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Pressemitteilung

Schloss in Braunschweig (nach)gebaut! Eröffnung der Rekonstruktion des ehemaligen Residenzschlosses des Herzogtums Braunschweig verbessert das Stadtbild, zeigt ein innovatives Finanzierungsmodell und präsentiert eine einladende prächtige Fassade

(PM) , 10.05.2007 - Mit einem prchtigen Festakt, dem nach Angaben der Braunschweiger Polizei 60.000 Menschen bei strahlend blauem Himmel folgten, weihte am vergangenen Sonntag die Stadt Braunschweig die wieder aufgebaute klassizistische Fassade des Braunschweiger Residenzschlosses ein. Die Feier lie keinen Zweifel, dass sich mit diesem Wiedererstehen eines geschichtstrchtigen Gebudes mehr verbindet als die Unterbringung von stdtischen Kultureinrichtungen. Vielmehr gibt der Anblick des Schlosses den Einwohnern einen Teil ihrer Identitt zurck, derer sie durch die Auflsung des Landes Braunschweig und das aufgehen dieser Region im Land Niedersachsen 1946 gleichsam beraubt wurden. So schmckte die Feier auch nicht das stolze Niedersachsenross oder die Flagge der Stadt Braunschweig, sondern die blau-gelben Farben des alten Landes und frheren Herzogtums Braunschweig-Lneburg. ber diesen kleinen Staat ist lngst der Mantel der Geschichte gewachsen. Aber die Menschen haben, wie sich jetzt deutlich zeigt, nicht vergessen, dass ihr Land einmal bedeutend war. Das Herzogtum Braunschweig hatte die Flche des heutigen Saarlandes und durch eine gewaltige Industrie ein Bruttosozialprodukt, dass es unter heutigen Bedingungen zu einem Boomland der Europischen Gemeinschaft machen wrde. Braunschweig ist wieder da und das gefllt den Menschen der ehemaligen Landeshauptstadt Braunschweig – aber auch die Menschen aus Salzgitter, Helmstedt und Wolfenbttel sehen im Braunschweiger Residenzschloss, dessen Fassade originalgetreu wiedererrichtet wurde, ihre Heimat wieder mit anderen Augen. Einen wrdigen Rahmen fr die Schlosseinweihung gab das Konzert des Staatsorchesters Braunschweig unter Leitung seines Generalmusikdirektors Jonas Alber. Er zauberte mit seinem Orchester, das zu den ltesten Kulturorchestern der Welt zhlt, die entsprechende feierliche Atmosphre. Das Staatsorchester Braunschweig ist aus der 1587 gegrndeten Hofkapelle des Herzogs Julius zu Braunschweig-Wolfenbttel hervorgegangen und Hector Berlioz bezeichnete es nach verschiedenen Dirigaten als das ideale Orchester. Barocke und auch populre Klnge von Johann Strauss brachten die Musiker den Gsten am Braunschweiger Bohlweg, der sich zu einem Prachtboulevard entwickelt, ebenso zu Gehr, wie die Faust Ouvertre vom Braunschweiger Komponisten Louis Spohr. Goethes Faust wurde am herzoglichen Hoftheater in Braunschweig uraufgefhrt. Die Geschichte der Stadt ist mit ihrer reichen Kultur- und Wissenschaftslandschaft insbesondere durch die Zeit als Hauptstadt des Herzogtums geprgt. Ehrengste der Schlosserffnung waren die ehemaligen Ministerprsidenten des Landes Niedersachsen Dr. Ernst Albrecht und Gerhard Glogowski – den Hochadel vertrat mit Prinz Heinrich, Herzog von Braunschweig-Lneburg ein Enkel der letzten Landesfrstin Herzogin Victoria Luise, die die einzige Tochter des letzten deutschen Kaisers war. Das Besondere am Wiederaufbau der Schlossfassade ist das Finanzierungsmodell, das viele Nachahmer finden wird. Denn das Gebude entstand ohne den Einsatz finanzieller Mittel von Stadt, Land oder Bund. Vielmehr gelang es der Stadt Braunschweig die ECE Projektmanagement GmbH und Co KG, die eine Vielzahl von Einkaufszentren in Deutschland und Europa entwickelt, realisiert, vermietet und langfristig betreibt, zu bewegen, vor dem Einkaufszentrum den Schlosskrper und die Fassaden des Residenzschlosses eins zu eins unter Verwendung von mehr als 600 erhalten gebliebenen Originalteilen als Residenzschloss am ursprnglichen Ort wiederaufzubauen. Auf Beschluss des Stadtrates war trotz massiver Proteste der Bevlkerung und der letzten Regentin des Herzogtums Braunschweig, Herzogin Victoria Luise, das kriegsbeschdigte Residenzschloss 1960 abgerissen worden und hatte eine tiefe Wunde in der Braunschweiger Innenstadt und der Seele der Einwohner hinterlassen. Das Land Braunschweig verlor seine Mitte und die Menschen einen Identifikationspunkt. Der Kampf um Macht und Ansehen zwischen der niederschsischen Landeshauptstadt Hannover und der ehemaligen Hauptstadt des Landes Braunschweig ist hnlich radikal wie zwischen Kln und Dsseldorf. Aber schon