Firma Mind Business Consultants www.mind-consult.net, ist von den Ergebnissen der Studie nicht berrascht. „Der Befund von Proudfoot legt den Finger in die Wunde: Es fehlt im Top-Management am Bewusstsein, dass nicht nur in der industriellen Fertigung, sondern auch fr die Erbringung von Dienstleistungen die Arbeitsproduktivitt wichtig ist. Ein Beispiel: Zwar werden heute die Ablufe in vielen Call Centern nach Effizienzkriterien organisiert, in den dahinterliegenden Verwaltungseinheit wird jedoch oftmals noch gefertigt wie in den altehrwrdigen Manufakturbetrieben. Produktivittszuwchse lassen sich durch die Neugestaltung der Service-Prozesse erreichen. Erst allmhlich beginnen Unternehmen ihre Call Center in die Gesamtstruktur des restlichen Unternehmens zu integrieren. Diese Eingliederung kann eine Revolution in der Bearbeitung von Kundenablufen bewirken“, sagt Steimel. Auch fr die Dienstleister der Call Center-Branche stelle das eine neue Herausforderungen dar, denn sie mssten ihre Prozesskompetenz erhhen und die Integration der Back Office-Systeme ihrer Auftraggeber in ihre eigenen Kundenprozesse vorantreiben und auf die richtige Mischung setzen: „Anrufvorqualifizierung so frh wie mglich und bereits im intelligenten Netz, Automatisierung einfacher, rekurrierender Dienste und hochwertige Beratungs- und Verkaufsgesprche mit spezialisierten Agenten fr werthaltige Kunden“, fhrt Steimel weiter aus. Moderne Technik alleine knne Unternehmen nicht produktiver machen, glaubt Michael Sander von der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners terraconsult.de: „Salopp ausgedrckt, E-Mails machen Kommunikation nur schneller, nicht notwendigerweise besser oder richtiger. Gerade Grossunternehmen haben aber mit Strategie, Umsetzung und Fhrung enorme Probleme, die sich gerade nicht mit Technik lsen lassen, da diese Probleme meist in den handelnden Personen liegen. Falsche Markteinschtzungen und unternehmerische Fehleinschtzungen liegen nicht an der eingesetzten ERP-Software oder der Architektur des Intranet“. Informationstechnik und Telekommunikation sei ein „kommunikatives Schmiermittel“ in Unternehmen – nicht mehr und nicht weniger. „In einer globalen Welt ist das technische Niveau allerdings so hoch, dass man leicht in Versuchung gert, die hohe Komplexitt und den hohen technologischen Anspruch gleichbedeutend mit Einfluss auf die Produktivitt zu setzen. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Jedes Unternehmen braucht im modernen Wettbewerb die mglichst modernste Technologie, um gegen die besten Wettbewerber mithalten zu knnen. Allerdings sind die besten Wettbewerber nicht die besten, weil sie die beste Technologie haben, sondern die besten Kpfe – im Sinne von Stratege, Umsetzern und Unternehmensfhrern“, resmiert Sander.
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