jetzt wirken Residenzschloss-Rekonstruktion und auch das ECE-Einkaufszentrum als Impulsgeber fr die Stadt Braunschweig. Eine Vielzahl von Neuansiedlungen steht dem niederschsischen Oberzentrum bevor und die gesamte Innenstadt hat sich zum Positiven gewandelt. Demgegenber ist der befrchtete Kuferschwund in den alten Fugngerzonen nicht eingetreten, sondern vielmehr hat die Zahl der Kufer aus dem Umland deutlich zugenommen. Braunschweig hat durch das Einkaufszentrum und das Residenzschloss seinen Stellenwert als Einkaufs- und Kulturstadt ausgebaut. Die finanzielle Lage der Stadt Braunschweig, die in den vergangenen Jahren eine deutschlandweit beispiellose Entschuldung erreichte, erlaubte es jedoch nicht, die Rume des Residenzschlosses entsprechend auszustatten. Lediglich 1,2 Millionen Euro standen dafr zur Verfgung. Glcklicherweise haben verschiedene Stiftungen, darunter die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und die Stiftung Nord/LB-ffentliche, groe Anstrengungen unternommen, damit das Schloss auch im Inneren wie ein Schloss aussieht. Doch hier ist noch viel zu tun. Durch die weitere Aufwertung des Schlossinneren lsst sich sicher auch der Stellenwert der Stadt Heinrichs des Lwen als Touristenziel aufpolieren. Welche Stadt kann schon im Umkreis von wenigen hundert Metern Dom, Burg, Schloss und bedeutende Museen und Theater prsentieren? Braunschweig kann’s. In seiner Rede stellte der Oberbrgermeister Dr. Gerd Hoffmann die drei groen Epochen der Braunschweiger Geschichte dar: Das Zeitalter Herzog Heinrichs des Lwen und seines Sohnes Kaiser Otto IV. von Braunschweig, in der die Stadt an der Oker ein europisches Machtzentrum war, die Hansezeit, in der die Hansestadt Braunschweig faktisch eine selbststndige Reichsstadt war und zu den bedeutendsten Stdten Europas zhlte und schlielich die Epoche als Residenz eines kleinen, aber einflussreichen und wirkungsvollen Landes, des Herzogtums Braunschweig und nach der November-Revolution des Freistaates sowie spter des Landes Braunschweig, das erst 1946 im Land Niedersachsen aufging. Durch den Verlust der Eigenstndigkeit und den Abriss des schwer kriegsbeschdigten Residenzschlosses sowie die Zonenrandlage verloren die Menschen im alten Lande Braunschweig einen Teil ihrer Identitt, die durch die imposante Fassade und den wohlproportionierten Platz vor dem Residenzschloss jetzt zurckgekehrt ist. Die Stadt Braunschweig hat das Residenzschloss angemietet, um hier konzentriert die Kultureinrichtungen der Stadt unterzubringen. So entwickelte sich das Residenzschloss vom herzoglichen Mittelpunkt eines kleinen Landes zum Hort der Kultur. Das grte Manko des prchtigen Gebudes ist das an vielen Stellen noch fehlende Schlossambiente im Inneren. Es ist aber schon geplant, einen Thronsaal einzurichten und das Schlossmuseum sowie die stdtischen Kultureinrichtungen weiter aufzuwerten. Nachdem schon der Braunschweiger Unternehmer Richard Borek II vehement gegen den Abriss des Schlosses gekmpft hatte, verwundert es nicht, dass sich sein Sohn Richard Borek III fr den Braunschweiger Residenzschloss einsetzt. In weniger als zwei Jahren gelang es den Bauherren das Braunschweiger Residenzschloss, das als jngster eigenstndiger Residenzbau in Deutschland gilt, mit seinem barocken Schema und einem ausdrucksstarken sptklassizistischem Stil mit mannigfaltigen Zitaten antiker Architektur, zu rekonstruieren. Das von vielen Braunschweigern als Kulturschloss bezeichnete Gebude, bietet Platz fr das Stadtarchiv, die Stadtbibliothek, die ffentliche Bcherei, das Kulturinstitut und das Schlossmuseum, das die wechselvolle Geschichte des Schlosses zeigt. Die Menschen haben scheinbar ihr Schloss und auch das riesige dahinter liegende Einkaufszentrum „Schloss-Arkaden“ angenommen und die Stadt Braunschweig ist um eine touristische Attraktion und eine schnen attraktiven Konsumtempel reicher. Zusammenwachsen knnen beide nicht, da sich hier Kultur und Kommerz diametral begegnen. Der Kommerz liegt hinter dem Schloss und vor Braunschweig und seinen Gsten eine wundervolle Aussicht, die um eine ebensolche Innensicht ergnzt werden sollte! Dass sich die Planer der Rekonstruktion des Berliner Schlosses im Austausch mit der Stadt Braunschweig befinden, verwundert nicht. Autor: Sven-David Mller-Nothmann, ZEK, Gotenring 37, 50679 Kln (Deutz), info@svendavidmueller.de Abdruck honorarfrei – Belegexemplar erbeten
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